Aktuelle Meldungen der Startseite

Neue Bewerbungsrunde für das Schülerstipendium Talent im Land

Ab sofort und noch bis zum 31. März kann man sich wieder für das Schülerstipendium Talent im Land bewerben. Das Programm steht unabhängig von einer Zuwanderungsgeschichte allen Schülerinnen und Schülern offen, die auf ihrem Bildungsweg zum Abitur bzw. zur Fachhochschulreife Hürden zu überwinden haben. Unterstützt werden die Stipendiatinnen und Stipendiaten durch eine monatliche finanzielle Förderung, durch ein begleitendes Bildungsprogramm sowie durch individuelle Beratung. Das Programm wird getragen von der Baden-Württemberg Stiftung und der Robert Bosch Stiftung.

Wer kann sich bewerben?
Über alle Schularten hinweg können sich Schülerinnen und Schüler, die das Abitur oder die Fachhochschulreife anstreben, um ein Stipendium bei Talent im Land bewerben. Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss mindestens Klassenstufe 7 besucht werden und bis zum Erreichen des (Fach-) Abiturs müssen noch zwei volle Schuljahre bevorstehen (Abschluss also frühestens 2018). Förderbeginn ist der 1. September 2016.
Auswahlkriterien sind

  • gute schulische Leistungen,
  • Motivation, Leistungsbereitschaft & Zielstrebigkeit,
  • außerschulische Ambitionen für Begabungsfelder wie Musik, Sport, Kunst oder Naturwissenschaften,
  • soziales, gesellschaftliches oder politisches Engagement.

Zusätzlich spielen die Lebensverhältnisse der Schülerinnen und Schüler eine Rolle, wenn dadurch eine erfolgreiche Schulkarriere spürbar erschwert wird, beispielsweise durch

  • mangelnde Unterstützung in Bildungsfragen,
  • Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Schulausbildung,
  • fehlenden sozialen Rückhalt der Familie (zum Beispiel durch prekäre oder fehlende Beschäftigung)
  • individuelle familiäre oder persönliche Belastungen

Wie kann man sich bewerben?
Schülerinnen und Schüler können sich ab dem 1. Februar bis zum 31. März 2016 online bewerben. Vielversprechende Bewerber und Bewerberinnen werden anschließend dazu aufgefordert, ein Motivationsschreiben und die Stellungnahme einer Lehrkraft sowie weitere Unterlagen einzureichen. Die besten Bewerberinnen und Bewerber werden zu einem Auswahlgespräch mit einer unabhängigen Jury eingeladen, 50 Stipendiatinnen und Stipendiaten auswählt.

Weitere Informationen
Für Rückfragen steht das TiL-Büro gerne zur Verfügung.

Ab sofort ein Teil der TiL-Familie

Fünfzig neue Stipendiatinnen und Stipendiaten starten in die Förderung

Ein wenig mutete es an wie der Einzug der Gladiatoren, als die ausgewählten neuen Schülerinnen und Schüler des Stipendienprogramms Talent im Land den Kursaal in Bad Cannstatt in Zweierreihen betraten. Begleitet vom rhythmischen Klatschen der gut zweihundert geladenen Gäste galt ihnen, den womöglich kommenden Bildungsgladiatoren, die ganze Aufmerksamkeit.

Schon vertraut mit den Ritualen der feierlichen Aufnahme bei Talent im Land ist die Ministerin im Staatsministerium Silke Krebs, die in diesem Jahr den Schirmherrn Ministerpräsident Winfried Kretschmann vertrat. Sie machte es gerne, sie machte es gut und vor allem sprach sie offen darüber, dass die Politik derzeit nur ein Thema beschäftige: „Wir kommen an der Flüchtlingsdiskussion gerade nicht vorbei.“ Da passt es freilich, dass unter den neuen TiL-Mitgliedern gleich drei junge Menschen sind, die als Flüchtlinge kamen und erst seit kurzem hier in Deutschland sind. „Das werden in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch mehr werden“, so die Ministerin.

Das wäre damit ganz im Sinne der beiden tragenden Institutionen von Talent im Land. Sowohl die Robert Bosch Stiftung als auch die Baden-Württemberg Stiftung wollen mit ihrem Engagement genau jenen eine passgenaue Unterstützung sein, die auf vielfältige Weise mit den besonderen Hürden des Lebens zu kämpfen haben. Hindernisse, die es den Mädchen und Jungen von TiL schwerer machen, „ihre schulischen Begabungen zu nutzen, ihre künstlerischen Talente zu entfalten oder ihr soziales Engagement in die Gesellschaft einzubringen“, sagte die neue Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung Uta-Micaela Dürig.

Begabung, das haben sie, findet auch der Leiter der Sommerakademie Ingo Straten, der als Mitge­stalter des Bildungsprogramms möchte, dass „aus den Talenten keine ewigen werden“. Schön sind da Bildungsgeschichten wie jene von Mergime Mahmutaj, die nach ihrer TiL-Laufbahn als Politikwissenschaftlerin nun ausgerechnet in der Abteilung Integration der Stadt Stuttgart viele Koordinationsfäden in der Hand hält. „Über die Sprache und die Bildung funktioniert Integration am besten. Das machen wir mit Talent im Land seit vielen Jahren sehr erfolgreich“, meinte Dr. Andreas Weber, der dem Bildungsbereich der Baden-Württemberg Stiftung vorsteht.

