. . . Helmuth Haas?

Helmuth ist ein fotografiebegeisterter und sehr aktiver Alumnus. Im Jahr 2008 absolvierte Helmuth sein Abitur und ging anschließend für ein paar Wochen nach Kalifornien. Dank des Fulbright Stipendiums konnte er seine Englischkenntnisse verbessern und das Leben auf dem amerikanischen Campus sowie viele interessante Menschen kennenlernen.

Im Anschluss an die aufregende Zeit in Amerika begann Helmuth an der Jacobs University in Bremen mit seinem Chemiestudium. Während des Studiums nutzte Helmuth die Gelegenheit, weitere Auslandserfahrung zu sammeln und studierte für mehrere Semester an der Northwestern University in Chicago. Nach insgesamt sechs Semestern erhielt Helmuth seine Bachelor-Urkunde.

Doch damit nicht genug – Helmuth hatte bereits die Zusage für einen Masterstudienplatz an der ETH Zürich in der Tasche. Im Februar 2013 schloss Helmuth dort seinen Master ab. Bevor Helmuth in das Berufsleben startete, gönnte er sich eine Reise durch Vietnam. Wir sind uns sicher, dass Helmuth mit seiner Kamera viele großartige Momente auf faszinierenden Fotos festgehalten hat. Die Fotografie ist nämlich Helmuths große Leidenschaft. Sein Können und seine Kreativität konnten wir während der Sommerakademie am Bodensee erleben, da Helmuth uns einige Tage aktiv als Fotograf unterstützte.

Doch wer sich nun denkt, dass Helmuth sicher als Fotograf durch die Weltgeschichte reist, liegt nicht ganz richtig. Einige Zeit arbeitete er bei einem mittelständischen Unternehmen in der Nähe von Heilbronn in der industriellen Forschung und beschäftigte sich mit Polyurethan-Neuentwicklungen für zukünftige Oberflächenanwendungen im Automobil- und Möbelbereich.

Inzwischen ist Helmuth jedoch wieder in seine Heimatstadt Balingen zurückgekehrt und ist sehr froh darüber. Er arbeitet in Tübingen bei der Firma CHT, wo er chemische Produkte für die Textilindustrie entwickelt, die beim Umstieg von konventionellem auf digitalen Textildruck unterstützen.

Helmuth steht der TiL-Gemeinschaft gerne mit Rat und Tat zur Seite, ob es um ein Chemiestudium oder die Stipendien bei Fulbright, dem DAAD und Vodafone geht. Wir wünschen ihm weiter alles Gute!

. . . Esengül Toprak?

Nachdem Esengül aus dem Jahrgang 2005 schon während der Schulzeit Erfahrung als Schulsanitäterin sammelte (und den Schulsanitätsdienst sogar in ihrer Schule mit aufbaute!) , absolvierte sie nach ihrem Abitur 2010 zunächst ein freiwilliges soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz, um Lebenserfahrung und Menschenkenntnis zu sammeln, bevor es dann ‚richtig‘ losgehen sollte. Als Rettungshelferin arbeitete Esengül ein Jahr im Zollernalbkreis. Gegen Ende des FSJs bot das DRK ihr an, die Ausbildung zur examinierten Rettungssanitäterin abzuschließen, für die sie sich ebenfalls während des FSJs qualifiziert hatte. Esegenül nahm das Angebot an: „Das DRK übernahm die gesamten Ausbildungskosten und im Gegenzug ließ sie mich verpflichten.“ Viele von Esengüls Mitstreiter*innen bezahlten die Ausbildungskosten, bis damals bis zu 8000 Euro betrugen, aus eigener Tasche. Mittlerweile ist die Ausbildung als Notfallsanitäter*in, wie es nun heißt, nicht mehr kostenpflichtig und man erhält sogar eine Ausbildungsvergütung.

