. . . Filip Mitrovski?

Filip Mitrovski aus dem Jahrgang 2010 fährt leidenschaftlich gerne Rad, bewundert den Architekten Jan Gehl und spielt seit kurzem im Improvisations-Theater an der Universität. Nach seinem Abitur im Jahr 2012 in Stuttgart legte er Zwischenstopps in Luxemburg und Dänemark ein, inzwischen lebt er wieder in Berlin und studiert dort Europäische Ethnologie.

Seine Eltern sind nach Deutschland gezogen als im Vielvölkerstaat Jugoslawien der Krieg ausbrach. Warum diese Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen entstanden sind, erforschte er als Gast-Student an der Universität Kopenhagen. Er reist mittlerweile oft in die Region, um zu beobachten wie sich die neuen Staaten entwickeln und wie die verschiedenen Gruppen mit dem Erbe des Krieges umgehen.

Seitdem er aus der Fahrradstadt Kopenhagen zurück ist, kritisiert Filip das Mobilitätskonzept vieler deutscher Großstädte. „Wir Stuttgarter kennen die Probleme, die der Autoverkehr mitbringt nur zu gut. Besonders Dieselmotoren verpesten unsere Luft mit Stickoxiden, ein Abgas auf das jährlich 10.400 Todesfälle in Deutschland zurückzuführen sind. Radwege und ÖPNV müssen besser gefördert werden und der Autoverkehr deutlich eingeschränkt. Und zwar noch heute. Städte wie Eindhoven und Münster zeigen, dass eine solche Mobilitätswende gelingt und allen Parteien nützt. Denn die schlechte Luft atmen wir alle ein, somit sind wir alle betroffen.“

Die Zeit bei Talent im Land empfindet Filip bis heute als prägend. „Durch die Seminare bin ich ein großes Stück selbstbewusster geworden und habe viele Seiten an mir entdeckt. Doch die wahren Highlights waren die Abende mit den anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Wir haben viel gelacht und herumgealbert. In Erinnerung bleiben mir aber vor allem unsere Gespräche über die großen Fragen. Wir waren ein unterschiedlicher Haufen; Muslime, Juden, Atheisten, Christen, eingesessene Schwaben oder gerade neu in Deutschland Angekommene, die sich da über Religion, Gerechtigkeit und Freiheit unterhielten. Das war schon einzigartig.“

Selbst organisiertes Seminar Songproduktion

Auf Initiative einer Stipendiatin und einer Alumna von Talent im Land fand vom 27. Februar bis 1. März in Mannheim ein selbst organisiertes Seminar in Kooperation mit der Popakademie statt. Unterstützt durch professionelle Songwriter und Producer der Popakademie Mannheim konnten die Teilnehmer einen gemeinsamen Song selbst schreiben und produzieren. Stipendiatin Lena-Marie Lecat berichtet:

 Sonntag Nachmittag trafen wir uns alle im Mannheimer Hauptbahnhof und gingen von dort aus gemeinsam zur Jugendherberge, wo wir auch gemeinsam zu Abend aßen. Mit vollem Magen verbrachten wir den Abend gemeinsam im Aufenthaltsraum mit Gesprächen und Spielen. Auch wenn wir „nur“ eine kleine Gruppe waren, hatten wir eine unglaubliche Vielfalt an musikalischen und fotografischen Talenten zu bieten.

Am Montag ging es dann mit dem offiziellen Programm des SOT los und wir gingen früh morgens in die Popakademie Mannheim. Hier wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, die für das Songwriting und die Instrumentalbegleitung zuständig waren. Dilara hatte bereits Vorarbeit für uns geleistet und einen Teil des Songs mit Gitarrenbegleitung vorgeschrieben. Die Songwritergruppe überarbeitete die vorhandenen Teile und verfasste eigenständig die Strophen, während die Instrumentalisten sich eine passende Begleitung überlegten. Am Ende des Tages wurden die Ergebnisse gegenseitig vorgestellt und schon gemeinsam geprobt. Danach gingen wir zusammen in die Jugendherberge zum Abendessen. Den restlichen Abend verbrachten wir mit anderen TiLern aus der Regionalgruppe in Mannheim. Von Dilara und Songül bekamen wir dann noch eine kleine Führung durch Mannheim. Nicht mal das kalte Wetter konnte uns unsere Freude und gemütlichen Stimmung verderben!

