15. TiL-Jahrgang aufgenommen

51 neue Stipendiat*innen sind seit dem 1. September Teil der TiL-Familie und werden auf ihren Bildungswegen unterstützt und beraten. Am 14. November wurden sie von Kultusministerin Susanne Eisenmann sowie Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, und Dr. Dagmar Wolf, Bereichsleiterin Bildung der Robert Bosch Stiftung, feierlich im Neuen Schloss Stuttgart als 15. Jahrgang in das Programm „Talent im Land“ aufgenommen. „Die Stipendiaten sind außergewöhnliche Jugendliche, die trotz schwieriger Startbedingungen ihre Motivation nie verloren haben und voller Zuversicht in die Zukunft blicken. Dabei denken sie nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere“, betonte Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, in ihrem Grußwort. Zudem riet sie den Stipendiatinnen und Stipendiaten, dass man bei Misserfolgen nicht liegen bleiben dürfe, sondern wieder aufstehen und weiterkämpfen solle.

Für die 31 Mädchen und 20 Jungen, die aus insgesamt über 300 Bewerbungen ausgewählt wurden, öffnen sich als TiL-Stipendiaten ganz neue Perspektiven. Neben einer monatlichen Förderung von in der Regel 150 Euro erhalten sie Zugang zu einem umfangreichen Seminar- und Bildungsprogramm, lernen bei der Sommerakademie berufliche Vorbilder kennen und können sich innerhalb eines Netzwerks aus rund 650 „Talent im Land“-Alumni Ratschläge für Schule und Berufsplanung einholen.

Die neu aufgenommenen TiL-Familienmitglieder stammen aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Kulturkreisen. Während 27 Stipendiat*innen in Deutschland geboren sind, zählen zu den Herkunftsländern der anderen Jugendlichen beispielsweise Pakistan, Rumänien, Afghanistan, Iran, Sri Lanka, Libanon und die Philippinen. Die größte Gruppe mit elf Schülerinnen und Schüler stammt ursprünglich aus Syrien. „Herkunft darf nicht über den Zugang zu Bildung entscheiden. Mit Talent im Land fördern wir auch diejenigen, die bisher vielleicht übersehen wurden und die sich trotz mancher Hindernisse nicht unterkriegen lassen“, erläuterte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben bereits soziales oder politisches Engagement gezeigt oder Urkunden für schulische oder sportliche Leistungen erhalten. Sie sind bunt interessiert an Neuem und haben oftmals bereits ambitionierte berufliche Ziele vor Augen. In diesem Jahr stehen besonders technische und naturwissenschaftliche Studienfächer wie Informatik, Mathematik oder Ingenieurwesen hoch im Kurs. Auch ein hohes Interesse an Thema Gerechtigkeit wurde spürbar: Einige Schülerinnen und Schüler haben Interesse an politischen Themen, möchten bei der UNO arbeiten oder Medizin studieren, um in Kriegsgebieten aktiv vor Ort helfen zu können.

Die Festveranstaltung lieferte den anwesenden Gästen einen Einblick in die Bestandteile des Programms, von denen die neuen Stipendiat*innen in den kommenden Jahren profitieren werden. So hob in einer Gesprächsrunde TiL-Alumnus Ivo Georgiev hervor, in welcher Art und Weise die Impulse des Bildungsprogramms ihm geholfen hatten, seine Talente zu entfalten. Und Sommerakademieleiterin Erika Magyarosi schilderte ihre Erfahrung, dass die Sommerakademie ein Geben und Nehmen sei, bei dem unglaublich viel Begeisterung und Energie bei allen Beteiligten spürbar werde. Ein → kurzer Film lieferte einen Eindruck von der Atmosphäre und den Inhalten eines  Wochenend-Seminars.