In alter, engagierter TiL-Manier verkürzte Esengül ihre schulische Ausbildungszeit von einem Jahr auf sechs Monate und war Ende 2012 bereits als examinierte Rettungsassistentin unter den besten zehn Prozent der Azubis. Dann konnte endlich die praktische Phase beginnen: Esengül startete im Dreiländereck in Lörrach durch und arbeitete dort in der Rettungswache, zuerst ein Jahr als RAiPler (Rettungsassistent*in im Praktikum) auf dem Rettungswagen, der die Wachen und Krankenhäuser des Landkreises Lörrach anfährt.

Wieder übersprang Esengül ein paar Schritte, denn eigentlich ist man zu Beginn des praktischen Jahres um die zwei Monate als dritter Mann im Rettungswagen unterwegs. Aufgrund ihrer Erfahrungen im FSJ konnte sie bereits in der dritten Woche als RAiPLer als zweite Person und damit als Schlüsselfigur auf dem Rettungswagen mitfahren und übernahm schließlich Dienste mit voller Verantwortung. Direkt ihr erster Tag war voller Notfälle und bei keinem der Einsätze war sofort ein Notarzt vor Ort – Esengül und ihr Kollege, der im FSJ war, mussten alles allein bewältigen. Zur Einstellung eine Beweisprobe also, mit quasi allen kniffligen Fällen auf einmal. Esengüls Einsatz und Übungen beim DRK sind hier zu sehen:

Im Sommer 2015 endete Esengüls Zeit beim Lörracher DRK. Ihr Wunsch nach mehr Lebenserfahrung und Menschenkenntnis wurde auf jeden Fall erfüllt, und im September 2015 begann sie einen ganz anderen Karriereweg: eine Ausbildung zur Finanzassistentin in der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. Esengül wird im Mai 2017 ihre Abschlussprüfung ablegen und rät allen TiLern (und jedem sonst), „das zu tun wovon man auch hundertprozentig überzeugt ist und nicht, weil anderes es von einem erwarten“. Sie ist überzeugt, dass sie niemals die wertvollen Erfahrungen gesammelt hätte, die sie heute ausmachen, wenn sie den „üblichen Weg“ des Studiums gegangen wäre. Dennoch schließt sie ein Studium auch für sich selbst nicht aus, doch sie ist der Meinung, dass man in beruflicher Hinsicht alles tun sollte, worauf man Lust hat, solange die Möglichkeit besteht. Esengüls Message an alle TiLer ist bestärkend: „Lasst euch nicht allzu sehr von konventionellen Wegen beherrschen. Es geht auch anders 😉 Anders heißt nicht schlecht.“

Kreativwerkstatt in Gaggenau

Mit 40 Stipendiatinnen und Stipendiaten waren wir am letzten März-Wochenende bei schönstem Frühlingswetter in der Akademie Schloss Rotenfels in Gaggenau. In einem von drei Workshops konnten die Schüler*innen hierbei auf unterschiedliche Weise kreativ werden: bei einem Foto-Workshop mit dem Berliner Fotografen Jan von Holleben, bei einem Graffiti-Workshop mit Bernad Sakic alias Kosmik und bei einem Programmier-Workshop mit Diana und Philipp Knodel des gemeinnützigen Hamburger Startups Appcamps. Bei einer Vernissage am Sonntag stellten die Workshops den anderen Teilnehmer*innen ihre wirklich beeindruckenden Ergebnisse vor. Hut ab vor so vielen Talenten!

Im App-Workshop entstanden in kleinen Teams unter anderem Apps, die Parkplätze in fremden Städten finden, das „wahre Alter“ ermitteln, landeskundliches und popkulturelles Wissen über Korea abfragen oder auch Rückmeldung per SMS geben, wenn sich ein Handy weiter als zugelassen entfernt.

Nach intensiven Vorbereitungen mit der Vorbereitung von diversen Schablonen wurden im Graffiti-Workshop ab Samstagnachmittag Leinwände besprüht – und trotz der Verwendung teils gleicher Schablonen entstanden ganz unterschiedliche und individuelle Kunstwerke.

Der Fotografie-Workshop glich einem Bienenstock. Kleingruppen und Einzelpersonen verfolgten mit der Unterstützung der anderen ihre individuellen Fotokunst-Projekte, sammelten Material, arrangierten, verwarfen Ideen und kreierten neue.