Am nächsten Tag überarbeiteten beide Gruppen separat ihre Teile und probten diese erneut. Als schlussendlich beide mit ihrer Arbeit zufrieden waren, fügten wir beide Teile zusammen und probten den Song einige Male gemeinsam. Nachdem beide Gruppen zufrieden waren, verließen wir die Akademie und gingen gemeinsam in Mannheim bowlen. Während des restlichen Abends waren wir im Gemeinschaftsraum und sangen und redeten miteinander.

An unserem letzten Tag nahmen wir nach einer kurzen Probe unseren Song stückweise auf. Erst nahmen die Instrumentalisten ihre Parts auf, danach sangen die Solisten ein und schlussendlich die Gruppe. So waren wir, zwar mit Verspätung, aber am Ende des Nachmittages fertig mit dem Einspielen und Einsingen unseres Songs und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Hier mussten wir uns dann leider schon voneinander verabschieden und gingen nach und nach zu den Zügen und fuhren nach diesem sehr tollen Projekt mit einem super Ergebnis nach Hause.

Hier kann man den Song direkt als mp3 anhören und/oder herunterladen.

Während des Seminars entstand zum Song noch ein Videoclip, der weitere Eindrücke bietet von den gemeinsamen Tagen.

 

Vorbereitungsendspurt: das Abilerncamp 2017

Ein neues Seminar gab es dieses Jahr auf der Burg Rabeneck: das Abilerncamp, das die baldigen Abiturient*innen Anfang März bei einem intensiven Wochenende zusammen mit Gleichgesinnten und einer Gruppe Alumni, die als Mentor*innen fungierten, auf die größte Prüfung der Schullaufbahn vorbereitete.

Während das Seminar weitgehend offen gestaltet wurde, um Raum für individuelles Lernen und Gruppenarbeiten in allerhand Fächern zu geben, gab es abgesehen von den klassischen Essenszeiten auch noch ein paar andere Rahmenpunkte: Gleich am ersten Abend hielt Alumna Kameliya einen Vortrag zum Umgang mit dem Stress während des Abiturs. Am zweiten Tag bot Alumna Nadia mittags eine Simulation der Kommunikationsprüfung an und hielt am Abend einen Vortrag über die „Top 40 common mistakes in text production“. Und auch die Alumni Quynh, Madeleine und Sinan trugen mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung zum Lernerfolg des Wochenendes bei.

Selbstverständlich durften auch Entspannungsphasen nicht fehlen. Bei Snacks, Werwolf-Spielen, Filmscreenings und Tischkickermatches wurden die Abendstunden aufgelockert und sorgten dadurch für frische Luft in den rauchenden Köpfen. Morgens machte sich eine mutige Truppe auf, um mit einer Joggingrunde in den Tag zu starten. Gemeinsame Spaziergänge dienten ebenfalls der Entspannung und Ablenkung – doch keine der geplanten Pausen konnte so schön den Hirnschmalz lockern wir der Regress: ein Spielplatz war nicht weit von der Jugendherberge und lockte immer wieder. Dies könnte tatsächlich die fast lehrreichste Erfahrung des Camps gewesen sein: auch Abiturient*innen sind keine Maschinen und brauchen Pausen, Ablenkung und Freude für eine erfolgreiche Prüfung.

. . . Mehmet Doymaz?