Moderatorin und Opernsängerin Cornelia Lanz bat denn auch nach und nach einige Stipendiatinnen und Stipendiaten auf die Bühne, damit nicht nur von Talenten gesprochen werde, sondern sie live erlebt werden dürfen. Mehmet Sakat spielte türkische Folklore auf der Saz, Mathangi Thangarasa bot eine Tanz aus Sri Lanka und die frisch gebackene Stipendiatin Marie David glänzte als Schauspielerin mit einer clownesken dramatischen Liebesgeschichte. Alle fünfzig Neulinge erhielten anschließend ihre Aufnahmeurkunde aus den Händen der Ministerin.

Die vielleicht bewegendsten Momente des Abends bescherte TiL-Alumnus Leon Mutunayake der Festgemeinde im Saal. In seiner Laudatio schilderte der Welt- und Europameister im Enshin-Karate Augenblicke und Ereignisse vor, während und nach seiner Zeit als Stipendiat. Den Jura-Studenten aus Freiburg führte Talent im Land vom Dunkel ins Licht der Welt. So jedenfalls beschreibt er seinen noch jungen Werdegang, der voller zukünftiger beruflicher sowie persönlicher Optionen bleibt. Mit welchem Witz und Gefühl für sprachliche Bilder er die neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten aufforderte, diese „unvergleichliche Chance durch Talent im Land zu nutzen“, hob nicht nur die jungen Leute, sondern einen ganzen Saal – die TiL-Familie.

 

Vier der neuen Stipendiaten stellen wir hier vor:

Ivona

Die 16-jährige Ivona lebt erst seit 2014 zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter in Ulm, nachdem ihr Heimatdorf in Kroatien durch eine Flutkatastrophe größtenteils zerstört wurde – wenige Wochen vor ihrem Schulabschluss und dem bevorstehenden Wechsel auf ein Gymnasium. Deutsch hatte sie sich selbst als Kind vor dem Fernseher beigebracht, was ihr im Fremdsprachenunterricht ab der 4. Klasse einen Vorteil gegenüber den Klassenkameraden einbrachte. So fiel der exzellenten Schülerin in Deutschland der direkte Einstieg in die 9. Klasse des Gymnasiums vergleichsweise leicht, trotz der großen kulturellen und sprachlichen Umstellung. In Kroatien tanzte Ivona in einer Volkstanzgruppe und spielte Klavier im Kirchenchor. Nachdem sie in Deutschland inzwischen auch in ihrem Alltag angekommen ist, möchte sie gerne Volleyball spielen und ihre stimmlichen und schauspielerischen Talente entfalten. Ivona hat einen großen Ehrgeiz und liebt das Gefühl etwas erreicht zu haben. Auch deshalb möchte sie nach ihrem Abitur gerne studieren.

Richard

Richard beeindruckte die Auswahljury mit seiner Bewerbung zutiefst: Nachdem seine Großmutter, bei der er in Ghana aufwuchs, verstorben war, kam er 2013 als 16-Jähriger nach Filderstadt. Erst hier lernte er seine Mutter, die nach Deutschland ging, als er noch klein war, und seine jüngeren Halbschwestern kennen. Innerhalb kürzester Zeit hat Richard Deutsch gelernt und seinen Haupt- und Realschulabschluss mit sehr guten Noten abgelegt – und das alles, obwohl er in Ghana aus Kostengründen keine richtige Schule besucht hat. Inzwischen geht er in die 11. Klasse eines Gymnasiums in Stuttgart, vor allem Englisch und Mathe zählen dort zu seinen Lieblingsfächern. Wie viele Jungs in seinem Alter interessiert er sich für Computer und liebt es Fußball zu spielen. Für seine Zukunft hat Richard bereits große Pläne: er möchte nach seinem Abitur gerne Maschinenbau studieren, um ausreichend Geld zu verdienen und einen Teil davon nach Ghana schicken zu können. So will er den Kindern dort die Möglichkeit zu geben eine Schule zu besuchen.

Marie

Auf dem Weg zum Abitur steigen die schulischen Anforderungen in aller Regel deutlich. Umso beeindruckender, wie viel Zeit sich die 17-jährige Marie aus Nürtingen neben der Schule noch für ihre Hobbies und ihr Engagement nimmt: Sie spielt Theater und singt in einem Chor, im Schulzirkus ist sie der Clown, außerdem tanzt sie gerne und besucht die Jugendkunstschule in Nürtingen, seit sie 10 Jahre alt ist. Neben der Betreuung ihres pflegebedürftigen Großvaters, mit dem sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt, macht sie sich für die sozialen Projekte „Be a Slip-power – wir sagen Stopp gegen weibliche Genitalverstümmlung“ und das Projekt „WirMachtSchule“ stark, die ihr sehr am Herzen liegen. Darüber hinaus engagiert sie sich für Flüchtlinge, indem sie ihnen die deutsche Sprache beibringt. Zusätzlich ist sie als Schülersprecherin der Rudolf-Steiner-Schule in Nürtingen im Leitungsteam der SMV. Marie beschreibt sich selbst als „kreativer und verträumter Mensch“, was nicht nur ihr soziales Engagement und ihre Freizeitgestaltung zeigen; auch ihre Zukunftspläne sind vielsagend: Nach der Schule würde sie gerne eine Ausbildung zum Klinikclown machen, da „Humor die beste Medizin ist“. Auch eine Tätigkeit in der Entwicklungshilfe kann sie sich vorstellen: „Mein Wunsch ist es, für die Erde ein Geschenk zu sein und mich nicht nur beschenken zu lassen“.

