Absolventenfeier 2017 in Tübingen

Am 13. Juli 2017 war es für knapp 30 TiL-Stipendiat*innen wieder an der Zeit, das Programm hinter sich und einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu lassen. In Anwesenheit der Familien und einiger Wegbegleiter*innen während der TiL-Zeit sowie unterschiedlicher Gäste läutete ein feierlicher Nachmittag in der Alten Aula in Tübingen den ‚Anfang vom Ende‘ als aktive Stipendiat*innen ein.

Wie immer durften im Programm Beiträge verschiedener Stipendiat*innen nicht fehlen: Simmuz Doymaz, der Programmälteste dieses Jahr, der bereits 2011 bei Talent im Land aufgenommen wurde, hielt eine rückblickende Rede auf die vergangenen Jahre. Jonathan Tekle, Stipendiat aus dem Jahrgang 2014 und Capoeira-Europameister, begeisterte das Publikum mit einer Capoeira-Routine zusammen mit seinem Trainer. Auch ein musikalischer Beitrag lockerte das Programm auf. So sangen Alumna Sabra Ghebreyesus aus dem Jahrgang 2015 und Stipendiatin Dilara Kocoglu aus dem Jahrgang 2014 einen Song der Popsängerin Adele und als Highlight den Song ‚All I See‘, den sie gemeinsam mit anderen Stipendiat*innen bei einem → selbstorganisierten TiL-Seminar an der Mannheimer Popakademie selbst geschrieben und eingespielt hatten.

Doch auch nach der Zeit als Aktive bei TiL ist das familiäre Gefühl des Programms natürlich nicht zu Ende. Sinan Qazzazie vom TiL-Alumni-Verein hieß die Absolvent*innen in der breitgefächerten Welt der Alumni willkommen. Alumna Kameliya Georgieva machte mit einer beeindruckenden Rede zum Sprung von der Schule an die Universität Lust auf Neues und Alumna Sahrah Mohamed ermutigte nachdrücklich und gewitzt zu einem Auslandsaufenthalt, um den Horizont zu erweitern.

Natürlich durften bei all dem der offizielle Anlass nicht vergessen werden. Beglückwünscht wurden die neuen Alumni von Prof. Dr. Karin Amos von der Universität Tübingen, von Carolin Genkinger von der Robert Bosch Stiftung und von Dr. Andreas Weber von der Baden-Württemberg Stiftung. Mit Urkunden in der Hand und einer rückblickende Fotoslideshow auf die Veranstaltungen der vergangenen Jahre endete mit diesem Nachmittag für einige TiLer die Zeit im Stipendium, doch TiL begleitet sie hoffentlich noch eine Weile auf die eine oder andere Weise weiter. Alles Gute an die Absolvent*innen!

Selbst organisiertes Treffen in Hamburg

Ein Bericht von TiL-Stipendiatin Blerina
Eine Gruppe von 30 TiLern machte sich in den Pfingstferien für vier ereignisreiche Tage auf nach Hamburg, um die Hansestadt von vielen verschiedenen Seiten kennen zu lernen. Eine gemeinsame Zugfahrt vom Süden in den Norden leitete die Reise ein, doch die erkundungswütigen Stipendiat*innen ließen sich davon nicht ermüden und machten sich direkt nach dem Check-In im Hostel auf dem Weg zum Theaterunterricht. Stipendiatin Blerina berichtet: „Wir machten Kennenlernspiele, Aufwärmung, mussten festgelegte Aufgaben umsetzen aber auch improvisieren.“

Nachdem abends die Hamburger Innenstadt besucht wurde, ging es am nächsten Morgen direkt weiter mit einer groß angelegten Schnitzeljagd in zwei Gruppen: „Währenddessen machten wir Halt an der HafenCity, dem Marco-Polo Tower, den Magellan-Terrassen und stiegen auf die Elbphilharmonie.“ Obwohl der zweite Tag des SOTs relativ kühl und regnerisch war, ließen die 30 TiLer es sich nicht nehmen, einen schönen Abend zu verbringen, während die einen gemeinsam ins Kino gingen, zogen andere durch die Stadt, und eine dritte Gruppe ging gemeinsam Essen.