Mehmet aus dem Jahrgang 2009 hat 2012 sein Abitur bestanden und ist direkt danach ins Studium gestartet – Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik am KIT in Karlsruhe sollte es sein. Inzwischen ist er im zweiten Semester seines Masters. Bisher ist Mehmet Karlsruhe treu geblieben, doch im Sommer 2018 wird er voraussichtlich vorübergehend nach Nancy in Frankreich ziehen, um dort ein Semester lang das Leben als Erasmusstudent kennenzulernen. Mehmet wird in seinem Studium vom ‚Geh deinen Weg‘-Stipendium und der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt, bei Letzterer ist er in der Karlsruher Regionalgruppe aktiv. Die Auslandserfahrung hat bisher auch nicht gefehlt: Mehmet konnte durch Fulbright vier Wochen lang den amerikanischen Lebens- und Studienalltag in Kentucky kennenlernen und besuchte einen im Sommer 2016 Sprachkurs der Hans-Böckler-Stiftung in Paris. Private Reisen zur Entspannung sind ebenfalls jedes Jahr eingeplant, so erkundete Mehmet bereits Frankreich, Italien, Österreich, die Schweiz, die Niederlande oder auch Deutschland.

Obwohl Mehmet natürlich viel Zeit in sein Studium investiert, engagiert er sich sozial und gründete zusammen mit zwei weiteren Alumni, Yaroslav Yakubov und Ivo Georgiev, den gemeinnützigen Verein und die Hochschulgruppe „Sprungbrett Bildung e.V.“ in Karlsruhe, in dem er weiterhin sehr aktiv ist. Der Verein unterstützt sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche von Brennpunktschulen mit (meist) Migrationshintergrund. Das Team legt Wert auf schulische und persönliche Entwicklung durch kostenlose Nachhilfe und ein ideelles Programm, also beispielsweise Ausflüge und Workshops. Neu dieses Jahr war erstmals auch die Aufnahme von Jugendlichen aus Vorbereitungsklassen, die erst seit Kurzem in Deutschland leben. Mehmet und die anderen Aktiven bei „Sprungbrett Bildung“ erhoffen sich, „dass wir sie mit unserem Engagement sehr gut in unsere Gesellschaft integrieren können“.  Auch die anderen Mitglieder des Vereins sind meist TiL-Alumni oder noch Stipendiat*innen aus dem Raum Karlsruhe. Hilfe ist natürlich immer willkommen – unter → info@sprungbrett-bildung.de gibt es weitere Informationen.

Eine besonders tolle Bestätigung erhielt das Team um Mehmet erst kürzlich, im März 2017. Mehmet schreibt dazu: „Mit dem Projekt ‚Bildung mit Vertrauen‘ haben wir uns mit unserem Verein für ‚DeinDing‘ beim Jugendbildungspreis Baden-Württemberg 2016 beworben. Von 101 Projekten gehörten wir zur engeren Auswahl und wurden zur Preisverleihung nach Stuttgart eingeladen. Zu unserer großen Freude belegten wir mit unserem Projekt den dritten Platz! Gemeinsam mit drei Schützlingen, einigen Alumni und unseren Vereinsmitgliedern nahmen wir den Geldpreis in Höhe von 1000 € und die Sieger-Urkunde persönlich entgegen. Mit dem Geld werden wir nun neue Veranstaltungen starten und unsere Flyer und Broschüre aktualisieren.“

Herzlichen Glückwunsch an die teilnehmenden (ehemaligen) TiLer und natürlich vielen Dank besonders an Mehmet für seine erhaltene Nähe zum Programm.

. . . Shqipe Stocker?

Shqipe aus dem Jahrgang 2004 begann nach dem Abitur ein Lehramtsstudium mit der Fächerkombination Germanistik und Geschichte. Dabei hatte sie das Glück, von der Markelstiftung – und damit einem Vorgängerprogramm von TiL – gefördert zu werden. Durch ein weiteres Stipendium hatte sie sogar die Chance an einer Reise nach Alaska teilzunehmen, die für zehn Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund ermöglicht wurde. Insgesamt elf Semester studierte Shqipe in Heidelberg – eine Zeit, auf die sie gerne zurückblickt.

Dennoch verschlug es sie nach dem Studienabschluss weiter in den Süden des Ländles – nach Singen am Hohentwiel. Im Januar 2012 begann sie dort ihr Referendariat und meisterte die Lehrproben zusammen mit ihren ‚Ref‘-Kolleg*innen mit Bravour.

