Veranstaltungs-Rückblicke

Der Abschluss naht: das Abilerncamp 2018

Schon letztes Jahr ein voller Erfolg: das Abilerncamp für den Endspurt der Prüfungsvorbereitungen erfreute sich auch in diesem Jahr wieder großer Beliebtheit unter den baldigen Abiturient*innen. Von Freitagnachmittag bis Montagmittag verbrachten 25 Noch-Stipendiat*innen vier intensive Tage mit viel gemeinsamer Lernzeit und anderen anregenden Programmpunkten. Nicht fehlen durfte dabei ein fünfköpfiges Team von Alumni, die die baldigen Prüflinge mit Fachwissen und anderen hilfreichen Informationen unterstützten.

Das Wochenende war geprägt von Lerneinheiten, die frei gestaltet werden konnten. Die Alumni in ihrer Mentor*innenfunktion standen dabei wo es nur ging mit Rat, Tat und jeder Menge Informationen zur Seite, doch auch Einzelarbeit war gern gesehen und konnte in den recht ruhigen Hängen über Schwäbisch Hall gut realisiert werden. Die Alumni begleiteten die Stipendiat*innen außerdem mit anregenden Workshops und Gesprächen zu den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch.

Ein Ausgleich durfte natürlich nicht fehlen! Jeden Morgen konnten sich die Frühaufsteher*innen der Gruppe zum Morgenlauf treffen, um erfrischt in den Tag zu starten. Regelmäßige Pausen für Snacks und ein wenig Bewegung sorgten für eine gute Atmosphäre. Obwohl in der abschließenden Feedback-Runde die Stimme laut wurde, man hätte doch auch nach dem Abendessen noch Lernzeiten einrichten können, waren es doch genau diese Stunden des Erholens, die den Rest des Tages so produktiv machen konnten. Denn auch ein rauchender und ratternder Kopf muss bisweilen abschalten… 🙂

Viel zu schnell kamen der Montag und die Abreise – und damit war wieder ein großer Schritt in Richtung Schulabschluss getan! Den Absolvent*innen im Jahr 2018 wünschen wir viel Erfolg bei den Prüfungen und nur wenig Stress!

Fairplay oder Foulspiel – wo ist Sport politisch?

„Fairplay oder Foulspiel – wo ist Sport politisch?“ Diese Frage stellten sich 50 TiL-Stipendiatinnen und Stipendiaten am letzten März-Wochenende bei einem in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung organisierten Seminar im Haus auf der Alb in Bad Urach.

Das vielschichtige und mehrdimensionale Wechselverhältnis zwischen Sport und Politik wurde von den Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Am Freitag erfolgte zunächst eine multimediale Annäherung an das Thema. Mit Fotos, Filmausschnitten, Kurzmeldungen und Posts sollten die Stipendiat*innen in Kleingruppen mediale Ereignisse der Vergangenheit auf einer Skala zum Politik-Gehalt des entsprechenden Ereignisses einordnen. Die unterschiedlichen Einordnungen der Gruppen machten deutlich, dass Ereignisse aus der unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen werden können.

Am Samstag vertiefte die Gruppe an mehreren Themen-Tischen zunächst die bereits am Freitag angesprochenen Aspekte Doping, Sportförderung, Fankultur, Vergabe von sportlichen Großereignissen sowie Integration in und durch Sport. Am Nachmittag erfolgte dann nach eigener sportlicher Betätigung bei traumhaftem Frühlingswetter eine kreative Aufbereitung der Erkenntnisse in einem kurzen Filmclip, einem Radiobeitrag, einem Essay, einer Karikatur, einer Werbekampagne sowie einem kurzen Theaterstück. Den Abschluss fand der Abend mit einer Vorführung des auf wahre Begebenheiten beruhenden Spielfilms Invictus. In diesem Film „verpflichtet“ der nach seiner Haftentlassung und dem Ende der Apartheid zum südafrikanischen Präsidenten gewählte Nelson Mandela die (fast ausschließlich weiße) Rugby-Nationalmannschaft auf einen Sieg der Rugby-Weltmeisterschaft 1995 in Südafrika. Als wäre er für das Seminar beauftragt worden zeigt der Film exemplarisch die Integrationskraft des Sports, mithilfe der die demokratische Wende Südafrikas und die Überwindung der Rassentrennung unterstützt wurde.