Der dritte Tag begann gemeinsam mit dem Programmpunkt „Maritimes Museum“. Die Führung ging von Deck 9 bis 2 und die Stipendiat*innen besichtigten neben maßstabsgetreuen Container-Schiffen auch Kreuzfahrtschiffe und Militärschiffe, deren realistische Darstellung die Faszination noch einmal ankurbelte. Weiter ging es mit dem Modell des Hamburger Hafens und mit der Darstellung berühmter Seeschlachten, mit Schiffsmodellen aus verschiedenen Materialien wie Knochen, Bernstein oder Gold, dem Vergleich von Luxusschiffen früher und heute und der Geschichte der Titanic mit einem Kurzfilm. Ebenfalls nicht zu kurz kamen die maritimen Bekleidungen und die Herstellung von Tauen. Nach der Mittagspause ging es mit der Fähre weiter nach St. Pauli, wo die TiLer bei einer Stadtführung alles über die Geschichte des Viertels lernten, inklusive der Beatles. Der Tag fand seinen Ausklang bei Elbtunnel-Besuchen und Strandgängen sowie einer gemeinsamen Wasser-Lichter-Show.

Der letzte Tag der gemeinsamen Reise führte Teile der Gruppe ins Miniatur Wunderland und zur St. Michaelis Kirche, nach deren Besteigung die TiLer die „höchsten Personen in Hamburg“ waren, aber auch an den Strand und zurück nach St. Pauli. Die letzten Stunden wurden mit einer gemeinsamen Hafenrundfahrt verbracht, bevor der gemeinsame Weg zurück nach Baden-Württemberg angetreten wurde.

Ein Einblick ins Bildungsprogramm: Song „All I See“

Auf Initiative einer aktuellen und einer ehemaligen Stipendiatin von Talent im Land fand im Frühjahr 2017 in Mannheim ein selbst organisiertes Seminar in Kooperation mit der Mannheimer Popakademie statt. Unterstützt durch professionelle Songwriter und Producer der Popakademie konnten die Teilnehmenden einen gemeinsamen Song selbst schreiben, aufnehmen und produzieren. Der dazugehörige Videoclip gibt Eindrücke der gemeinsamen Tage.

Hier gibt’s den dazugehörigen Bericht zum Seminar.

Hier ist der Song als mp3 zum Anhören und/oder Download.

 

Ein Einblick ins Bildungsprogramm: Die Kreativwerkstatt 2017

Über 40 Stipendiat*innen von Talent im Land ließen am letzten März-Wochenende bei schönstem Frühlingswetter in der Akademie Schloss Rotenfels in Gaggenau ihrer Kreativität bei der Entwicklung von Apps, bei der Gestaltung von Graffiti-Leinwänden und Foto-Kunstwerken freien Lauf.
Mit dabei war auch Filmemacher Mario Stallbaumer, dem wir diesen gelungenen Einblick in das Wochenende zu verdanken haben. Viel Spaß!

Den Bericht zur Kreativwerkstatt mit einer Vielzahl an Bildern gibt es → ebenfalls auf der Homepage.

. . . Rebecca Hasseli?

Rebecca ganz in ihrem Element.

Rebecca aus dem TiL-Jahrgang 2006 hielt schon während ihrer Schulzeit aktiv Ausschau nach einem späteren Berufsziel und kam während unterschiedlicher Praktika in diversen Kliniken zu dem Schluss, dass ein Medizinstudium genau ihren Interessen und Stärken entspricht. Den Wunsch vieler TiL-Stipendiat*innen, ein Medizinstudium zu ergreifen, beschreibt Rebecca folgendermaßen: „Wenn man innerhalb einer Gruppe von TiLern einen Stein in die Luft werfen würde, würde es mit 60% Wahrscheinlichkeit einen zukünftigen Mediziner treffen“ – eine Aussage, die auch auf sie selbst zutrifft 🙂 Nach einem dreimonatigen Pflegepraktikum im Katharinenhospital in Stuttgart zog Rebecca für das Studium nach Gießen in Hessen, da man zu der Zeit noch Studiengebühren in Baden-Württemberg bezahlte.

