Talent kennt keine Herkunft

53 neue Stipendiaten sind seit dem 1. September Teil der TiL-Familie und werden auf ihren Bildungswegen umfassend unterstützt. Am 15. November wurden sie von Kultusministerin Susanne Eisenmann sowie den Geschäftsführern der beiden Stiftungen, Christoph Dahl und Uta-Micaela Dürig, feierlich im Haus der Wirtschaft Stuttgart in das Programm „Talent im Land“ aufgenommen. „Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und der aktiven Teilhabe an unserer Gesellschaft. Deshalb unterstützt ‚Talent im Land‘ begabte junge Menschen, die sich trotz mancher Hindernisse nicht unterkriegen lassen und ihren Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife fest im Blick haben“, betont Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Für die 34 Mädchen und 19 Jungen, die aus insgesamt 276 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt wurden, öffnen sich als TiL-Stipendiaten ganz neue Perspektiven. Neben einer monatlichen Unterstützung von in der Regel 150 Euro erhalten sie Zugang zu einem umfangreichen Seminar- und Bildungsprogramm, lernen bei der Sommerakademie berufliche Vorbilder kennen und können sich innerhalb eines Netzwerks aus rund 650 „Talent im Land“-Alumni Ratschläge für Schule und Berufsplanung einholen.

Der neue Zuwachs stammt aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Kulturkreisen. Während 24 Stipendiaten in Deutschland geboren sind, zählen zu den Herkunftsländern der anderen Jugendlichen beispielsweise Pakistan, Afghanistan, die Türkei, Bulgarien, Kolumbien und China. Die größte Gruppe stammt ursprünglich aus Syrien: Zwölf Jugendliche sind dort geboren. „Vielfalt ist ein wichtiger Bestandteil des Programms. Unabhängig von Herkunft und sozialem Status setzen wir uns mit TiL für faire Bildungschancen ein. Jedes Jahr aufs Neue machen die persönlichen Erfolgsgeschichten deutlich, wie das Programm den Lebensweg junger Menschen positiv beeinflussen kann“, erklärt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben in ihren jungen Jahren bereits soziales oder politisches Engagement gezeigt oder Auszeichnungen für schulische oder sportliche Leistungen erhalten. Sie sind vielseitig interessiert und haben oftmals bereits klare berufliche Ziele vor Augen. „Mit ‚Talent im Land‘ setzen wir uns dafür ein, dass das Engagement und die Motivation junger Menschen nicht von äußeren Umständen ausgebremst werden. Junge Talente dürfen nicht darunter leiden, wenn zuhause keiner bei schulischen Fragen helfen kann oder das Geld nicht ausreicht, beispielsweise für die technische Ausstattung eigener Experimente“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. In diesem Jahr stehen besonders technische und naturwissenschaftliche Studienfächer, wie Mathematik, Ingenieurwesen oder Medizin hoch im Kurs. Aber auch Herausforderungen, wie die Teilnahme an der Tour de France oder die Mithilfe beim Wiederaufbau Syriens zählen zu den ehrgeizigen Plänen der jungen Menschen. „Ich möchte die Welt mit meinem Beruf konstruktiv verbessern“, bringt es eine Stipendiatin auf den Punkt.

Seit 2003 gibt es „Talent im Land“, durch das bereits mehr als 700 begabte Schülerinnen und Schüler gefördert wurden. Neben Talent müssen die Schüler Ausdauer, Zielstrebigkeit und soziales Engagement mitbringen. Bewerben können sich Jugendliche, die mindestens die siebte Klasse besuchen und die Schule mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife beenden möchten. Die nächste Bewerbungsrunde startet im Februar 2018. Das Gesamtbudget für „Talent im Land“ beträgt pro Kalenderjahr rund 900.000 Euro.