Im Anschluss an die Kreativwerkstatt wurde außerdem ein tolles Video darüber gedreht, das die Arbeit des Wochenendes schön einfängt.

. . . Filip Mitrovski?

Filip Mitrovski aus dem Jahrgang 2010 fährt leidenschaftlich gerne Rad, bewundert den Architekten Jan Gehl und spielt seit kurzem im Improvisations-Theater an der Universität. Nach seinem Abitur im Jahr 2012 in Stuttgart legte er Zwischenstopps in Luxemburg und Dänemark ein, inzwischen lebt er wieder in Berlin und studiert dort Europäische Ethnologie.

Seine Eltern sind nach Deutschland gezogen als im Vielvölkerstaat Jugoslawien der Krieg ausbrach. Warum diese Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen entstanden sind, erforschte er als Gast-Student an der Universität Kopenhagen. Er reist mittlerweile oft in die Region, um zu beobachten wie sich die neuen Staaten entwickeln und wie die verschiedenen Gruppen mit dem Erbe des Krieges umgehen.

Seitdem er aus der Fahrradstadt Kopenhagen zurück ist, kritisiert Filip das Mobilitätskonzept vieler deutscher Großstädte. „Wir Stuttgarter kennen die Probleme, die der Autoverkehr mitbringt nur zu gut. Besonders Dieselmotoren verpesten unsere Luft mit Stickoxiden, ein Abgas auf das jährlich 10.400 Todesfälle in Deutschland zurückzuführen sind. Radwege und ÖPNV müssen besser gefördert werden und der Autoverkehr deutlich eingeschränkt. Und zwar noch heute. Städte wie Eindhoven und Münster zeigen, dass eine solche Mobilitätswende gelingt und allen Parteien nützt. Denn die schlechte Luft atmen wir alle ein, somit sind wir alle betroffen.“

Die Zeit bei Talent im Land empfindet Filip bis heute als prägend. „Durch die Seminare bin ich ein großes Stück selbstbewusster geworden und habe viele Seiten an mir entdeckt. Doch die wahren Highlights waren die Abende mit den anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Wir haben viel gelacht und herumgealbert. In Erinnerung bleiben mir aber vor allem unsere Gespräche über die großen Fragen. Wir waren ein unterschiedlicher Haufen; Muslime, Juden, Atheisten, Christen, eingesessene Schwaben oder gerade neu in Deutschland Angekommene, die sich da über Religion, Gerechtigkeit und Freiheit unterhielten. Das war schon einzigartig.“

Selbst organisiertes Seminar Songproduktion

Auf Initiative einer Stipendiatin und einer Alumna von Talent im Land fand vom 27. Februar bis 1. März in Mannheim ein selbst organisiertes Seminar in Kooperation mit der Popakademie statt. Unterstützt durch professionelle Songwriter und Producer der Popakademie Mannheim konnten die Teilnehmer einen gemeinsamen Song selbst schreiben und produzieren. Stipendiatin Lena-Marie Lecat berichtet:

 Sonntag Nachmittag trafen wir uns alle im Mannheimer Hauptbahnhof und gingen von dort aus gemeinsam zur Jugendherberge, wo wir auch gemeinsam zu Abend aßen. Mit vollem Magen verbrachten wir den Abend gemeinsam im Aufenthaltsraum mit Gesprächen und Spielen. Auch wenn wir „nur“ eine kleine Gruppe waren, hatten wir eine unglaubliche Vielfalt an musikalischen und fotografischen Talenten zu bieten.

Am Montag ging es dann mit dem offiziellen Programm des SOT los und wir gingen früh morgens in die Popakademie Mannheim. Hier wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, die für das Songwriting und die Instrumentalbegleitung zuständig waren. Dilara hatte bereits Vorarbeit für uns geleistet und einen Teil des Songs mit Gitarrenbegleitung vorgeschrieben. Die Songwritergruppe überarbeitete die vorhandenen Teile und verfasste eigenständig die Strophen, während die Instrumentalisten sich eine passende Begleitung überlegten. Am Ende des Tages wurden die Ergebnisse gegenseitig vorgestellt und schon gemeinsam geprobt. Danach gingen wir zusammen in die Jugendherberge zum Abendessen. Den restlichen Abend verbrachten wir mit anderen TiLern aus der Regionalgruppe in Mannheim. Von Dilara und Songül bekamen wir dann noch eine kleine Führung durch Mannheim. Nicht mal das kalte Wetter konnte uns unsere Freude und gemütlichen Stimmung verderben!