Von 2010 bis 2016 studierte sie also an der Justus-Liebig-Universität und schloss das Studium in Regelstudienzeit ab. Eine große Unterstützung während des Studiums war das Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung, durch die Rebecca die ganze Studienzeit über gefördert wurde. In ihrem fünften Semester, 2012, begann Rebecca bereits mit ihrer Doktorarbeit am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim mit dem Schwerpunkt „Lungenregeneration“. Da sich die Arbeitsgruppe nach eineinhalb Jahren auflöste, musste Rebecca die Promotion leider abbrechen – doch sie nennt es Fluch und Segen zugleich: Auf der Suche nach weiteren Themen, die sie interessieren könnten, stieß Rebeca auf die Rheumatologie und begann eine Doktorarbeit am Franz-Groedel-Institut in Bad Nauheim im Bereich der experimentellen Rheumatologie. Sie konnte schnell Fuß fassen, da sie bereits Vorkenntnisse im Labor hatte. Die Daten der Doktorarbeit konnte Rebecca bereits auf mehreren nationalen und internationalen (u.a. in den USA und innerhalb der EU) Kongressen präsentieren. Das internationale dreijährige Graduiertenkolleg „Molecular biology and medicine of the lung“, das sie bereits während der ersten Promotionsarbeit begonnen hatte, schloss Rebecca 2015 erfolgreich ab.

Seit August 2016 ist Rebecca nun als Ärztin tätig und ist der Rheumatologie treu geblieben. Zu Berufsbeginn wagte sie einen erneuten Umzug in die Ferne und zog nach Lübeck, wo sie als Ärztin in der Universitätsklinik für Rheumatologie arbeitete. Sie war auch am Aufbau der Klinik beteiligt, da es zuvor keine eigenständige Rheumatologie in Lübeck gab. Doch Rebeccas akademische Karriere ist noch nicht abgeschlossen – da sie habilitieren möchte, wagte sie den Wechsel zurück nach Bad Nauheim, wo sie nun in einer der größten Kliniken für Rheumatologie bundesweit tätig ist. Neben der Arbeit in der Klinik betreibt Rebecca Lehre und Forschung. Bis zum Facharzt und zur Habilitation ist es noch ein langer Weg, aber Rebecca ist überzeugt: „wir TiLer geben nie auf.“

Rebecca bei der TiL-Sommerakademie am Bodensee.

Ihre Nähe zu TiL war auch noch lange nach dem Abschluss ihres Stipendiums zu spüren- drei Mal war sie Assistentin für den Medizinkurs bei der Sommerakademie. Kursleiter Dr. Jörg Klug, der an der Universität in Gießen lehrt, kannte Rebecca auch schon aus ihren Anatomieseminaren. Mit einigen der Kursteilnehmer*innen steht sie auch noch immer in Kontakt. Und natürlich kamen nach alter TiL-Manier auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten nie zu kurz: neben dem Studium war sie in der Initiative ‚Medinetz Gießen‘ tätig, einem bundesweiten Netzwerk, das sich um die medizinische Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltstitel kümmert – was aber nicht bedeutet, dass Studierende die Patienten behandelt. Viel mehr agieren Freiwillige wie Rebecca als Vermittler*innen und sorgen entweder für eine kostenlose Behandlung oder durch eine Finanzierung von Spenden. Zusätzlich war Rebecca im Arbeitskreis ‚Ethik in der Medizin‘ tätig, ein Aspekt, der ihrer Meinung nach während des Studiums viel zu kurz kommt. Ziel des Arbeitskreises ist es, die Medizinstudenten vor dem Klinikalltag auf ethisch kritische Fälle anhand realer Erfahrungen vorzubereiten und gezielt die Kommunikation in solchen Situationen zu trainieren. Auch für das Seminarprogramm der Hans-Böckler-Stiftung organisierte Rebecca ein Wochenende rund um die Thematik. Aber damit noch nicht genug – außerdem hat Rebecca noch der Initiative ‚ArbeiterKind.de‘ unter die Arme gegriffen, bei der junge Menschen aus Arbeiterfamilien für das Studium motiviert werden und vor allem zu Beginn unterstützt werden. Viele junge Menschen müssen sich heute noch die Unterstützung der Familie für ein Studium erkämpfen und stoßen dabei oft auf Widerstand. Dies soll dadurch verändert werden. All die Engagements konnte Rebecca in letzter Zeit aufgrund der vielen Ortswechsel leider nicht fortsetzen, strebt dies nach Eintreten einer alltäglichen Routine wieder an. Sie sagt: „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir durch TiL unterstützt werden/wurden. Das möchte ich auch weiterhin an die Gesellschaft zurückgeben. Noch immer zehre ich von den tollen Erfahrungen, die ich bei TiL machen durfte und empfehle jedem, sich zu bewerben. Einige meiner besten Freunde gehören zur TiL-Familie.“