Drei der neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten stellen wir hier vor:

Maria

Maria

Bereits vor ihrer Aufnahme als TiL-Stipendiatin war Maria ein kleiner Star: die 15-jährige Schülerin der Hebelschule Schliengen ist begeisterte Modedesignerin. Sogar schon aus dem Hause Dior gab es via Instagram Lob für Marias Rekreation eines Dior-Kleides. Das Besondere: Maria produzierte zunächst ausschließlich Fashion auf Mikroebene – für Barbies! Auf Facebook haben sie und ihre Kreationen eine treue Fangemeinde (mit etwa 40 000 Likes!) und in Marias Heimat Kolumbien ist ihr Label ‚Mariaang‘ eine eingetragene Marke, die inzwischen auch dazu genutzt wird, um Mode im ‚großen‘ Stil zu kreieren und sich ehrenamtlich zu engagieren.
Der Beginn ihrer modischen Reise war eine Nähmaschine, die Maria geschenkt bekam, als sie 2014 mit ihrer Mutter nach Deutschland kam und sich zu Beginn noch vor allem auf Englisch unterhalten musste, da sie kein Deutsch sprach. Was sie zuvor nur auf Papier kreiert hatte, konnte sie jetzt praktisch umsetzen, und der Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten ließ mehr Raum für das das Schneidern.
Maria konzentriert sich momentan auf ihre Schullaufbahn, um ihre Modeambitionen mit einem sehr guten Abitur an einer Hochschule in Deutschland fortzusetzen zu können. In ihrer Freizeit findet sie Ausgleich im Sport und beim Singen im Chor. Wir freuen uns, Maria auf ihrem spannenden Weg zu begleiten!

Tariq

Tariq

Tariqs Weg führte den 18-jährigen Gymnasiasten vom kriegsgebeutelten Kabul nach Rheinfelden, wo er heute mit seiner Familie lebt und sich aktiv gegen Vorurteile gegenüber Geflüchteten einsetzt. Dafür hat Tariq eine wahre Vielzahl an Engagements vorzuweisen: er ist unter anderem ehrenamtlicher Dolmetscher (und dabei ist er vielfältig einsetzbar, denn er spricht sechs Sprachen), nimmt an der Mediatoren-AG seiner Schule teil, beteiligt sich im Jugendparlament Rheinfelden, gibt Nachhilfe und war Klassensprecher. Darüber hinaus hielten er und seine Geschwister schon einige gut besuchte Vorträge, um von ihren Erfahrungen zu berichten und eine Perspektive auf Flucht und das Leben außerhalb Westeuropas zu geben.
Tariq möchte nach seinem Abitur Jura studieren. Damit möchte er nicht nur den Skeptiker*innen unter Beweis stellen, dass er ebenso wie gebürtige Deutsche Erfolg haben kann, sondern auch dem Teil der Gesellschaft, der die Familie mit offenen Armen aufnahm, etwas zurückgeben. Dafür hat er sich innerhalb kürzester Zeit von der Werkrealschule auf das Gymnasium gearbeitet und auf dem Weg zudem Berufserfahrung durch Praktika gesammelt, unter anderem bei der Bürgermeisterin der Stadt Rheinfelden. Tariqs Schulweg wird nun bis zum Abitur von TiL begleitet und wir sind schon gespannt, mit welchen Aktivitäten er uns als nächstes beeindrucken wird.

Alisa

Alisa

Mit der 14-jährigen Alisa ist ein absolutes Energiebündel bei Talent im Land aufgenommen worden: Fußball, Leichtathletik, Tanzen und Ski beziehungsweise Snowboard fahren – Alisa macht so gerne und so viel Sport, dass sie manchmal bedauert, nicht mehr Zeit für soziales Engagement zu finden. Dennoch hat sie sich jetzt auch als Jugendgemeinderätin beworben. In ihrer Freizeit kümmert sich Alisa zudem um ihre erkrankten Großeltern, die ein paar Jahre vor ihrer Geburt mit Alisas Mutter und den älteren Kindern nach Deutschland migrierten. Alisas Verwandtschaft lebt weiterhin in der Ukraine – einst besuchte die Familie ihre Heimat regelmäßig, doch die politische Lage im Land lässt dies momentan leider nicht zu.
Alisa lebt in Tübingen und besucht dort ein Gymnasium – und wie ihre Hobbys schon ahnen lassen, befindet sie sich bereits seit der Unterstufe im Sportprofil. Doch auch Mathematik, Englisch und Deutsch fallen ihr leicht, so beweist sie sich selbst und anderen regelmäßig, dass es sich gelohnt hat, trotz Realschulempfehlung den gymnasialen Zug zu besuchen. Und auch für Kunst und Kreatives kann sich Alisa begeistern. Wir freuen uns auf die gemeinsamen Jahre!