Shqipe unterrichtet mittlerweile seit einigen Jahren an einem beruflichen Gymnasium und hat etwas geschafft, von dem sie nie geglaubt hätte, es könnte in Erfüllung gehen: eine Kosovarin unterrichtet deutsche Schüler in deren Muttersprache! Ihre TiL-Erfahrung konnte Shqipe außerdem direkt weitergeben, denn vor einem Jahr empfahl sie einen ihrer Schüler selbst bei TiL und er wurde ins Programm aufgenommen. Für Shqipe ist es schön, zu wissen, dass auch er nun die kompetente Unterstützung erfährt, die sie selbst vor Jahren hatte.

Eine weitere große Wende erwartet Shqipe außerdem im Frühjahr 2017: sie wird Mutter! Damit übernimmt sie eine weitere spannende Rolle und wird einen neuen Lebensabschnitt kennenlernen.

Shqipes Antrieb, der ihr immer wieder geholfen hat, all dies zu meistern, ist ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn du schnell gehen willst, dann gehe alleine. Wenn du weit gehen willst, dann musst du mit anderen zusammen gehen.“ Sei es in der Schule bei TiL, während dem Studium oder im Referendariat, Shqipe wurde von diesen Zeilen begleitet. Zu jeder Zeit sind ihr helfende Hände begegnet, die sie auf ihrem Weg begleitet haben und ihr oftmals die schwere Last von den Schultern genommen haben und heute ist sie in der Lage, es an andere weiterzugeben. Wir wünschen Shqipe für ihre Zukunft alles Gute!

. . . Joka Pipercevic?

Joka Pipercevic aus dem Jahrgang 2006 hat 2008 ihr Abitur gemacht und nahm direkt im Anschluss ein Studium der Biochemie an der Technischen Universität in München (TUM) auf. Schon während des Studiums bildete sich Joka konstant weiter, sie besuchte beispielsweise an Wochenenden Tagungen der Uni oder auch des Max- Planck-Instituts und absolvierte in den Semesterferien Praktika. Auch darüber hinaus war Joka vielseitig engagiert, zum Beispiel als Teilnehmerin bei ‚Model United Nations‘ oder verschiedenen Akademien.

Da Joka ihr Bachelorstudium besonders flott absolvierte und die Abschlussarbeit vorziehen konnte, blieb ihr im 6. Semester Zeit zum Reisen: Indien sollte es sein! Zunächst arbeitete Joka am NCBS, einem bekannten indischen Forschungsinstitut und forschte gemeinsam mit den einheimischen Wissenschaftlern über die Neurobiologie des Fadenwurms ‚C. elegans‘. In Versuchen wurden die Würmer mit einer oder zwei Mutationen in bestimmten Proteinen genetisch verändert und die darauffolgenden Veränderungen am Verhalten und der Physiologie bestimmter Nerven ließen Schlussfolgerungen zu, wie wichtig diese Proteine für die Entstehung von Nerven oder Synapsen sind. Solche Erkenntnisse können mitunter auch auf den menschlichen Organismus übertragbar sein. Neben spannenden wissenschaftlichen Eindrücken nahm sich Joka auch noch Zeit für die Erkundung des Subkontinents. Dabei lernte sie die indische Kultur und deren Traditionen besser kennen, wurde aber auch für gesellschaftliche Brennpunkt-Themen sensibilisiert, wie beispielsweise die gängige Praxis der arrangierten Ehen.