Die aktuellen Stipendiat*innen Jakub und Ophundem beeindruckten mit ihrer Präsentation vom Song „A Million Dreams“, und Neu-Stipendiat Younes gab einen beeindruckenden Einblick in die koreanische Kampfkunst „Taekwondo“. Der Abend klang bei netten Gesprächen und einem Fingerfood-Buffet begleitet von Livemusik harmonisch aus.

Fünf der neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten stellen wir hier vor:

Sahar

Sahar

Vor genau drei Jahren kam Sahar mit ihrer Mutter, Großmutter und Tante aus dem Iran nach Deutschland in den Schwarzwald. Schon in dieser kurzen Zeit legte die gebürtige Afghanin eine beträchtliche Laufbahn hinter sich. Als Sahar im Jahr 2016 begann, auf eine Realschule zu gehen, empfahlen ihre Lehrkräfte ihr schon nach vier Monaten, auf ein Gymnasium zu wechseln. Dieses besucht Sahar nun in der 8. Klasse.
Ihr Interesse für Sprachen begann schon früh, als sie im Iran eine Grundschule besuchte. Zu dieser Zeit lernte sie mit Hilfe des Internets Englisch. Nicht nur das Sprachenlernen begeistert sie, sondern auch die Literatur. So liest sie schon jetzt mit großem Enthusiasmus Franz Kafka und Paolo Cohelo. Sahar hat auch eine künstlerische Seite. Sie nimmt Gitarrenunterricht, singt im Schulchor mit und malt und schreibt für eine afghanische Kinderzeitschrift. Für eine ihrer Geschichten wurde sie als beste Schriftstellerin ihrer Altersgruppe bei einem iranischen Literaturfestival ausgezeichnet. Da sie nach ihrem Abitur gerne Schriftstellerin und Physikerin werden möchte, ist Sahar hoch motiviert und hofft, dieses Ziel mithilfe von TiL erreichen zu können. Wir freuen uns darauf, Sahar in den nächsten Jahren begleiten zu dürfen!

Marco

Marco

Marco – ein 17-jähriger mit einem großen Traum: Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren und irgendwann Astronaut zu werden. Und dafür legt dich der Zehntklässler, dessen Eltern aus China stammen, schon jetzt schwer ins Zeug. In den Ferien und neben dem Schulalltag absolvierte er schon mehrere freiwillige Praktika, wodurch sich sein Studienwunsch noch vertiefte. Seine Fächerwahl für die Oberstufe passte Marco also genau diesem Ziel an. Nebenher engagiert er sich ausdauernd in der Biologie-AG oder bei „Jugend Forscht“, wo er den 2. Platz des Regionalwettbewerbs belegte.
Soziales Engagement zeigt Marco als Klassensprecher und als Tutor, der Fünftklässlern den Unterrichtsstoff erklärt, den sie noch nicht verstanden haben. In seiner Freizeit hat er sich das Programmieren und die Kartenmagie beigebracht. Auch Musik begeistert Marco und spielt für ihn eine wichtige Rolle. Dazu gehört das Klavierspielen und das Tanzen – Hip-Hop und im Jugendtanzkreis –, was einen bedeutsamen Ausgleich zum stressigen Schulalltag darstellt.
TiL soll es Marco ermöglichen, sich noch weiter fortzubilden, um so seinem großen Traum immer näher kommen zu können. Wir freuen uns darauf, ihn auf dem Weg zu den Sternen ein Stück weit begleiten zu können!