Am nächsten Tag überarbeiteten beide Gruppen separat ihre Teile und probten diese erneut. Als schlussendlich beide mit ihrer Arbeit zufrieden waren, fügten wir beide Teile zusammen und probten den Song einige Male gemeinsam. Nachdem beide Gruppen zufrieden waren, verließen wir die Akademie und gingen gemeinsam in Mannheim bowlen. Während des restlichen Abends waren wir im Gemeinschaftsraum und sangen und redeten miteinander.

An unserem letzten Tag nahmen wir nach einer kurzen Probe unseren Song stückweise auf. Erst nahmen die Instrumentalisten ihre Parts auf, danach sangen die Solisten ein und schlussendlich die Gruppe. So waren wir, zwar mit Verspätung, aber am Ende des Nachmittages fertig mit dem Einspielen und Einsingen unseres Songs und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Hier mussten wir uns dann leider schon voneinander verabschieden und gingen nach und nach zu den Zügen und fuhren nach diesem sehr tollen Projekt mit einem super Ergebnis nach Hause.

Hier kann man den Song direkt als mp3 anhören und/oder herunterladen.

Während des Seminars entstand zum Song noch ein Videoclip, der weitere Eindrücke bietet von den gemeinsamen Tagen.

 

Vorbereitungsendspurt: das Abilerncamp 2017

Ein neues Seminar gab es dieses Jahr auf der Burg Rabeneck: das Abilerncamp, das die baldigen Abiturient*innen Anfang März bei einem intensiven Wochenende zusammen mit Gleichgesinnten und einer Gruppe Alumni, die als Mentor*innen fungierten, auf die größte Prüfung der Schullaufbahn vorbereitete.

Während das Seminar weitgehend offen gestaltet wurde, um Raum für individuelles Lernen und Gruppenarbeiten in allerhand Fächern zu geben, gab es abgesehen von den klassischen Essenszeiten auch noch ein paar andere Rahmenpunkte: Gleich am ersten Abend hielt Alumna Kameliya einen Vortrag zum Umgang mit dem Stress während des Abiturs. Am zweiten Tag bot Alumna Nadia mittags eine Simulation der Kommunikationsprüfung an und hielt am Abend einen Vortrag über die „Top 40 common mistakes in text production“. Und auch die Alumni Quynh, Madeleine und Sinan trugen mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung zum Lernerfolg des Wochenendes bei.

Selbstverständlich durften auch Entspannungsphasen nicht fehlen. Bei Snacks, Werwolf-Spielen, Filmscreenings und Tischkickermatches wurden die Abendstunden aufgelockert und sorgten dadurch für frische Luft in den rauchenden Köpfen. Morgens machte sich eine mutige Truppe auf, um mit einer Joggingrunde in den Tag zu starten. Gemeinsame Spaziergänge dienten ebenfalls der Entspannung und Ablenkung – doch keine der geplanten Pausen konnte so schön den Hirnschmalz lockern wir der Regress: ein Spielplatz war nicht weit von der Jugendherberge und lockte immer wieder. Dies könnte tatsächlich die fast lehrreichste Erfahrung des Camps gewesen sein: auch Abiturient*innen sind keine Maschinen und brauchen Pausen, Ablenkung und Freude für eine erfolgreiche Prüfung.

. . . Mehmet Doymaz?