Nach der Rückkehr aus Indien nahm Joka ein Masterstudium in Biochemie auf, wieder an ihrer ehemaligen Universität in München. Ihre Lust am Reisen lebte sie nun in den Semesterferien aus und besuchte Spanien, Frankreich, Italien und die Türkei, bevor sie im September 2013 ihren Master abschließen konnte. Das Thema von Jokas Masterarbeit, die sich mit Kernspinresonanz befasste, ist weiterhin ihr Forschungsgebiet. Mithilfe der Kernspinresonanz beschäftigte sie sich zuerst mit dem Mechanismus des Zelltodes, der besonders bei Krebskrankheiten nicht richtig funktioniert. Dafür war sie zuerst für neun Monate an der Harvard University in Boston, wo sie die USA näher kennen lernen konnte und später für weiteres Jahr an ihrer Münchner Heimatuniversität.
Seit September 2015 promoviert Joka an der Universität Basel in der Schweiz. Sie erforscht hier die Struktur eines bakteriellen Toxin: Dieses wird von manchen Bakterien in unserem Darm sekretiert, um sich in unserem überbevölkerten Darm leichter anzusiedeln.
Während der Forschungsarbeit teilt sie gerne als Kursleiterin ihre Begeisterung und biochemisches Know-how an die Schüler der Vorbilderakademie oder der Deutschen Schülerakademie. Den Kontakt zu TiL hat Joka stets gehalten: Sei es durch ihren Einsatz für Münchner Studieninfo-Tage für Abi-TiLer. oder als Kommissionleiterin für Gemeinnützige Arbeit des TiL-Alumni Vereins. Dafür bedanken wir uns herzlich!

. . . Ridha Azaiz?

Ridha wurde 2003 als Mitglied des ersten Stipendiatenjahrgangs bei TiL aufgenommen. Er besuchte damals bereits die Oberstufe und hatte schon einiges erreicht: Mit nur 13 Jahren hatte Ridha angefangen, Roboter zu bauen. Diese Leidenschaft entstand aus einer Unlust heraus: Ridha hatte kein Interesse daran gehabt, die Solarpaneele auf dem elterlichen Dach von Hand zu reinigen, also bastelte er sich lieber einen kleinen Helfer. Bis heute sind Roboter (inzwischen vor allem Drohnen)  sein Steckenpferd geblieben.  Mit großem Ehrgeiz verbesserte er sie weiter und hatte damit schnell Erfolg: Er nahm an Wettbewerben von „Jugend forscht“ teil und landete mehrere Male auf dem ersten Platz.

2004 machte Ridha sein Abitur und bewarb sich für ein Maschinenbau-Studium in Aachen, wechselte aber für das Masterstudium nach Berlin. Nebenher baute und verbesserte er seine Roboter immer weiter und mit seiner Karriere ging es steil nach oben. Seine Forschungstätigkeit fand sowohl national als auch international Beachtung: vom ersten Fernsehauftritt 1998 im WDR über zahlreiche Zeitungsartikel und wissenschaftlichen Veröffentlichungen bis hin zum Gewinn des Hardware Awards der hy! Berlin und damit der damit verbunden Reise ins Silicon Valley – Ridha ist einen langen Weg gegangen. Mittlerweile hat er mehrere Patente angemeldet, die in Australien und Europa erteilt wurden,  und eine eigene Firma gegründet.

Doch damit natürlich nicht genug: die Patente sollen auch in weiteren Ländern folgen und erst vergangenes Jahr hat er eine EU-Förderung für sein Startup erhalten. Diese ermöglichte ihm die Durchführung von Tests mit der selbst entwickelten Drohne in aller Welt, unter anderem in der Rajasthan-Wüste im Norden Indiens. Ebenfalls im Vergangenen Jahr schaffte Ridha es mit seinem Startup in die Top 100 zweier Startup-Festivals, so konnte er beim „New Energy Festival“ in Astana, Kasachstan, und bei der „BDL Accelerate“-Konferenz in Beirut im Libanon präsentieren und seine Drohne an den Mann und die Frau bringen.

Genug der Spannung: was kann sein Roboter „Solarbrush“ eigentlich? Um Angestellten von Solaranlagen die Arbeit zu erleichtern, soll der Reinigungsroboter Solarmodule reinigen und so deren Wirkungsgrad kostengünstig aufrechterhalten. Aus den Robotern sind mittlerweile Drohnen geworden, da diese die Aufgabe vorrausichtlich günstiger bewerkstelligen können. Wer mehr erfahren möchte besucht am besten Ridhas Homepage: → www.solarbrush.co

Uns freut besonders, dass er Talent im Land immer noch treu ist und wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!

. . . Kevin Lam?