Clara

Clara

Die 16-jährige Clara ist jugendpolitisch sehr aktiv. Als Vorsitzende des Jugendrats leitet und organisiert die Zehntklässlerin die Sitzungen und ist Ansprechpartnerin für Fragen und die Verwaltung. Immer wieder organisiert und moderiert sie Jugendkonferenzen und Jugendforen und setzt sich so für mehr Jugendbeteiligung bei verschiedensten Themen ein. Zudem engagiert sie sich seit Kurzem in der Jugendorganisation einer Partei.
Doch auch Tiere sind Clara wichtig. So hilft sie regelmäßig bei einer Ponyranch aus, versorgt die Tiere, reitet sie und hilft beim wöchentlichen Kinderprogramm sowie beim Kinderferienprogramm mit. Ihr drittes Standbein ist die Musik: Sie spielt Alt- und Tenorblockflöte (mit der sie auch in einem Blockflötenensemble mitspielt) und nimmt Cellounterricht. Neben den vielfältigen Engagements findet Clara trotzdem noch die Zeit, sich motiviert und ausdauernd um ihre schulischen Pflichten zu kümmern und konnte so in der 9. Klasse von der Gemeinschaftsschule, in der sie auch in der SMV aktiv war, auf ein Gymnasium wechseln.
Was sie später einmal studieren möchte, weiß sie noch nicht so genau, obwohl sie sich sehr für Politik und auch den Rechtsbereich interessiert. Sicher steht aber, dass sie davor Freiwilligenarbeit in einem sozialpolitischen Projekt im Ausland leisten möchte. Wir freuen uns auf die kommenden Jahre mit ihr!

Mohannad

Mohannad

Mit Mohannad haben wir einen jungen Schriftsteller bei TiL aufgenommen! Der 21-Jährige Syrer aus Damaskus floh 2014 mit seiner Mutter zunächst in die Türkei, konnte dort aber nicht bleiben. Nach seiner Ankunft in Deutschland Ende 2015 lernte er sehr schnell fließend Deutsch und konnte bald ehrenamtlich als Dolmetscher aushelfen. Deutsche Bücher zu lesen halfen ihm beim Deutschlernen – und diese lieferten ihm dann die Idee, selbst eines zu schreiben: Über sich und seinen Weg von Syrien nach Deutschland.
Schon als Kind interessierte er sich zudem für Beleuchtungssysteme und erkannte so früh, dass sein Traumberuf im Bereich des Elektroingenieurs liegt. Da sein in der Türkei erworbenes syrisches Abitur in Deutschland nicht anerkannt wird, besucht Mohannad seit September 2017 deshalb nun – als zwölfte Schule auf seinem Bildungsweg – ein technisches Gymnasium mit dem Schwerpunkt Mechatronik, um im Anschluss studieren zu können. Nebenher ist er Mitglied in einem Schachclub und hat auch bei einem Filmprojekt mitgemacht, bei dem er die Filmgruppe koordinierte.
Wir freuen uns, Mohannad auf seinem Weg bis zum deutschen Abitur begleiten zu dürfen!

Manuela

Manuela

Mit der 16-jährigen Manuela wurde eine besonders vielfältig engagierte und interessierte Stipendiatin aufgenommen. Die neugierige Zehntklässlerin, deren Eltern aus Togo stammen, ist stets motiviert, Neues zu lernen, was sich auch in ihren jährlichen Auszeichnungen für ihre schulischen Leistungen zeigt. Besonders die Naturwissenschaften, hauptsächlich Neurobiologie und -medizin interessieren sie sehr. Später möchte sie in diesen Bereichen forschen und dabei sicherstellen, dass nicht nur wohlhabende Industriestaaten von neuen Erkenntnissen profitieren können.
Da es Manuela wichtig ist, ihr Wissen weiterzugeben, unterstützt sie jüngere Schüler*innen ehrenamtlich in den Fächern Englisch und Französisch. Weiteres Engagement zeigt sie bei der Vorbereitung der Schülerdelegation für das Projekt „Model United Nations“, bei dem Prozesse der Vereinten Nationen simuliert und aktuelle politische Themen diskutiert werden. Darüber hinaus unterstützt sie andere beim Schreiben von Romanen durch Korrekturlesen der Texte und schreibt selbst Geschichten und Gedichte. Manuela nimmt außerdem noch Klavierunterricht und ist karnevalistische Gardetänzerin.
Wir sind schon neugierig, wo sich Manuela in den nächsten Jahren engagieren wird!