Am Sonntag schließlich stand die ehemalige Bundesliga-Handballerin Kaya Diehl, die mit ihrer ehemaligen Mannschaft HC Leipzig EHF-Championsleague-Teilnehmerin und 2016 Handball-Pokalsiegerin war, den Stipendiatinnen und Stipendiaten Rede und Antwort. Von Sportförderung, Doping, Fankultur bis hin zu den Arbeitsbedingungen im Spitzensport kamen dabei viele Themen zur Sprache und gaben den Schüler*innen einen Einblick in die Welt des Spitzensports.

Hier gibt es noch die Ergebnisse der Kreativgruppen:

Der Radio-Beitrag zum Thema Fußball-WM 2022 in Katar.

Der Essay zum Thema Sportförderung in Deutschland.

Das Motiv der Anti-Doping-Kampagne.

Die Karikatur zum Thema Sportförderung in Deutschland.

Der Video-Beitrag zum Thema Doping.

 

 

Was will ich studieren? Das SOS – Studienorientierungsseminar 2018

Studieren – warum eigentlich? Welcher Studiengang bietet sich für mich an? Wie stelle ich mir eigentlich meine Zukunft vor und wie kann ich diese Vorstellung umsetzen? Gibt es eine effektive Art des Informierens? Anhand dieser Fragen ließen sich 38 Stipendiat*innen von fünf Trainer*innen durch das Wochenende führen und konnten anschließend zumeist zwar nicht mit weniger Fragen, aber mit konkreteren Fragen für die weitere eigene Studienorientierung in die Zukunft blicken.

Das Seminar begann mit einer zentralen Voraussetzung für ein Seminar zur Studienorientierung: Lohnt sich ein Studium? Trainer Baris Ünal, im Hauptberuf Leiter der Studienberatung an der TU Berlin, stellte den Stipendiat*innen eine ganze Reihe von Gründen vor, die für ein Studium sprechen, und welche Voraussetzungen jemand mitbringen muss, der studieren möchte.

Davon geleitet startete der erste vollständige Seminartag in fünf Kleingruppen mit einer Erarbeitung der persönlichen Zukunftsvisionen. Nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Aspekte wurden mit einbezogen. Die Wünsche für die eigene Zukunft wurden durch das Bauen von ‚Zukunftsskulpturen‘ visualisiert. In einer Coaching-Paarübung erarbeiteten die TiLer am Nachmittag anhand einer Stärken- und Schwächenanalyse den Einfluss persönlicher Faktoren auf die Studienwahl.

Am letzten Tag des Seminars stellten die Stipendiat*innen ihre persönlichen Erkenntnisse des Vortages ihrer Kleingruppe vor und erhielten aus der Gruppe und vom jeweiligen Trainer Rückmeldung. Die individuellen Fähigkeiten wurden noch einmal hervorgehoben und damit können die TiLer nun gestärkt in das letzte Jahr vor dem Abitur starten. Zu guter Letzt sollte noch ein wenig mehr Organisation in das gedankliche Drunter und Drüber nach dem aufschlussreichen Wochenende gebracht werden: Informationsangebote und Bewerbungsmodalitäten wurden aufgearbeitet, um sie richtig nutzen zu können.

Das Alumnitreffen 2017

An der Rheinpromenade gelegen trafen sich Ende November eine große und vorfreudige Gruppe ehemaliger TiL-Stipendiat*innen aus Nah und Fern, um ein lehrreiches, spannendes, und vor allem schönes Wochenende zu verbringen. Mit viel Input seitens der Ehemaligen wurden die beiden Tage gestaltet: während am ersten Morgen noch das persönliche Verhältnis zu TiL im Vordergrund stand, ging es am Abend um den Talent im Land Alumni-Verein und aktuelle vereinsinterne Entwicklungen sowie um Neuigkeiten aus der Quelle Nummer Eins für TiLer – dem TiL-Büro. Auch der zweite Morgen brachte ein paar Auffrischungen aus dem Netzwerk rund um TiL: die Berichte aus den Regionalgruppen stellten vor, wie die nahe beieinander lebenden Stipendiat*innen und Alumni zusammenfanden.