Wir bedanken uns bei Rebecca für die Spuren, die sie bei TiL hinterlassen hat und den Einblick in ihr Leben und wünschen ihr – beruflich und privat – nur das Beste!

. . . Özgür Kibarogullari?

Özgür Kibarogullari aus dem Jahrgang 2004 ist in Istanbul geboren und mit 14 Jahren nach Deutschland gekommen. Er besuchte nacheinander Hauptschule, Realschule und Gymnasium und machte dann 2009 sein Abitur. Um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken, arbeitete Özgür an seiner ehemaligen Hauptschule als Assistenzlehrer in einer Vorbereitungsklasse. Es war ihm wichtig, den Jugendlichen, die in derselben Situation waren wie er selbst noch vor wenigen Jahren, ein Mut machendes Beispiel zu sein: „So hatten sie jemand, der auch in der Situation war und jetzt Abitur gemacht hat.“

Zur selben Zeit wurde Özgür Basketball-Coach für die U14 Mannschaft in Ludwigsburg, was eine herausfordernde Position war, wie er beschreibt: „Erstens musste ich die richtige Trainingsplanung machen, da die Spieler die besten aus Baden-Württemberg waren und teilweise zu den besten in ganz Deutschland gehörten. Zweitens waren diese Spieler in der Pubertät und ich fühlte mich verantwortlich, mich um die Schule und andere Sachen von Spielern zu kümmern.“ Eine sehr zeitintensive Aufgabe, die von Erfolg gekrönt wurde – Özgürs Mannschaft wurde Baden-Württembergischer Meister!

Im Oktober 2009 begann er dann sein Informatikstudium an der Universität Stuttgart. Auch während des Studiums spielte Basketball eine große Rolle für Özgür: Neben dem Coaching bot er zusätzlich noch Basketball-Kurse und -AGs in Schulen an.

2010 initiierte Özgür gemeinsam mit Freunden ein weiteres Projekt: Die Gruppe wollte Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zusammenbringen, um über spannende Themen zu diskutieren. Sie organisierten mehrtägige Treffen, zu denen spannende Gäste kamen: „[…] wo Autoren, Juristen, Diplomaten und viele andere interessante Persönlichkeiten eingeladen waren. So hatten die Teilnehmer die Möglichkeit mit eingeladenen Personen über die Themen direkt zu diskutieren.“ Das Projekt nahm bald Fahrt auf und einzelne Teilprojekte konnten sogar Preise gewinnen!

Im Sommer 2010 reiste Özgür dann mit einem Fulbright-Stipendium an die Basketball-begeisterte University of Kentucky, was für ihn ein absolutes Paradies war. Und auch sonst war der Aufenthalt dort beeindruckend: „Außerdem war es für mich eine sehr interessante Zeit, da ich gesehen habe, wie spontan und schön es ist, lange Zeit ohne Handy und Internet zu leben :-).“