Kevin aus dem Jahrgang 2012 schloss das Abitur im Jahr 2014 ab. Anschließend machte er sich mit der Nichtregierungsorganisation „Un Techo Para Todos“, zu Deutsch „ein Dach für alle“, auf nach Chile, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Obwohl das der Wohlstand in Chile größer ist als in den anderen südamerikanischen Staaten erfuhr Kevin eine erdrückenden Schere zwischen Arm und Reich – die Wohlhabenden leben auf einem Niveau, das mit dem westlichen vergleichbar ist, während der arme Teil der Bevölkerung keine Chance hat, dort hin zu gelangen und in unwürdigen Umständen lebt.

Kevin erzählt von den „Campamentos“, den chilenischen Elendsvierteln, in denen die Menschen auch mal auf Müllhalden leben. Möglichkeiten, diese Lage zu verbessern, gibt es wegen der Diskriminierung durch den Rest der Gesellschaft kaum. Seit 1997 versucht „Techo para todo“, diese Slums abzuschaffen und den Menschen die Chance auf Arbeit und Bildung zu geben – und Kevin half mit. Für ihn was besonders der Bildungsbereich wichtig, da ihn die Zustände dort trotz der großen Unterschiede noch immer an die Probleme in Deutschland erinnern. Abgesehen von den finanziellen Problemen und der Zwang zur Arbeit, um die Familie zu unterstützen, nennt Kevin auch die Haltung zur Bildung als maßgeblichen Faktor. Die chilenischen Eltern verstehen oft den Wunsch ihrer Kinder nach besserer Bildung nicht und verwehren ihnen dadurch die Unterstützung. Oft sind die Eltern zudem Analphabeten, ein Umstand, den Kevin sehr mitnahm, da es, wie er sagt, das Eine ist, von Analphabetismus zu wissen, aber etwas komplett anderes, selbst Erwachsene zu kennen, die nicht einmal mit ihrem eigenen Namen unterschreiben können. Doch Kevin war in Chile natürlich auch, um das ganze Land kennen zu lernen und er reiste viel umher. In Südchile stellte die Welt wieder einmal unter Beweis, wie klein sie doch ist: dort traf er Leon aus dem Jahrgang 2011 in einem kleinen Dorf. Leon war gerade auf einer Konzertreise in Südamerika unterwegs gewesen.

Die Zeit in Chile erinnerte Kevin des Öfteren an die Erfahrungen bei TiL und daran, dass auf der ganzen Welt Individuen und Gruppen die Bildung anderer unterstützen. Daher erfreut es ihn besonders, dass die Bewerbung bei TiL seit 2014 für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen geöffnet ist, so wird das zuvor latent vorhandene Gefühl der Abgrenzung abgeschafft.

Nach dem Abenteuer in Chile blieb Kevin den Süden Deutschlands treu und zog nach Regensburg, um Humanmedizin zu studieren. Mittlerweile hat er sein drittes Semester absolviert und genießt die Zeit in Regensburg sehr: „Nicht zu groß und nicht zu klein, jeder fünfte Einwohner ist Student und die Altstadt wurde im zweiten Weltkrieg nicht bombardiert, so dass aus dem Mittelalter alles noch erhalten ist. Was will man mehr?“

So ganz kann die Stadt am nördlichsten Punkt der Donau Lateinamerika aber doch nicht ersetzen. Erst in den letzten Semesterferien besuchte Kevin seine chilenische Gastfamilie und natürlich die Freunde, die er damals kennengelernt hatte. Auch seine Bande zu TiL sind noch aufrecht erhalten: Kevin ist in der Kommunikationsgruppe des Alumnivereins aktiv.

Für seine anhaltende Unterstützung danken wir Kevin und wünschen ihm weiter alles Gute!

. . . Truc Ta?

Truc Ta aus dem Jahrgang 2010 hat 2011 ihr Abitur absolviert und uns einen tollen Text über die Zeit seit dem Abitur geschickt, der hier einfach in seiner Reinform präsentiert wird 🙂 Viel Spaß beim Lesen und herzlichen Dank an Truc!