Das Oberthema des Wochenendes, „Die Kunst zu…“ wurde in den TED-Talks am Samstag Nachmittag ausgearbeitet. Das Thema wurde ausgewählt, da bei Kunst zwar als erstes sicherlich Gemälde, Skulpturen oder Installationen in den Sinn kommen, und doch auch viel Alltäglicheres als Kunst verstanden werden kann: Die Kunst zu meditieren, die Kunst der Wissenschaft, die Kunst in der Mode… Die verschiedenen Künste der TiL-Familie wurden in den TED-Talks erkundet.

Der letzte Abend war traditionsgemäß geprägt von hitzigen Diskussionen rund um die Fragen des Großen Preises, der dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum feierte. Von Sport über Kultur bis hin zu Geschichte waren fünf Kategorien abgedeckt und die plötzlich überraschend wetteifrigen Ehemaligen waren nicht nur mit Fragen über das vielleicht am unangenehmsten stinkende Essen der Welt konfrontiert, sondern auch über Fjodor Dostojewski, Coca-Cola und Dirk Nowitzki.

Talent kennt keine Herkunft

53 neue Stipendiaten sind seit dem 1. September Teil der TiL-Familie und werden auf ihren Bildungswegen umfassend unterstützt. Am 15. November wurden sie von Kultusministerin Susanne Eisenmann sowie den Geschäftsführern der beiden Stiftungen, Christoph Dahl und Uta-Micaela Dürig, feierlich im Haus der Wirtschaft Stuttgart in das Programm „Talent im Land“ aufgenommen. „Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und der aktiven Teilhabe an unserer Gesellschaft. Deshalb unterstützt ‚Talent im Land‘ begabte junge Menschen, die sich trotz mancher Hindernisse nicht unterkriegen lassen und ihren Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife fest im Blick haben“, betont Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Für die 34 Mädchen und 19 Jungen, die aus insgesamt 276 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt wurden, öffnen sich als TiL-Stipendiaten ganz neue Perspektiven. Neben einer monatlichen Unterstützung von in der Regel 150 Euro erhalten sie Zugang zu einem umfangreichen Seminar- und Bildungsprogramm, lernen bei der Sommerakademie berufliche Vorbilder kennen und können sich innerhalb eines Netzwerks aus rund 650 „Talent im Land“-Alumni Ratschläge für Schule und Berufsplanung einholen.

Der neue Zuwachs stammt aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Kulturkreisen. Während 24 Stipendiaten in Deutschland geboren sind, zählen zu den Herkunftsländern der anderen Jugendlichen beispielsweise Pakistan, Afghanistan, die Türkei, Bulgarien, Kolumbien und China. Die größte Gruppe stammt ursprünglich aus Syrien: Zwölf Jugendliche sind dort geboren. „Vielfalt ist ein wichtiger Bestandteil des Programms. Unabhängig von Herkunft und sozialem Status setzen wir uns mit TiL für faire Bildungschancen ein. Jedes Jahr aufs Neue machen die persönlichen Erfolgsgeschichten deutlich, wie das Programm den Lebensweg junger Menschen positiv beeinflussen kann“, erklärt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben in ihren jungen Jahren bereits soziales oder politisches Engagement gezeigt oder Auszeichnungen für schulische oder sportliche Leistungen erhalten. Sie sind vielseitig interessiert und haben oftmals bereits klare berufliche Ziele vor Augen. „Mit ‚Talent im Land‘ setzen wir uns dafür ein, dass das Engagement und die Motivation junger Menschen nicht von äußeren Umständen ausgebremst werden. Junge Talente dürfen nicht darunter leiden, wenn zuhause keiner bei schulischen Fragen helfen kann oder das Geld nicht ausreicht, beispielsweise für die technische Ausstattung eigener Experimente“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. In diesem Jahr stehen besonders technische und naturwissenschaftliche Studienfächer, wie Mathematik, Ingenieurwesen oder Medizin hoch im Kurs. Aber auch Herausforderungen, wie die Teilnahme an der Tour de France oder die Mithilfe beim Wiederaufbau Syriens zählen zu den ehrgeizigen Plänen der jungen Menschen. „Ich möchte die Welt mit meinem Beruf konstruktiv verbessern“, bringt es eine Stipendiatin auf den Punkt.