Mehmet aus dem Jahrgang 2009 hat 2012 sein Abitur bestanden und ist direkt danach ins Studium gestartet – Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik am KIT in Karlsruhe sollte es sein. Inzwischen ist er im zweiten Semester seines Masters. Bisher ist Mehmet Karlsruhe treu geblieben, doch im Sommer 2018 wird er voraussichtlich vorübergehend nach Nancy in Frankreich ziehen, um dort ein Semester lang das Leben als Erasmusstudent kennenzulernen. Mehmet wird in seinem Studium vom ‚Geh deinen Weg‘-Stipendium und der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt, bei Letzterer ist er in der Karlsruher Regionalgruppe aktiv. Die Auslandserfahrung hat bisher auch nicht gefehlt: Mehmet konnte durch Fulbright vier Wochen lang den amerikanischen Lebens- und Studienalltag in Kentucky kennenlernen und besuchte einen im Sommer 2016 Sprachkurs der Hans-Böckler-Stiftung in Paris. Private Reisen zur Entspannung sind ebenfalls jedes Jahr eingeplant, so erkundete Mehmet bereits Frankreich, Italien, Österreich, die Schweiz, die Niederlande oder auch Deutschland.

Obwohl Mehmet natürlich viel Zeit in sein Studium investiert, engagiert er sich sozial und gründete zusammen mit zwei weiteren Alumni, Yaroslav Yakubov und Ivo Georgiev, den gemeinnützigen Verein und die Hochschulgruppe „Sprungbrett Bildung e.V.“ in Karlsruhe, in dem er weiterhin sehr aktiv ist. Der Verein unterstützt sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche von Brennpunktschulen mit (meist) Migrationshintergrund. Das Team legt Wert auf schulische und persönliche Entwicklung durch kostenlose Nachhilfe und ein ideelles Programm, also beispielsweise Ausflüge und Workshops. Neu dieses Jahr war erstmals auch die Aufnahme von Jugendlichen aus Vorbereitungsklassen, die erst seit Kurzem in Deutschland leben. Mehmet und die anderen Aktiven bei „Sprungbrett Bildung“ erhoffen sich, „dass wir sie mit unserem Engagement sehr gut in unsere Gesellschaft integrieren können“.  Auch die anderen Mitglieder des Vereins sind meist TiL-Alumni oder noch Stipendiat*innen aus dem Raum Karlsruhe. Hilfe ist natürlich immer willkommen – unter → info@sprungbrett-bildung.de gibt es weitere Informationen.

Eine besonders tolle Bestätigung erhielt das Team um Mehmet erst kürzlich, im März 2017. Mehmet schreibt dazu: „Mit dem Projekt ‚Bildung mit Vertrauen‘ haben wir uns mit unserem Verein für ‚DeinDing‘ beim Jugendbildungspreis Baden-Württemberg 2016 beworben. Von 101 Projekten gehörten wir zur engeren Auswahl und wurden zur Preisverleihung nach Stuttgart eingeladen. Zu unserer großen Freude belegten wir mit unserem Projekt den dritten Platz! Gemeinsam mit drei Schützlingen, einigen Alumni und unseren Vereinsmitgliedern nahmen wir den Geldpreis in Höhe von 1000 € und die Sieger-Urkunde persönlich entgegen. Mit dem Geld werden wir nun neue Veranstaltungen starten und unsere Flyer und Broschüre aktualisieren.“

Herzlichen Glückwunsch an die teilnehmenden (ehemaligen) TiLer und natürlich vielen Dank besonders an Mehmet für seine erhaltene Nähe zum Programm.

. . . Shqipe Stocker?

Shqipe aus dem Jahrgang 2004 begann nach dem Abitur ein Lehramtsstudium mit der Fächerkombination Germanistik und Geschichte. Dabei hatte sie das Glück, von der Markelstiftung – und damit einem Vorgängerprogramm von TiL – gefördert zu werden. Durch ein weiteres Stipendium hatte sie sogar die Chance an einer Reise nach Alaska teilzunehmen, die für zehn Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund ermöglicht wurde. Insgesamt elf Semester studierte Shqipe in Heidelberg – eine Zeit, auf die sie gerne zurückblickt.

Dennoch verschlug es sie nach dem Studienabschluss weiter in den Süden des Ländles – nach Singen am Hohentwiel. Im Januar 2012 begann sie dort ihr Referendariat und meisterte die Lehrproben zusammen mit ihren ‚Ref‘-Kolleg*innen mit Bravour.