Ab 2011 standen für Özgür alle Zeichen auf „Zukunftsplanung“: Um sich über seinen Berufswunsch klar zu werden, absolvierte er ein Praktikum bei der Robert Bosch GmbH, ein Auslandssemester an der Istanbul Bogazici Universität und eine Hospitation als Basketballtrainer bei Fenerbahce Istanbul. Vor seiner Zeit in Istanbul spielte Özgür mit dem Gedanken, später in der Türkei leben und arbeiten zu wollen – hiervon kam er dann allerdings ab: „Nachdem ich aus der Türkei zurückgekommen bin, habe ich schnellstmöglich ein Antrag für die deutsche Staatsbürgerschaft gestellt.“ Zurück in Deutschland arbeitete Özgür als Werkstudent bei der Daimler AG, was ihm half seinen Berufswunsch zu konkretisieren. Ende 2013 konnte Özgür dann sein Bachelorstudium erfolgreich abschließen und nach kurzer Zeit bei der Unternehmensberatung Accenture anfangen. Nach verschiedene Projekten in Indien und Europa hat er sich entschieden wieder zurück nach Stuttgart zu kommen. Zurzeit ist er in der Automobilindustrie tätig. Wir wünschen wir ihm alles Gute!

Den Stipendiat*innen würde Özgür gerne folgendes mit auf den Weg geben: „Genieße alles im Leben. Sowohl Erfolg als auch Misserfolg.“

Neu auf unserer Seite: Was machen ehemalige Stipendiaten heute?

Über 500 Schülerinnen und Schüler haben das Programm Talent im Land bereits durchlaufen. In einer neuen Serie berichten wir über ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten und was aus ihnen geworden ist. → Was macht eigentlich…?

. . . Sergej Nowoshilow?

Sergej aus dem TiL-Jahrgang 2003 ist ein Forscher, wie er im Buche steht: gleich nach seinem Abitur 2004 hat er angefangen, Bioinformatik an der LMU in München zu studieren. Die Wahl des Studiengangs fiel ihm relativ leicht, da er sich immer für Neurowissenschaften und Programmiersprachen interessiert hatte. Gleich am Ende des ersten Semesters hat er sich als wissenschaftliche Hilfskraft (Hiwi) am Zentrum für Sensomotorik in München beworben und den Job auch bekommen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch wenig Fachwissen vorweisen konnte. Schon einige Monate später konnte er seine Programmierkenntnisse gut einsetzen und hat sich ein eigenes Projekt „ausgedacht“: Es war keine neue Erfindung, sondern eine gründliche Überarbeitung eines Software-Pakets, dass zu der Zeit bereits zehn Jahre alt war. Dabei ging es um die Klassifikation von Patienten mit bestimmten neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel das Parkinson-Syndrom, mittels eines neuronalen Netzes. Das Projekt lief gut und mittlerweile wird die Software am Uni-Klinikum in München zur Analyse von einigen Patientendaten routinemäßig eingesetzt.

Im dritten Semester konnte Sergej ein Praktikum in einem richtigen biologischen Labor absolvieren, welches sich als Wendepunkt für ihn herausstellte. Die spannenden Prozesse, die es zu erforschen galt, reizten ihn sehr und er „verliebte“ sich schließlich in die Molekularbiologie. Nach diesem Praktikum nahm er eine weitere Tätigkeit als Hilfskraft in diesem Labor auf. Beide Hiwi-Jobs übte er bis zum Ende seines Studiums aus. In diesem Labor schrieb er sowohl seine Bachelor- als auch seine Masterarbeit, in denen es um die Populationsgenetik von Taufliegen ging.

Nach seinem Abschluss arbeitete Sergej eineinhalb Jahre beim Deutschen Schwindelzentrum im Uniklinikum Großhadern, um sein Projekt aus Uni-Zeiten weiter zu entwickeln. Dabei wurde ihm jedoch klar, dass dieser Bereich nicht dem entsprach, was er sein Leben lang weiter machen wollte – ihm fehlte die Forschung im biologischen Bereich. Da kam es gerade recht, dass Sergej noch eine weitere Faszination hatte: die Forschung mit Salamandern, die verlorene Gliedmaße regenerieren können. Also suchte er bei Forschungsgruppen nach PhD-Stellen, deren Schwerpunkt auf diesem Thema lag. Er entschied sich für das spannend und anspruchsvoll klingende Projekt von Prof. Dr. Elly Tanaka in Dresden. Dabei ging es erstens um die Assemblierung vom Axolotl – einem bestimmten Salamander – Transkriptom. Im Gegensatz zum Genom, welches (mit wenigen Ausnahmen) in jeder Zelle des Organismus gleich ist, stellt das Transkriptom aktuell aktive Erbinformation dar, also Gene, die in einer bestimmten Zelle bzw. einem Organ aktiv sind. Für die Regenerationsforschung ist es deshalb wichtig zu wissen, welche Gene nach der Amputation des Gliedmaßes aktiv bzw. ausgeschaltet werden und was im Endeffekt zu einer perfekten Regeneration führt. Der zweite Teil des Projektes hatte die Aufgabe verschiedene Arten von Salamandern miteinander zu vergleichen, um so im besten Fall die Gene zu finden, die diesen Tieren ihre Regenerationsfähigkeit verleihen. Spannend, oder?