Seit 2003 gibt es „Talent im Land“, durch das bereits mehr als 700 begabte Schülerinnen und Schüler gefördert wurden. Neben Talent müssen die Schüler Ausdauer, Zielstrebigkeit und soziales Engagement mitbringen. Bewerben können sich Jugendliche, die mindestens die siebte Klasse besuchen und die Schule mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife beenden möchten. Die nächste Bewerbungsrunde startet im Februar 2018. Das Gesamtbudget für „Talent im Land“ beträgt pro Kalenderjahr rund 900.000 Euro.

Vier der neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten stellen wir hier vor:

Maria

Maria

Bereits vor ihrer Aufnahme als TiL-Stipendiatin war Maria ein kleiner Star: die 15-jährige Schülerin der Hebelschule Schliengen ist begeisterte Modedesignerin. Sogar schon aus dem Hause Dior gab es via Instagram Lob für Marias Rekreation eines Dior-Kleides. Das Besondere: Maria produzierte zunächst ausschließlich Fashion auf Mikroebene – für Barbies! Auf Facebook haben sie und ihre Kreationen eine treue Fangemeinde (mit etwa 40 000 Likes!) und in Marias Heimat Kolumbien ist ihr Label ‚Mariaang‘ eine eingetragene Marke, die inzwischen auch dazu genutzt wird, um Mode im ‚großen‘ Stil zu kreieren und sich ehrenamtlich zu engagieren.
Der Beginn ihrer modischen Reise war eine Nähmaschine, die Maria geschenkt bekam, als sie 2014 mit ihrer Mutter nach Deutschland kam und sich zu Beginn noch vor allem auf Englisch unterhalten musste, da sie kein Deutsch sprach. Was sie zuvor nur auf Papier kreiert hatte, konnte sie jetzt praktisch umsetzen, und der Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten ließ mehr Raum für das das Schneidern.
Maria konzentriert sich momentan auf ihre Schullaufbahn, um ihre Modeambitionen mit einem sehr guten Abitur an einer Hochschule in Deutschland fortzusetzen zu können. In ihrer Freizeit findet sie Ausgleich im Sport und beim Singen im Chor. Wir freuen uns, Maria auf ihrem spannenden Weg zu begleiten!

Tariq

Tariq

Tariqs Weg führte den 18-jährigen Gymnasiasten vom kriegsgebeutelten Kabul nach Rheinfelden, wo er heute mit seiner Familie lebt und sich aktiv gegen Vorurteile gegenüber Geflüchteten einsetzt. Dafür hat Tariq eine wahre Vielzahl an Engagements vorzuweisen: er ist unter anderem ehrenamtlicher Dolmetscher (und dabei ist er vielfältig einsetzbar, denn er spricht sechs Sprachen), nimmt an der Mediatoren-AG seiner Schule teil, beteiligt sich im Jugendparlament Rheinfelden, gibt Nachhilfe und war Klassensprecher. Darüber hinaus hielten er und seine Geschwister schon einige gut besuchte Vorträge, um von ihren Erfahrungen zu berichten und eine Perspektive auf Flucht und das Leben außerhalb Westeuropas zu geben.
Tariq möchte nach seinem Abitur Jura studieren. Damit möchte er nicht nur den Skeptiker*innen unter Beweis stellen, dass er ebenso wie gebürtige Deutsche Erfolg haben kann, sondern auch dem Teil der Gesellschaft, der die Familie mit offenen Armen aufnahm, etwas zurückgeben. Dafür hat er sich innerhalb kürzester Zeit von der Werkrealschule auf das Gymnasium gearbeitet und auf dem Weg zudem Berufserfahrung durch Praktika gesammelt, unter anderem bei der Bürgermeisterin der Stadt Rheinfelden. Tariqs Schulweg wird nun bis zum Abitur von TiL begleitet und wir sind schon gespannt, mit welchen Aktivitäten er uns als nächstes beeindrucken wird.