Kiril

Kiril kam als 2-Jähriger 2001 mit seiner Mutter aus Lettland nach Deutschland. Hier wohnen sie zusammen mit dem Lebensgefährten der Mutter in Heddesheim. Der 16-Jährige besucht die Kursstufe 1 eines Gymnasiums in Mannheim und interessiert sich sehr für Sprachen und Geisteswissenschaften. Neben Englisch, Französisch und Spanisch fasziniert ihn die chinesische Sprache, weshalb er in seiner Schule eine Chinesisch-AG besucht. Und auch Geschichte und Ethik sind weitere Fächer, die Kiril sehr begeistern. Diese Interessen versucht er zu vereinen, indem er Nachrichten auf verschieden Sprachen anschaut und Geschichtsbücher und Zeitschriften über Weltpolitik liest. Im Oktober nahm er deshalb auch bei der TiL-Veranstaltung mit der Ministerin im Staatsministerium Silke Krebs teil, mit der die Stipendiaten über die Themen Bildung und Flüchtlinge eine angeregte Diskussion führen konnten. Seit 13 Jahren besucht er außerdem die „Internationale Kulturschule Rhein-Neckar“. Hier lernt er die russische Sprache, Geschichte, Geographie und Literatur kennen, übt Theaterstücke ein, hilft außerdem Grundschulkindern bei den Hausaufgaben und ist immer wieder als Moderator bei Veranstaltungen tätig. Eine weitere Leidenschaft von Kiril ist American Football. Bereits seit 6 Jahren spielt er bei den „Rhein-Neckar-Bandits“ in der U17- und U19- Mannschaft und hat es letztes Jahr als einer der jüngsten in die U17-Auswahl in Baden-Württemberg geschafft.

Bessere Chancen für begabte Jugendliche

Baden-Württemberg Stiftung und Robert Bosch Stiftung begrüßen 50 neue Stipendiaten im Programm Talent im Land

22 Mädchen und 28 Jungen wurden am Donnerstag in das Stipendienprogramm Talent im Land Baden-Württemberg aufgenommen. Mit dem Programm unterstützen die Robert Bosch Stiftung und die Baden-Württemberg Stiftung begabte Jugendliche, deren Lebensverhältnisse eine erfolgreiche Schulkarriere spürbar erschweren. Talent im Land begleitet sie auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife.

Bei der Festveranstaltung im Großen Kursaal in Stuttgart wurden die neuen Stipendiaten von Ministerin im Staatsministerium Silke Krebs begrüßt. „In der Schule werden die Weichen für den weiteren Bildungsweg gestellt. Begabte junge Menschen sollten ihre Chancen unabhängig von ihrer Herkunft auch nutzen können und Anerkennung und Unterstützung erfahren“, so Krebs. „Das Programm verbindet auf vorbildliche Weise Bildungsförderung und Integration“, betonte die Ministerin.

Die 50 neuen Stipendiaten wurden von einer Jury aus knapp 350 Bewerbungen ausgewählt. Erstmals in der Geschichte des Stipendiums überwiegt der Anteil an Jungen. 32 der Jugendlichen wurden in Deutschland geboren, die weiteren kommen aus 16 verschiedenen Ländern wie Afghanistan, Kamerun, der Ukraine oder Syrien. Während sechs der Schüler keinen Migrationshintergrund haben, sind zehn erst in den letzten vier Jahren zugewandert, drei davon im Jahr 2014.

Mehr als 600 begabte junge Menschen wurden seit Programmstart im Jahr 2003 durch Talent im Land Baden-Württemberg gefördert. Während sich das Stipendium in den ersten zehn Jahren ausschließlich an Kinder aus Zuwandererfamilien richtete, steht es seit vergangenem Jahr allen Jugendlichen offen. „Der Zugang zu Bildung darf nicht von der Situation der Eltern abhängen“, sagte Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Deshalb setzen wir uns für faire Startbedingungen junger Menschen ein – unabhängig von Herkunft und sozialem Status.“

Talent im Land wird jeweils zur Hälfte von der Baden-Württemberg Stiftung und der Robert Bosch Stiftung getragen. Mit dem Stipendienprogramm verfolgen die Stiftungen ein umfassendes Förderkonzept: Neben einem monatlichen Stipendium von in der Regel 150 Euro erhalten die Jugendlichen Zugang zu einem vielfältigen Seminar- und Bildungsprogramm. Die Mitarbeiter des TiL-Büros leisten Hilfe bei schulischen Fragen und beraten die Schüler bei der Studien- und Berufsorientierung. Hinzu kommt ein großes Alumni-Netzwerk, das vielen Stipendiaten besonders wichtig ist. „Die finanzielle Förderung im Programm hat eine große Bedeutung. Aber insbesondere die ideelle Förderung macht das Programm so erfolgreich. Denn wir ermöglichen unseren Stipendiaten, nicht nur ihre schulischen Begabungen zu entfalten, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen“, sagte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Stiftungsprofile:

Die Robert Bosch Stiftung gehört zu den großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. Sie investiert jährlich rund siebzig Millionen Euro in die Förderung von ca. 800 eigenen und fremden Projekten aus den Gebieten der Völkerverständigung, Bildung, Gesellschaft und Kultur sowie Gesundheit und Wissenschaft. Insgesamt hat die Stiftung seit ihrer Gründung 1964 mehr als 1,3 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit eingesetzt.

Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.

Vier der neuen Stipendiaten stellen wir hier vor:

Ivona

Die 16-jährige Ivona lebt erst seit 2014 zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter in Ulm, nachdem ihr Heimatdorf in Kroatien durch eine Flutkatastrophe größtenteils zerstört wurde – wenige Wochen vor ihrem Schulabschluss und dem bevorstehenden Wechsel auf ein Gymnasium. Deutsch hatte sie sich selbst als Kind vor dem Fernseher beigebracht, was ihr im Fremdsprachenunterricht ab der 4. Klasse einen Vorteil gegenüber den Klassenkameraden einbrachte. So fiel der exzellenten Schülerin in Deutschland der direkte Einstieg in die 9. Klasse des Gymnasiums vergleichsweise leicht, trotz der großen kulturellen und sprachlichen Umstellung. In Kroatien tanzte Ivona in einer Volkstanzgruppe und spielte Klavier im Kirchenchor. Nachdem sie in Deutschland inzwischen auch in ihrem Alltag angekommen ist, möchte sie gerne Volleyball spielen und ihre stimmlichen und schauspielerischen Talente entfalten. Ivona hat einen großen Ehrgeiz und liebt das Gefühl etwas erreicht zu haben. Auch deshalb möchte sie nach ihrem Abitur gerne studieren.

Richard

Richard beeindruckte die Auswahljury mit seiner Bewerbung zutiefst: Nachdem seine Großmutter, bei der er in Ghana aufwuchs, verstorben war, kam er 2013 als 16-Jähriger nach Filderstadt. Erst hier lernte er seine Mutter, die nach Deutschland ging, als er noch klein war, und seine jüngeren Halbschwestern kennen. Innerhalb kürzester Zeit hat Richard Deutsch gelernt und seinen Haupt- und Realschulabschluss mit sehr guten Noten abgelegt – und das alles, obwohl er in Ghana aus Kostengründen keine richtige Schule besucht hat. Inzwischen geht er in die 11. Klasse eines Gymnasiums in Stuttgart, vor allem Englisch und Mathe zählen dort zu seinen Lieblingsfächern. Wie viele Jungs in seinem Alter interessiert er sich für Computer und liebt es Fußball zu spielen. Für seine Zukunft hat Richard bereits große Pläne: er möchte nach seinem Abitur gerne Maschinenbau studieren, um ausreichend Geld zu verdienen und einen Teil davon nach Ghana schicken zu können. So will er den Kindern dort die Möglichkeit zu geben eine Schule zu besuchen.

Marie

Auf dem Weg zum Abitur steigen die schulischen Anforderungen in aller Regel deutlich. Umso beeindruckender, wie viel Zeit sich die 17-jährige Marie aus Nürtingen neben der Schule noch für ihre Hobbies und ihr Engagement nimmt: Sie spielt Theater und singt in einem Chor, im Schulzirkus ist sie der Clown, außerdem tanzt sie gerne und besucht die Jugendkunstschule in Nürtingen, seit sie 10 Jahre alt ist. Neben der Betreuung ihres pflegebedürftigen Großvaters, mit dem sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt, macht sie sich für die sozialen Projekte „Be a Slip-power – wir sagen Stopp gegen weibliche Genitalverstümmlung“ und das Projekt „WirMachtSchule“ stark, die ihr sehr am Herzen liegen. Darüber hinaus engagiert sie sich für Flüchtlinge, indem sie ihnen die deutsche Sprache beibringt. Zusätzlich ist sie als Schülersprecherin der Rudolf-Steiner-Schule in Nürtingen im Leitungsteam der SMV. Marie beschreibt sich selbst als „kreativer und verträumter Mensch“, was nicht nur ihr soziales Engagement und ihre Freizeitgestaltung zeigen; auch ihre Zukunftspläne sind vielsagend: Nach der Schule würde sie gerne eine Ausbildung zum Klinikclown machen, da „Humor die beste Medizin ist“. Auch eine Tätigkeit in der Entwicklungshilfe kann sie sich vorstellen: „Mein Wunsch ist es, für die Erde ein Geschenk zu sein und mich nicht nur beschenken zu lassen“.