Im Februar 2016 verteidigte Sergej dann erfolgreich seine Doktorarbeit und forscht nun weiter am selben Projekt. Inzwischen ist die gesamte Forschungsgruppe inklusive Sergej jedoch nicht mehr in Dresden – er ist nun in Wien anzutreffen! Dort sind er und das Team im Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie angesiedelt. Zwar ist der Fortschritt noch nicht so weit, dass die Forschung zur Regeneration von Gliedmaßen auf Menschen übertragen werden könnte, doch Sergej ist davon überzeugt, dass dies noch kommen wird. Spannende Aussichten, wie wir finden, und viel Erfolg an Sergej bei seiner Arbeit!

. . . Sihong Zhang?

Diese Alumna setzt Maßstäbe: Als Sihong 2004 in das Programm aufgenommen wurde, war sie 14 Jahre alt. In Shanghai geboren, zog sie im Alter von sechs Jahren nach Freiburg. Zu diesem Zeitpunkt spielte sie schon seit zwei Jahren Klavier, eine Leidenschaft, die sie noch lange begleiten sollte: 2002 wurde sie in die Musikhochschule Freiburg aufgenommen, dort blieb sie bis 2009 und absolvierte das Vorklassenstudium für begabte Jugendliche mit Hauptfach Klavier. Sie nahm an zahlreichen Wettbewerben teil und gewann nicht selten den ersten Platz.

Dies ist aber nicht ihr einziges Talent: Ob Mathematik, Latein oder Biologie – Sihongs Noten waren stets hervorragend. Soziales Engagement zeigte sie als Mitarbeiterin der Schülerbibliothek und als Organisatorin des Schulmittagessens. Nach dem Abitur, das sie mit 1,0 bestand, ging es dann zum Studium der Volkswirtschaftslehre nach München. Sie wurde Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und machte praktische Erfahrungen am Ifo-Institut München, am Institut für Kommunikationsökonomik der LMU München und bei Accenture in Beijing.

Für den Master wechselte Sihong 2012 nach Mannheim, dort ist sie auch als Tutorin für Mikroökonomik und Grundlagen der VWL tätig. Aufgrund ihrer guten Leistungen bekam sie nach dem ersten Semester das Angebot direkt in das PhD-Programm zu wechseln und somit den Master zu überspringen. Nachdem sie zwei Jahre lang PhD-Kurse besuchte, bekam sie im Sommer 2014 ihren Master in Economic Research mit der Note „sehr gut“ verliehen und schreibt seitdem an ihrer Dissertation. In ihrer Forschungsarbeit beschäftigt sich Sihong hauptsächlich mit strategischem Verhalten und Interaktionen auf Märkten und hat ihre Arbeit bereits auf einigen internationalen Konferenzen präsentiert. Um einen Einblick in die „reale“ Wirtschaftswelt zu gewinnen, warf sie 2015 mit ihrem Praktikum bei McKinsey & Company einen Blick hinter die Kulissen der Topmanagement-Beratung fernab von der Forschung.

Die Verbindung zu Talent im Land brach auch nach ihrem Abitur nicht ab und Sihong übernahm bereits mehrmals die Co-Leitung bei unserem Sommerakademie-Kurs „Wirtschaft“. Wir drücken ihr die Daumen für ihre Promotion und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft!

. . . Severina Butovich?