Alisa

Alisa

Mit der 14-jährigen Alisa ist ein absolutes Energiebündel bei Talent im Land aufgenommen worden: Fußball, Leichtathletik, Tanzen und Ski beziehungsweise Snowboard fahren – Alisa macht so gerne und so viel Sport, dass sie manchmal bedauert, nicht mehr Zeit für soziales Engagement zu finden. Dennoch hat sie sich jetzt auch als Jugendgemeinderätin beworben. In ihrer Freizeit kümmert sich Alisa zudem um ihre erkrankten Großeltern, die ein paar Jahre vor ihrer Geburt mit Alisas Mutter und den älteren Kindern nach Deutschland migrierten. Alisas Verwandtschaft lebt weiterhin in der Ukraine – einst besuchte die Familie ihre Heimat regelmäßig, doch die politische Lage im Land lässt dies momentan leider nicht zu.
Alisa lebt in Tübingen und besucht dort ein Gymnasium – und wie ihre Hobbys schon ahnen lassen, befindet sie sich bereits seit der Unterstufe im Sportprofil. Doch auch Mathematik, Englisch und Deutsch fallen ihr leicht, so beweist sie sich selbst und anderen regelmäßig, dass es sich gelohnt hat, trotz Realschulempfehlung den gymnasialen Zug zu besuchen. Und auch für Kunst und Kreatives kann sich Alisa begeistern. Wir freuen uns auf die gemeinsamen Jahre!

Enver

Enver

Der gebürtige Bulgare Enver kam 2015 nach Deutschland und besucht bereits seit dem Schuljahr 2016/17 den gymnasialen Zug der Gesamtschule. Seine Mutter migrierte nach Deutschland, als er sieben Jahre alt war. Enver lebte währenddessen bei seinen Großeltern, lernte viel über Landwirtschaft und besuchte seit seinem 14. Lebensjahr das Gymnasium für Bauen, Architektur und Geodäsie, bevor er im Folgejahr nach Deutschland kam.
Hier versuchte er, seine vielfältigen Freizeitaktivitäten weiter aufrecht zu erhalten, um neue Kontakte zu knüpfen. So hat Enver Erfahrung im Theaterspielen und bei der freiwilligen Feuerwehr, geht aber auch gern klettern. Zudem besucht Enver einen betreuten Jugendtreff, in dem er und andere Ausgewanderte und Geflüchtete sich gegenseitig bei der Bewältigung einer neuen Sprache und den Hausaufgaben helfen können. Einer der Theaterregisseure, mit dem Enver zusammenarbeiten durfte, inspirierte ihn außerdem zu seinem Studienwunsch Zahnmedizin. Einen Plan B gibt es auch bereits: Enver könnte sich auch eine Laufbahn bei der Polizei vorstellen. Egal wofür er sich letztendlich entscheidet, wird Enver nun in den kommenden Jahren von TiL unterstützt. Dabei wird er das Programm mit seinen vielseitigen Erfahrungen und seiner offenen Art sicher bereichern.