Kiril

Kiril kam als 2-Jähriger 2001 mit seiner Mutter aus Lettland nach Deutschland. Hier wohnen sie zusammen mit dem Lebensgefährten der Mutter in Heddesheim. Der 16-Jährige besucht die Kursstufe 1 eines Gymnasiums in Mannheim und interessiert sich sehr für Sprachen und Geisteswissenschaften. Neben Englisch, Französisch und Spanisch fasziniert ihn die chinesische Sprache, weshalb er in seiner Schule eine Chinesisch-AG besucht. Und auch Geschichte und Ethik sind weitere Fächer, die Kiril sehr begeistern. Diese Interessen versucht er zu vereinen, indem er Nachrichten auf verschieden Sprachen anschaut und Geschichtsbücher und Zeitschriften über Weltpolitik liest. Im Oktober nahm er deshalb auch bei der TiL-Veranstaltung mit der Ministerin im Staatsministerium Silke Krebs teil, mit der die Stipendiaten über die Themen Bildung und Flüchtlinge eine angeregte Diskussion führen konnten. Seit 13 Jahren besucht er außerdem die „Internationale Kulturschule Rhein-Neckar“. Hier lernt er die russische Sprache, Geschichte, Geographie und Literatur kennen, übt Theaterstücke ein, hilft außerdem Grundschulkindern bei den Hausaufgaben und ist immer wieder als Moderator bei Veranstaltungen tätig. Eine weitere Leidenschaft von Kiril ist American Football. Bereits seit 6 Jahren spielt er bei den „Rhein-Neckar-Bandits“ in der U17- und U19- Mannschaft und hat es letztes Jahr als einer der jüngsten in die U17-Auswahl in Baden-Württemberg geschafft.

 

 

Die 10. Talent im Land-Sommerakademie

„Ich streite, also bin ich – Konflikte als Antrieb unseres Lebens“

Hinter jedem Konflikt stecken Bedürfnisse und Interessen, stehen ein Wollen und ein Wunsch: etwa nach Macht, nach Liebe, nach Freiheit, nach Gerechtigkeit, nach Anerkennung, nach Unversehrtheit, nach Ordnung, nach Geborgenheit, nach Wahrnehmung. Konflikte sind in allen Bereichen unseres Lebens präsent, denn überall dort, wo Begegnung stattfindet zwischen Menschen, Ideologien und Idealen, Wünschen und Bedürfnissen, können sich Konflikte entzünden und finden tatsächlich statt.

Konflikte sind nicht lösbar, wenn wir fragen, wer hat Schuld. Einen Konflikt zu verstehen, heißt sich zu fragen, warum gibt es diesen Konflikt? Und diese Frage stellten sich rund 90 Stipendiatinnen und Stipendiaten mehrfach in den Kursen Wirtschaft, Jura, Psychologie, Internationale Politik, Medizin und Journalismus. Auf dem Campus des Salem International College in Überlingen fand vom 1. bis 8. August 2015 die bereits zehnte Sommerakademie von Talent im Land statt, erneut gemeinsam mit den bayerischen Schülerinnen und Schülern des Begabtenprogramms. Die Themen der einzelnen Kurse hatten zwar Konflikte als zentralen Schwerpunkt, zwischen den jungen Menschen von TiL herrschte allerdings Frieden und Harmonie während der acht intensiven Tage.

Konflikte werden in der Unternehmenswelt gerne als Wettstreit definiert, im Wirtschaftskurs auf der Sommerakademie standen allerdings das Freihandelsabkommen TTIP und der Tarifstreit der Lokführergewerkschaft GDL im Fokus der Diskussionen. Mit aktuellen Verfahren und Entwicklungen in der Rechtwissenschaft beschäftigte sich der Jurakurs, der zudem die Justizvollzugs­anstalt in Konstanz und einen Prozesstag am Überlinger Amtsgericht besuchte. Um die Konflikte mit sich, mit Anderen oder zwischen Gruppen kümmerten sich die Teilnehmer des Psychologiekurses, um die Dynamiken und Prozesse zukünftig besser zu verstehen.

Um große internationale Konflikte ging es dagegen im Kurs zur Internationalen Politik. Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Palästina, der Ukraine und Afghanistan wurden hier vom Ursprung bis heute behandelt und kritisch gewertet. Dass sich traumatische Gewalterfahrungen übrigens auch im Erbgut niederschlagen, war den Teilnehmern des Medizinkurses anfangs nicht bekannt. Die Epigenetik ist eine noch junge Disziplin und belegt, dass sich bestimmte Lebenserfahrungen im Erbgut festschreiben. Apropos schreiben. Der Kurs zum Thema Journalismus nahm die Medienwelt sehr kritisch unter die Lupe und führte vor, wie die Berichterstattung über Konflikte unsere Meinung prägt, auch irreführt oder Polaritäten schafft.

Viele Gäste besuchten die Sommerakademie. Zur Talkrunde am Abend zur „Jüngsten Geschichte Afghanistans“ kamen der Bundeswehr-Oberst Dieter Bohnert, der Fotoreporter Uli Reinhardt sowie Dr. Heiko Schmitz von Ärzte ohne Grenzen. Zu Gast im Wirtschaftskurs waren die Pressesprecherin der GDL Gerda Seibert und der Co-Autor des Buches „Die Freihandelslüge“ Stefan Scheytt. Günter Gerstberger, ehemals Bereichsdirektor Bildung und Erziehung der Robert Bosch Stiftung, hielt eine Laudatio auf 10 Jahre Sommerakademie. Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, begrüßte neben der Gruppenleiterin für Bildung Dr. Dagmar Wolf von der Robert Bosch Stiftung die jungen Stipendiaten am Abend der Abschlusspräsenta­tionen aus den Kursen. Dr. Andreas Weber als Leiter des Referats Bildung bei der Baden-Württemberg Stiftung verschaffte sich ebenso wie Dr. Ulrich Seiser als Referatsleiter vom bayerischen Kultusministerium einen persönlichen Eindruck vom Gelingen der mehrtägigen Veranstaltung.