Severina aus dem TiL-Jahrgang 2012 hat 2014 ihr Abitur absolviert und ist seitdem viel in der Weltgeschichte unterwegs: Russland, die USA, China und viele weitere Orte hat sie zwischenzeitlich bereist. Doch von vorn: Direkt nach dem Abitur und einer wundervollen Sommerakademie fuhr Severina in ihre Heimat Sankt Petersburg – erst der dritte Besuch seit dem Umzug nach Deutschland 2005. Das Wiedersehen war gleichzeitig ein Abschied, denn Severina gab ihre russische Staatsbürgerschaft auf und stellte sich einem zweijährigen Einbürgerungsprozess. Teil davon war auch ein Sommer ohne Staatenzugehörigkeit, in dem sie Deutschland natürlich nicht verlassen konnte, was der reisefreudigen Severina sicher nicht leicht fiel. Seit 2016 ist Severina nun deutsche Bürgerin – eines ihrer Highlights aus der Zeit nach dem Abi.

Die Zeit zwischen Schule und Studium nutzte Severina dann wieder voll aus und nahm an der „Fulbright Diversity Initiative“ teil. Dank des Stipendiums konnte sie für einen Monat an der University of Kentucky studieren und sich in „Entrepreneurship“ weiterbilden, etwas über die US-amerikanische Hochschulwelt lernen, umherreisen und ihr Englisch weiter verbessern.

Anschließend entschied sich Severina für ein Studium in International Management an der ESB Business School Reutlingen, bei dem sie jeweils drei Semester in Deutschland und China in der jeweiligen Landessprache studieren sollte. Als Teil des Studienprogramms werden in beiden Ländern einsemestrige Praktika absolviert, in Deutschland arbeitete Severina dabei in der Zentrale der Robert Bosch GmbH im Bereich des Strategischen Marketings.

Neben dem Studium engagiert Severina sich im „Culture & Charity“ Ressort der Reutlinger Hochschule und leitete diverse weitere Projekte. Sie ist zudem Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Nun absolviert Severina den chinesischen Teil ihres Studiums, derzeit das so genannte Sprachenjahr, um ihre Chinesischkenntnisse auf das für die Fortsetzung des Studiums notwendige Niveau zu bringen. Gefördert wird sie dafür von der chinesischen Regierung und der EU. In ihrer Freizeit geht sie gern vier- bis fünfmal in der Woche tanzen, außerdem lernt sie in einer Kampfsportakademie Jiu-Jitsu. Tanzen und Kampfsport sind aber mehr als eine reine Freizeitbeschäftigung – hier kann Severina auch als einzige Nicht-Chinesin in den Kursen an ihren Sprachkenntnissen arbeiten. In der Freizeit erkundet sie liebend gern Peking und die Geschichte und Kultur des Landes, um Unterschiede besser verstehen zu können. Die zweimonatigen Winterferien hat Severina genutzt, um mit einer Kommilitonin auf einer Backpackingtour Süd-Ost-Asien (Vietnam, Laos, Kambodscha und Singapur) zu bereisen – eine unvergessliche kulturelle Erfahrung, wie sie beschreibt.

Generell zieht sich die Liebe zu Sprachen, Reisen und anderen Kulturen durch Severinas Leben wie ein roter Faden. So arbeitete sie beispielsweise auch im Sommer 2016 als Jugendreiseleiterin in Rimini und war dabei zuständig für die Organisation und Übersetzungsarbeit vor Ort. Neben dem Aufbessern ihrer Italienischkenntnisse konnte sie so neue Erfahrungen in Jugendarbeit sammeln und eine tolle Zeit verbringen.

TiL hat Severina auch fast drei Jahre nach ihrem Abi noch in guter Erinnerung. Sie erzählt: „Obwohl seit meinem Abi nun fast drei Jahre vergangen sind, denke ich immer noch gerne an die Zeit bei TiL zurück. Ich habe unglaubliche Unterstützung erhalten, habe sehr viel gelernt, dank TiL und vor allem dank der zwei Sommerakademien konnte ich mich für meinen Studiengang entscheiden, doch am wichtigsten ist, dass ich Freunde fürs Leben gefunden habe. Dafür bin ich unglaublich dankbar!“

Wir sind auch sehr dankbar, Severina im Programm gehabt zu haben und wünschen ihr weiterhin alles Gute – für ihre Zeit in China, ihr restliches Studium und alles was folgt!