Wiedersehen macht Freu(n)de: Das zweite Stipendiatentreffen des Jahrgangs 2016

Das zweite und bereits letzte Stipendiatentreffen stand für den TiL-Jahrgang 2016 Ende Oktober im Bernhäuser Forst in Filderstadt an – ein Grund für milde Empörung bei manchen, hatte man sich doch nur zweimal als Jahrgang getroffen und sich dabei so liebgewonnen. Doch beim dichten Programm an diesem Wochenende blieb kaum Zeit für solche schmerzlichen Gedanken! Unter dem Motto „Eine Meinung haben – und dazu stehen“ lernten die Stipendiat*innen mal spielerisch, mal intensiv alles Mögliche über rhetorische Grundregeln und das Redenhalten. Mit dabei wie auch in den vergangenen Jahren: Ingo Straten, der ehemalige Leiter der Sommerakademie, und ein Team von drei weiteren Rhetoriktrainerinnen.

Bereichert wurde das Programm zudem durch einen Vortrag von Thomas Di Paolo, der die Zuhörer*innen in die Bildsprache des Grafikdesigns einführte. Der Höhepunkt des Seminars war wie auch schon in den vergangenen Jahren die Große TiL-Debatte, die am Sonntagvormittag stattfand und die Stipendiat*innen bis zum Mittagessen und somit bis kurz vor der Abfahrt in Anspruch nahm.

Natürlich blieb auch Zeit für das ersehnte Wiedersehen: an den Abenden hatten die TiLer Zeit, die tolle Sporthalle des Bernhäuser Forsts zu nutzen oder einfach gemeinsam beisammen zu sein. Von diesen Stunden konnten die Teilnehmer*innen gar nicht genug bekommen.

Erstes Stipendiatentreffen des Jahrgangs 2017

Der TiL-Jahrgang 2017 ist ein ganz besonderer: drei Stipendiat*innen mehr konnten dieses Jahr mit aufgenommen werden und werden nun bis zum Abitur oder einem gleichwertigen Schulabschluss gefördert. Vom 15. – 17. September 2017 lernten die Neulinge sich gegenseitig und das TiL-Büro zum ersten Mal richtig kennen. Wie in den Vorjahren stand das Seminar in der Evangelischen Akademie Bad Boll unter dem Motto „Chancen bilden – auf dem Weg zu neuen Herausforderungen“.

Im Seminar lernen die Stipendiat*innen das Programm, die Gruppe, und sich selbst etwas besser kennen. Nach einem vielfältigen Kennenlernen am Freitag wurden die Schüler*innen am Samstag in wechselnde Gruppen eingeteilt. Während zwei Gruppen sich ihrer eigenen Fähigkeiten, Stärken & Zielen bewusst werden sollten, aber auch erfuhren, wie die anderen Stipendiat*innen sich mit den Herausforderungen des Alltags und der Schule auseinandersetzen, halfen Vertrauens- und Kooperationsübungen zwei weiteren Gruppen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Anschließend wurden die Gruppen getauscht. Bei der Talentshow am Samstagabend schließlich durfte jede*r Einzelne in offener Atmosphäre ihr oder sein persönliches Talent den anderen präsentieren. Und die Bühne wurde eifrig genutzt: Von Zaubertricks (oder was es doch Magie?) über Gesangseinlagen bis hin zu Artistik mit „Pois“ gab es einiges zu sehen und hören!

In einer Talkrunde mit drei ehemaligen Stipendiat*innen am Sonntag berichteten diese über ihre Erfahrungen aus dem Stipendium. Ebenfalls vorgestellt wurden den Stipendiat*innen ihre Regionalgruppen, in denen regelmäßig Aktivitäten in der näheren Region unternommen werden. Auch die Eltern bzw. Begleitpersonen und deren Fragen an das Programm kamen nicht zu kurz: im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen wurde eine Inforunde zu den Bestandteilen des Stipendiums angeboten.