Und die Stipendiatinnen und Stipendiaten? Ja, die genossen diese intensive Zeit, gaben sich nebenbei noch sportlichen Wettkämpfen hin, unterrichteten sich gegenseitig in vielerlei Sprachen, Tänzen und weiteren intellektuellen und kunstfertigen Disziplinen. Die diesjährige Jubiläums-Sommerakademie wurde erneut zu einem grandiosen Höhepunkt im Bildungsprogramm von Talent im Land, eine unvergessliche Woche für die 90 jungen Talente, die sich teilweise unter Tränen in die Sommerferien verabschiedeten.

 

 

Verabschiedung der Abiturienten 2015

Für 31 Stipendiatinnen und Stipendiaten endete dieser Tage nicht nur ihre Schulzeit, sondern auch ihr Stipendium von Talent im Land. Bei der feierlichen Verabschiedung der Abiturienten in der Alten Aula der Eberhard Karls Universität in Tübingen beglückwünschten Dr. Andreas Weber, Abteilungsleiter Bildung der Baden-Württemberg Stiftung, und Dr. Dagmar Wolf, Gruppenleiterin Bildung und Erziehung der Robert Bosch Stiftung, die Abiturienten zu dieser Leistung. Gleichzeitig dankten sie für die Neugier und Offenheit, sich auf das Stipendienprogramm eingelassen zu haben. Zuversichtlich, mutig und selbstbewusst könnten die Abiturienten nun in die Zukunft blicken: „Lasst Euch neugierig auf all das Neue ein, das nun auf Euch einströmt. Mischt Euch ein, hinterfragt und bleibt weiterhin so offen und kritisch! Und setzt Euch für andere ein!“

Prof. Dr. Karin Amos, Prorektorin für Studium und Lehre der Eberhard Karls Universität Tübingen, betonte die Leichtigkeit des Moments, das Abitur geschafft zu haben. Das Gefühl, Flügel bekommen zu haben, trage durch die nächste Zeit und helfe, die notwendigen Richtungsentscheidungen zu treffen.

Mit einem wortakrobatischen Showkampf zwischen Schiller und Goethe eröffneten die beiden Tübinger Slam-Poeten Jakob Nacken und Harry Kienzler den Rückblick auf die Schulzeit. In sehr bewegenden und persönlichen Worten schilderte anschließend die Abiturientin Aida Abreha, welche wichtigen Erfahrungen sie aus der Stipendiatenzeit mitgenommen hat. Ihre Mit-Abiturientin Etnike Xhydollari wagte einen poetischen Blick auf die herausfordernde Zeit zwischen Schule und Erwachsenwerden, in der sich die Stipendiaten nun gemeinsam befänden. Ihr Fazit: „Das war es wert!“

Einen Ausblick auf das Kommende wagten zwei weitere Redebeiträge: TiL-Alumna Severina Butovich berichtete von ihrem ersten Jahr an der Hochschule und zählte anhand von fünf Premieren auf, was alles Neues auf einen zukommt, wenn man die Schule hinter sich lässt. Und TiL-Alumna Nilüfer Ermis stellte die Alumniarbeit von Talent im Land vor und lud die Absolventen zum Beitritt in den Alumniverein ein. So wurde sehr deutlich, dass das Netzwerk von Talent im Land über die eigentliche Stipendiatenzeit weit hinausreicht. Nach einer abschließenden Bildershow mit Eindrücken aus drei bis sechs Jahren Stipendienzeit ließen die Abiturienten gemeinsam mit ihren Freunden und Familien den Nachmittag bei einem Empfang mit Fingerfood ausklingen.

 

 

Die Auswahl der neuen Talente läuft

Bis zum 31. März war in diesem Jahr eine Bewerbung bei Talent im Land möglich. Alle eingegangenen Bewerbungen im 2. Bewerbungsschritt werden derzeit auf Vollständigkeit überprüft, die anschließend von den Jurymitglieder der ersten Auswahlrunde gesichtet werden. Mitte Juni erfahren alle Bewerber, ob sie zum nächsten Schritt, dem Auswahltag am 11. Juli in Stuttgart, zugelassen werden können.

Eine Bewerbung um ein Stipendium ist derzeit nicht möglich.

Bewirb dich jetzt!

Noch bis zum 31. März ist in diesem Jahr die Online-Bewerbung bei Talent im Land möglich. Was TiL bietet und was man mitbringen muss zeigt unser kurzer Erklärfilm.

Talente sind im Land und die Zukunft

Ein deutscher Meister im Capoeira, eine Kandidatin von Voice of Germany und eine Leistungsschwimmerin aus dem Schwarzwald gehören zu den neuen fünfzig Stipendiaten von Talent im Land – dem Schülerstipendium für faire Bildungschancen. Im Rahmen der feierlichen Urkundenübergabe im Großen Kursaal Bad Cannstatt haben diese drei Stipendiaten mühelos das Publikum von ihren Talenten und Begabungen überzeugt und begeistert. Das Stipendienprogramm der Robert Bosch Stiftung und der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt begabte Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft Hürden zu überwinden haben, auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife.