Shqipe unterrichtet mittlerweile seit einigen Jahren an einem beruflichen Gymnasium und hat etwas geschafft, von dem sie nie geglaubt hätte, es könnte in Erfüllung gehen: eine Kosovarin unterrichtet deutsche Schüler in deren Muttersprache! Ihre TiL-Erfahrung konnte Shqipe außerdem direkt weitergeben, denn vor einem Jahr empfahl sie einen ihrer Schüler selbst bei TiL und er wurde ins Programm aufgenommen. Für Shqipe ist es schön, zu wissen, dass auch er nun die kompetente Unterstützung erfährt, die sie selbst vor Jahren hatte.

Eine weitere große Wende erwartet Shqipe außerdem im Frühjahr 2017: sie wird Mutter! Damit übernimmt sie eine weitere spannende Rolle und wird einen neuen Lebensabschnitt kennenlernen.

Shqipes Antrieb, der ihr immer wieder geholfen hat, all dies zu meistern, ist ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn du schnell gehen willst, dann gehe alleine. Wenn du weit gehen willst, dann musst du mit anderen zusammen gehen.“ Sei es in der Schule bei TiL, während dem Studium oder im Referendariat, Shqipe wurde von diesen Zeilen begleitet. Zu jeder Zeit sind ihr helfende Hände begegnet, die sie auf ihrem Weg begleitet haben und ihr oftmals die schwere Last von den Schultern genommen haben und heute ist sie in der Lage, es an andere weiterzugeben. Wir wünschen Shqipe für ihre Zukunft alles Gute!

. . . Joka Pipercevic?

Joka Pipercevic aus dem Jahrgang 2006 hat 2008 ihr Abitur gemacht und nahm direkt im Anschluss ein Studium der Biochemie an der Technischen Universität in München (TUM) auf. Schon während des Studiums bildete sich Joka konstant weiter, sie besuchte beispielsweise an Wochenenden Tagungen der Uni oder auch des Max- Planck-Instituts und absolvierte in den Semesterferien Praktika. Auch darüber hinaus war Joka vielseitig engagiert, zum Beispiel als Teilnehmerin bei ‚Model United Nations‘ oder verschiedenen Akademien.

Da Joka ihr Bachelorstudium besonders flott absolvierte und die Abschlussarbeit vorziehen konnte, blieb ihr im 6. Semester Zeit zum Reisen: Indien sollte es sein! Zunächst arbeitete Joka am NCBS, einem bekannten indischen Forschungsinstitut und forschte gemeinsam mit den einheimischen Wissenschaftlern über die Neurobiologie des Fadenwurms ‚C. elegans‘. In Versuchen wurden die Würmer mit einer oder zwei Mutationen in bestimmten Proteinen genetisch verändert und die darauffolgenden Veränderungen am Verhalten und der Physiologie bestimmter Nerven ließen Schlussfolgerungen zu, wie wichtig diese Proteine für die Entstehung von Nerven oder Synapsen sind. Solche Erkenntnisse können mitunter auch auf den menschlichen Organismus übertragbar sein. Neben spannenden wissenschaftlichen Eindrücken nahm sich Joka auch noch Zeit für die Erkundung des Subkontinents. Dabei lernte sie die indische Kultur und deren Traditionen besser kennen, wurde aber auch für gesellschaftliche Brennpunkt-Themen sensibilisiert, wie beispielsweise die gängige Praxis der arrangierten Ehen.