Das Stipendiatentreffen war eine rundum schöne und intensive Veranstaltung, deren reibungsloser Ablauf nur noch durch ein fast unglaubliches Wiedersehen übertroffen wurde: Bereits beim Auswahltag im Juli trafen sich zwei Bewerber*innen nach langer Ungewissheit wieder – und nun waren sie gemeinsam in Bad Boll, um ihr Stipendium anzutreten: Zwei unserer neuen Stipendiat*innen kannten sich bereits von ihrer gemeinsamen Zeit in der syrischen Schwimm-Jugend-Nationalmannschaft. Durch die Flucht hatten sie sich aus den Augen verloren – jetzt sind sie beide im selben TiL-Jahrgang. Was für ein berührender Zufall. 🙂

Laborpraktikum am Heidelberger Life Science Lab 2017

Ein Schmankerl der besonderen Art gab es auch dieses Jahr in der letzten Woche der Sommerferien für eine kleine, illustre Truppe von Stipendiat*innen: das Laborpraktikum am Heidelberger Life Science Lab des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Über eine ganze Woche – vom 4. bis 9. September – konnten die acht TiLer alles Mögliche über Durchflusszytometrie, Restriktionsanalyse, kompetente Bakterien und Apoptoseinduktion lernen und jetzt vielleicht auch erklären, was das bedeuten soll. An den freien Abenden in Heidelberg wurden die zukünftigen Laborant*innen außerdem von TiL-Alumna Kameliya Georgieva begleitet, die Ansprechpartnerin, Programmgestalterin und Expertin in einem sein konnte – Kameliya hatte vor ihrem Abitur selbst am Praktikum teilgenommen und studiert inzwischen Medizin an der Universität Ulm.

Stipendiatin Anna Kling war eine der Teilnehmer*innen am DKFZ-Laborpraktikum und nahm sich im Anschluss die Zeit, einen Bericht für das Büro zu verfassen, den wir natürlich nicht vorenthalten wollen.

Das perfekte Gemisch

Was werde ich nur nach dem Abitur machen? Diese Frage beantworten zu können, gestaltet sich als eine der schwierigsten Herausforderung in der Kursstufe.

Das Laborpraktikum am DKFZ gab uns die Chance, genau diese Frage mit Sicherheit beantworten zu können. Eine Woche lang arbeiteten wir acht TiLer im Labor des Life-Science-Lab in Heidelberg. Dort bekamen wir einen Einblick in die Arbeit eines Naturwissenschaftlers. Das genaue Pipettieren und das hochkonzentrierte Arbeiten stellte uns vor eine neue Herausforderung. Im Labor stand uns jedoch Anja vom Heidelberger Science Lab zu Seite, die uns mit ihrer langjährigen Erfahrung als Laborassistentin tatkräftig unterstützte. Sie zeigte uns die Grundlagen der Laborarbeit und gab uns einen Einblick in das Leben im Labor. Wir stellten nicht nur unser eigenes Agarosegel her und sequenzierten Proteine, sondern untersuchten sogar das proapoptotische Verhalten an lebendigen Zellen. Fernab von allen praktischen Aspekten wurden wir auch mit den theoretischen Aspekten konfrontiert, die ein wissenschaftliches Studium mit sich bringt. Unsere zahlreichen Besuche in den verschiedenen Fachbereichen am DFKZ führte uns die Vielfältigkeit eines naturwissenschaftlichen Berufes vor. So wurde uns Tilern bewusst, dass selbst nach unserem Studium uns immer noch alle Türen offenstehen. Durch das Studium lerne man sich in unterschiedliche Fachbereiche einarbeiten zu können, das sei das Entscheidende, so Herr Dr. Warnken, der uns eindrucksvoll seinen Fachbereich der Proteomik vorstellte. Seine Begeisterung für diesen Fachbereich führte uns vor Augen, welche Möglichkeiten eine naturwissenschaftliche Anstellung birgt. Nach unseren anstrengenden, aber unheimlich interessanten Stunden im Labor hatte die Alumna Kameliya ein abwechslungsreiches Abend-Programm für uns vorbereitet. Wir besuchten das Heidelberger Schloss, trafen uns mit der Heidelberger Regionalgruppe und bummelten in der Stadt. Kameliya studiert seit 2016 Medizin und konnte uns daher zahlreiche Informationen zu ihrem Studium geben und für ihr Fach begeistern.