„Wir bekommen von diesen jungen Talenten so viel zurück, glauben Sie mir. Wir wollen mit diesem Programm ein Stück Bildungsgerechtigkeit herstellen“, so die Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung Dr. Ingrid Hamm auf die Frage der empathischen Moderatorin Shelly Kupferberg, warum die beiden Stiftungen denn schon seit mehr als einem Jahrzehnt in die Talente im Land investieren. „Eine Investition in die Zukunft“, sagt der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung Christoph Dahl, denn „wenn wir als Land vorne mit dabei sein wollen, können wir es uns nicht leisten, die Begabten links liegen zu lassen.“

Seit diesem Jahr schauen die Stiftungen auch nach Talenten, die keine Zuwanderungsgeschichte mitbringen, denn „Zuwanderung ist eine Risikolage, aber Arbeitslosigkeit oder Armut lässt sich in unserem Land nicht allein an der Zuwanderungsgeschichte festmachen. Das kann deutsche Familien genauso treffen“, meinte Ingrid Hamm. Deshalb motivierte Christoph Dahl an diesem Abend die jungen Leute in bester Jogi Löw-Manier mit einem „Gebt alles“ und lasst euch, so Geschäftsführerin Hamm, „durch nichts von euren Zielen und Träumen abbringen.“

Derart angefeuert werde „der Hürdenlauf zur Karriereleiter“, meinte Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium Baden-Württemberg. Sie überbrachte in ihrem Grußwort auch die besten Wünsche von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dem Schirmherr von Talent im Land, an die jungen Menschen. Von nun an sollen die Stipendiaten „Sprosse für Sprosse erfolgreich am deutschen Bildungssystem teilhaben.“ Das sei ebenso das Wesen der Inklusion, die für die Ministerin in der Öffentlichkeit zu einseitig wahrgenommen werde: „Inklusion bedeutet, dass wir eine Gesellschaft schaffen, in der jeder Mensch gleichberechtigt beteiligt ist.“ Mit der Aufnahme in das Stipendienprogramm für diese ausgezeichneten Schüler sei dies nunmehr erst recht möglich. Ihren besonderen Dank richtete die Ministerin an die Schulen und Lehrer, die Talente-Scouts, und freilich an die Familien der Neu-Stipendiaten.

Der preisgekrönte Lyriker und Essayist José F.A. Oliver gab in seiner Laudatio unumwunden zu: „Ich beneide Sie.“ Denn ein Stipendium von Talent im Land „ist eine ganz substantielle Anerkennung“, da diese Förderung sich nicht allein auf die finanzielle Unterstützung beschränkt. „Ich durfte die unglaublichen Geschichten Ihrer Persönlichkeiten lesen und habe einen faszinierenden Menschenatlas entdeckt“, so der Dichter Oliver. „Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, in dem man es tut“, zitierte er Aristoteles, dem er die moderne Kurzfassung von Erich Kästner zur Seite stellte: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Talent im Land ist etwas von dem Guten, das die Stipendiaten dem Ideal näherbringen soll, „sich selber sein zu wollen.“

Und die Hauptpersonen des Abends? Die neuen Stipendiaten strahlten nicht nur um die Wette, um dem Fotografen einen Gefallen zu tun, sie waren ein Stück weit überwältigt von der Feierlichkeit, der Aufmerksamkeit und der uneingeschränkten Anerkennung. „Ich habe das so noch nie kennen gelernt“, sagte Capoeira-Meister Jonathan Tekle beeindruckt. Das Schöne dabei ist, es ist noch nicht zu Ende. Mit Seminaren, Beratung, Begleitung und vor allem der an diesem Abend filmisch vorgestellten Sommerakademie warten noch weitere Höhepunkte in den Jahren der Förderung auf die Jugendlichen.

Der Filmbeitrag zur Sommerakademie

Die Laudatio von José F.A. Oliver

  Ausschnitt aus der Rede von Ministerin Silke Krebs

  Ausschnitt aus der Laudatio von José F.A. Oliver

Talent im Land auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten in Berlin

Am 5. und 6. September 2014 präsentierte sich das Schülerstipendienprogramm Talent im Land auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue in Berlin.

Geladen waren viele Organisationen, Unternehmen und Initiativen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich und sozial engagiert um die Bürgergesellschaft in Deutschland bemühen, die Menschen aus unserer Mitte unterstützen, denen ganz unterschiedliche Hürden den Lebensweg erschweren. So etwa beim Ziel, das Abitur zu erreichen. Viele begabte Schülerinnen und Schüler können ihr Potenzial nicht entfalten, weil ihnen soziale, finanzielle oder im persönlichen Umfeld Erschwernisse den Erfolg verbauen. Hier engagiert sich Talent im Land in Baden-Württemberg und unterstützt mit einem Stipendium, das nicht nur Geld für Bildungsausgaben zur Verfügung stellt, sondern ebenso durch Seminare und Kompetenztrainings einen Freiraum für junge Menschen schafft. Eine individuelle Begleitung in schulischen Fragen und persönlichen Belangen ist dabei die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung über die Schullaufbahn hinaus.