Nach der Rückkehr aus Indien nahm Joka ein Masterstudium in Biochemie auf, wieder an ihrer ehemaligen Universität in München. Ihre Lust am Reisen lebte sie nun in den Semesterferien aus und besuchte Spanien, Frankreich, Italien und die Türkei, bevor sie im September 2013 ihren Master abschließen konnte. Das Thema von Jokas Masterarbeit, die sich mit Kernspinresonanz befasste, ist weiterhin ihr Forschungsgebiet. Mithilfe der Kernspinresonanz beschäftigte sie sich zuerst mit dem Mechanismus des Zelltodes, der besonders bei Krebskrankheiten nicht richtig funktioniert. Dafür war sie zuerst für neun Monate an der Harvard University in Boston, wo sie die USA näher kennen lernen konnte und später für weiteres Jahr an ihrer Münchner Heimatuniversität.
Seit September 2015 promoviert Joka an der Universität Basel in der Schweiz. Sie erforscht hier die Struktur eines bakteriellen Toxin: Dieses wird von manchen Bakterien in unserem Darm sekretiert, um sich in unserem überbevölkerten Darm leichter anzusiedeln.
Während der Forschungsarbeit teilt sie gerne als Kursleiterin ihre Begeisterung und biochemisches Know-how an die Schüler der Vorbilderakademie oder der Deutschen Schülerakademie. Den Kontakt zu TiL hat Joka stets gehalten: Sei es durch ihren Einsatz für Münchner Studieninfo-Tage für Abi-TiLer. oder als Kommissionleiterin für Gemeinnützige Arbeit des TiL-Alumni Vereins. Dafür bedanken wir uns herzlich!

. . . Ridha Azaiz?

Ridha wurde 2003 als Mitglied des ersten Stipendiatenjahrgangs bei TiL aufgenommen. Er besuchte damals bereits die Oberstufe und hatte schon einiges erreicht: Mit nur 13 Jahren hatte Ridha angefangen, Roboter zu bauen. Diese Leidenschaft entstand aus einer Unlust heraus: Ridha hatte kein Interesse daran gehabt, die Solarpaneele auf dem elterlichen Dach von Hand zu reinigen, also bastelte er sich lieber einen kleinen Helfer. Bis heute sind Roboter (inzwischen vor allem Drohnen)  sein Steckenpferd geblieben.  Mit großem Ehrgeiz verbesserte er sie weiter und hatte damit schnell Erfolg: Er nahm an Wettbewerben von „Jugend forscht“ teil und landete mehrere Male auf dem ersten Platz.

2004 machte Ridha sein Abitur und bewarb sich für ein Maschinenbau-Studium in Aachen, wechselte aber für das Masterstudium nach Berlin. Nebenher baute und verbesserte er seine Roboter immer weiter und mit seiner Karriere ging es steil nach oben. Seine Forschungstätigkeit fand sowohl national als auch international Beachtung: vom ersten Fernsehauftritt 1998 im WDR über zahlreiche Zeitungsartikel und wissenschaftlichen Veröffentlichungen bis hin zum Gewinn des Hardware Awards der hy! Berlin und damit der damit verbunden Reise ins Silicon Valley – Ridha ist einen langen Weg gegangen. Mittlerweile hat er mehrere Patente angemeldet, die in Australien und Europa erteilt wurden,  und eine eigene Firma gegründet.

Doch damit natürlich nicht genug: die Patente sollen auch in weiteren Ländern folgen und erst vergangenes Jahr hat er eine EU-Förderung für sein Startup erhalten. Diese ermöglichte ihm die Durchführung von Tests mit der selbst entwickelten Drohne in aller Welt, unter anderem in der Rajasthan-Wüste im Norden Indiens. Ebenfalls im Vergangenen Jahr schaffte Ridha es mit seinem Startup in die Top 100 zweier Startup-Festivals, so konnte er beim „New Energy Festival“ in Astana, Kasachstan, und bei der „BDL Accelerate“-Konferenz in Beirut im Libanon präsentieren und seine Drohne an den Mann und die Frau bringen.

Genug der Spannung: was kann sein Roboter „Solarbrush“ eigentlich? Um Angestellten von Solaranlagen die Arbeit zu erleichtern, soll der Reinigungsroboter Solarmodule reinigen und so deren Wirkungsgrad kostengünstig aufrechterhalten. Aus den Robotern sind mittlerweile Drohnen geworden, da diese die Aufgabe vorrausichtlich günstiger bewerkstelligen können. Wer mehr erfahren möchte besucht am besten Ridhas Homepage: → www.solarbrush.co

Uns freut besonders, dass er Talent im Land immer noch treu ist und wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!