Das Laborpraktikum in Heidelberg hat uns Mut gemacht unseren Interessen zu folgen und Dinge einfach mal auszuprobieren. Vor allem unsere Betreuer Anja vom Science Lab und Kameliya haben uns gezeigt, dass wir keine Angst haben müssen, wichtige Zukunftsentscheidung zu treffen. Wie auch im Labor, entsteht erst durch die unterschiedlichen Stoffe das gewünschte Gemisch. So geht für einige die Suche nach den Zutaten noch weiter und andere können nun anfangen ihr „Gemisch“ herzustellen.

Besuch in der Stuttgarter Oper

Kurz vor den Sommerferien hatten 23 aktuelle und ehemalige TiL-Stipendiat*innen noch die Gelegenheit, eine bislang unbekannte Seite der Stuttgarter Oper kennenzulernen: nicht nur eine Aufführung von Puccinis ‚Tosca‘ sollten sie an dem Abend mitbekommen, sondern auch ein umfangreiches Programm im Vorfeld.

Zur Einstimmung erhielt die bunt gemischte Gruppe eine Führung durch das Stuttgarter Opernhaus, bei der die Teilnehmenden Einblicke in spannende Bereiche wie die Requisitenlager, die Schneiderein und auch die Kulissenwerkstatt erhielten. Insbesondere die Malerwerkstatt hat es unseren Schüler*innen dabei angetan. Darauf folgte ein inhaltlicher Workshop zu ‚Tosca‘, bei dem mithilfe einer Musiktheaterpädagogin die Handlung und die Motive der Protagonisten spielerisch erarbeitet wurden. Der Workshop führte zu so manchen Aha-Erlebnissen in der tatsächlichen Opernvorführung, mit der wir den Tag ausklingen ließen.

Eine Besonderheit war zudem die Nachbereitung des Workshops: Da es nicht möglich war alle Teilnehmenden für eine weitere Sitzung nach Stuttgart zu holen, fand die Nachbesprechung via Facebook-Gruppe statt. Eine weitere tolle Idee der „Jungen Oper“, die das Programm für TiL geplant und arrangiert hatte. Wir bedanken uns herzlich!

Sommerakademie 2017 in Überlingen

Verantwortung. Was die Welt zusammenhält

Anfang August fand im Salem International College in Überlingen die 12. Sommerakademie statt für 86 Stipendiatinnen und Stipendiaten von Talent im Land Baden-Württemberg und Bayern.

Unter dem Oberthema „Verantwortung. Was die Welt zusammenhält“ konnten die Stipendiat*innen einen Kurs wählen aus den Fachbereichen Journalismus, Biomedizin, Politik, Informatik, Wirtschaft und Jura. Die sechs Kurse wurden von Dozenten aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Praxis unterrichtet. Abgerundet wurde die Besetzung durch ein achtköpfiges Orga-Team und durch Akademieleiterin Erika Magyarosi.

Neben den Kursen und den kursübergreifenden sportlichen und informativen Angeboten, meist betreut durch die Stipendiat*innen selbst, waren vor allem die Abende mit abwechslungsreichen Veranstaltungen gefüllt. Ein absolutes Highlight war auch dieses Jahr wieder der Abend der Talente, bei dem sich die Teilnehmer*innen in unterschiedlichster Weise präsentierten. Unter anderem bei der Campusolympiade hatten die Teilnehmer*innen der Akademie Gelegenheit, neue Freundschaften zu schließen und alte zu vertiefen. Beim Abend mit Gästen diskutierten der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte Dr. Steffen Brink mit dem Journalisten Ingo Dachwitz von netzpolitik.org und Philipp Tiedt vom BigData-Unternehmen VICO Research & Consulting über das Thema Datenschutz im Netz. Orientierung auf dem Weg in ein Studium bot der Studieninfonachmittag. Nach Workshops zur richtigen Studienfachwahl, zur Studienfinanzierung, zu Mnemotechniken und zu den Studienorientierungstests berieten Kursleiter und Orga-Team zu diversen Studienfächern. Am Abschlussabend präsentierten die einzelnen Kurse mit szenischen Vorstellungen die Inhalte und Quintessenzen der vergangenen Woche.