Viel geladene Prominenz besuchte bei spätsommerlichem Wetter die Pavillons in der weitläufigen Parkanlage, die Gästen sonst zumeist versperrt bleibt. Neben Bundespräsident Joachim Gauck spazierten Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der ehemalige Berliner Oberbürgermeister Eberhard Diepgen und Ex-Innenminister Rudolf Seiters am Stand von Talent im Land vorbei. Auf der großen Parkbühne traten Andreas Bourani, Tim Bendzko, Matthias Richling und die Kölsch-Rock Legende Wolfgang Niedecken mit BAP unplugged auf, Eckard von Hirschhausen moderierte prominente Gesprächsrunden. Zur Gute-Nacht-Stunde illuminierte eine grandiose musikalische Feuerwerkinszenierung den Himmel über Berlin.

Am zweiten Tag des Bürgerfestes öffneten sich die Tore für alle Berliner, Brandenburger und Gäste der Bundeshauptstadt. Rund 10.000 Interessierte sorgten für ein buntes und vielstimmiges Leben an den vierzig Pavillons. Neben Talent im Land präsentierten sich mit ‚grips gewinnt‘ und START noch weitere Schülerstipendienprogramme in Deutschland. Nicht nur das Interesse war groß, sondern bei vielen auch die Überraschung darüber, dass es eine gezielte Förderung für talentierte Schüler überhaupt gibt. Auf dem Bürgerfest in Berlin konnten bereits die ersten Bewerbungen für ein Stipendium in Baden-Württemberg angestoßen werden.

Die 9. Talent im Land – Sommerakademie

„Freiheit aushalten – über die Phänomenologie der Freiheit im Spiegel der Wissenschaft“

Freiheit ist sehr persönlich und individuell. Sie ist ebenso ein Zustand, in dem es sich gut leben lässt. Sie ist das Ziel aller Träume, wenn sie nicht da ist, und der Umgang mit ihr eine echte Herausforderung. Freiheit: ein Phänomen mit vielen Gesichtern.

Die 9. Sommerakademie des Stipendienprogramms Talent im Land fand vom 31. Juli bis 7. August 2014 erneut auf dem Campus des Salem International College in Überlingen am Bodensee statt. Insgesamt 84 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Bayern und Baden-Württemberg gingen in sechs Wissenschaften auf Spurensuche nach den Gesichtern der „Freiheit“.

In den Kursen Wirtschaft, Jura, Kunst, Psychologie, Medizin und Robotik begegneten die 45 baden-württembergischen und die 39 bayerischen jungen Talente Inhalten und Fragestellungen, die sie in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung auf Hochschulniveau führten. Erfahrene Professoren und Dozenten erlaubten einen spezifischen und genauen Blick auf den Begriff der Freiheit und dessen Relevanz in den einzelnen Wissenschaften.

Der Wirtschaftskurs stellte sich die Frage, wie China, seine Gesellschaft und die chinesische Wirtschaft mit dem Thema Freiheit umgehen. Die Rechtswissenschaftler versuchten ein Urteil über Sinn und Wirken der Freiheitsstrafe zu fällen und besuchten dazu etwa die Justizvollzugsanstalt in Konstanz. Der Kunstkurs zitierte auf künstlerisch-fotografische und sehr persönliche Weise die freiheitlichen Grundrechte des Menschen, während sich im Psychologiekurs die Konzentration ganz darauf richtete, wie psychisch Leidenden die innere Freiheit wieder geschenkt werden kann. Gibt es einen freien Willen, fragten sich die Teilnehmer des Medizinkurses und gerieten darüber in einen neurologischen Diskurs, der vor der greifbaren Anatomie des menschlichen Gehirns nicht Halt machte. Mit autonomen Systemen befassten sich die Stipendiaten in der Robotik, sei es als Assistenz in der Pflege bedürftiger Menschen oder als führerloses Automobil im hektischen Straßenverkehr.

In „Kursübergreifenden Angeboten“ nutzen die Stipendiaten die Chance, ihr Wissen sowie ihre Kreativität weiterzugeben und erste Lehrerfahrung zu sammeln. In den zahlreichen KüAs wurde diskutiert, getanzt, gemalt und theatralisch improvisiert. Sprachen aus aller Welt kamen zu Gehör, Percussion-Stücke entstanden, Schlagzeug wurde gespielt und Dokumentationen geschaut.  Ganz groß das Sportangebot in den wenigen freien Stunden: Fußball, Beachvolleyball, Tennis, Bogenschießen, Golf und Basketball fanden zahlreiche Bewegungsfreunde, teilweise bis kurz vor Mitternacht unter Flutlicht auf dem gepflegten Sportgelände des Colleges.

Abend-Highlights hatte die Sommerakademie ebenso zu bieten. Am Abend mit Gästen schauten der mehrfach mit dem deutschen Fernsehpreis dekorierte Kameramann Holly Fink, der vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnete irakische Schriftsteller Abbas Khider und der aufgehende Stern am Klavier-Himmel Cezara-Lucia Vladescu vorbei und stellten sich den Fragen der Stipendiaten. Der Abend der Kulturen schließlich war der stimmungsvolle Höhepunkt, der die Lebendigkeit und Verbundenheit der Stipendiaten mit ihrer jeweiligen Heimat zeigte. Im kommenden Jahr feiert die Sommerakademie ihr zehnjähriges Jubiläum, dann erstmals auch mit Schülerinnen und Schülern aus Familien, dessen Herkunft in Deutschland liegt.  Konzeption und Leitung der Veranstaltung lag bei Ingo Straten.