Nach dem Abitur 2011 begann ich das Studium der Humanmedizin in Heidelberg aus demselben Grund wie viele: Faszination an Naturwissenschaften mit sozialer Anwendung. Ich erlebte ein erstes Jahr voller diffuser Zweifel. In der Rückschau fällt es leichter, die Krisenherde zu identifizieren: Noch fehlende Akzeptanz, dass kein Studium dieser Welt die Welt erklären kann; allen voran aber persönliche Krisen, wie jeder sie einmal erlebt, der zum ersten Mal frei und eigenständig wird.

Im Sommer 2012 war ich für drei Monate Praktikantin in einem öffentlichen Krankenhaus auf dem vietnamesischen Land, Herkunftsort meines Vaters, lernte Krankenhaus- und Lebensmanagement unter extrem schwierigen Bedingungen nachdrücklich kennen, bereiste ferner Singapur und Myanmar. Die Zeit in diesen sehr verschiedenen Ländern offenbarte mir, dass sich unterschiedliche Gesellschaftsstrukturen nicht in Mentalität begründen, sondern Ergebnis aktiver Historie und aktueller Politik sind.

Zurück aus Südostasien nahm ich ein Freisemester, während dem ich ein Pflegepraktikum an einer klassischen deutschen Uniklinik in Berlin absolvierte und sonst nicht viel tat.

Mit dieser Pause im Rücken setzte ich das Studium in Heidelberg fort und wurde in die Friedrich-Ebert-Stiftung aufgenommen. Mittlerweile im vierten Jahr angekommen, nehme ich mir schon wieder frei, um an einer medizinischen Promotion in der Neurophysiologie zu arbeiten. Themenfeld ist der Zusammenhang zwischen Nerven- und Immunsystem. Nach dem Studium so in etwa drei oder vier Jahren kann ich mir vorstellen, auf begrenzte Zeit als Ärztin in Vietnam tätig zu sein.

Meine Antidepressiva: Sport (Yoga, Schwimmen), Reisen, Familie und vor allem die richtigen Freunde. Einige habe ich TiL zu verdanken, darunter inspirative Frauengestalten wie Joka Pipercevic, Irina Hernandez, Nataliya Nikolska und Viola Schramm.

Mittlerweile habe ich meine experimentelle Promotion, parallel zum Studium, fast beendet und vor allem neben technischem Know-How und Fachwissen mich in Geduld geübt. Seit 2014 engagiere mich in der Vereinsarbeit von „MediNetz Rhein-Neckar e.V.“, welche den Zugang zur medizinischen Versorgung für alle Menschen in Deutschland einfordert.
Im Sommer 2016 verschlug es mich ein weiteres Mal nach Vietnam. Diesmal in das wahnsinnig boomende Saigon, wo ich an der dortigen Universitätsklinik Praktika in den Bereichen Tropenmedizin, Urologie und Notfallmedizin absolvierte.

Das Ende meines Studiums ist mit den Staatsexamen im Herbst diesen Jahres und dem anschließenden letzten praktischen Jahr für Medizinstudierende (PJ) tatsächlich nun in Sicht. Das Fach für die folgende Facharztausbildung steht noch nicht fest.

Eine weitere Erkenntnis der letzten Jahre: Vernünftige Von-Vornherein-Argumentationen gegen etwas sind meistens nicht so überzeugend wie das eigene Erleben und Scheitern an der Situation. Ich glaube, dieses Trial&Error-Prinzip funktioniert insbesondere wohl im freien Privatleben.

. . . Leon Muthunayake?

Leon Muthunayake aus dem Jahrgang 2011 hat 2013 Abitur gemacht und bereiste direkt nach seinem Abschluss eigenständig Teile Asiens: neben Indien und Sri Lanka war er auch in Thailand und arbeitete dort als Freiwilliger. Ein eindrückliches Erlebnis!

Die ersten zwei Monate auf Sri Lanka waren geprägt von Besuchen der eigenen Verwandtschaft einerseits und Arbeit für die Organisation „Sarvodaya Shramadana Movement“ andererseits: Leon arbeitete einem Waisenhaus für Vollwaisen und Kleinkinder von Müttern im Teenageralter. Als Mann war er in dem Waisenhaus ein Exot, aber „für mich war es eine ganz besondere Sache mit solchen kleinen Kindern zu arbeiten. Es ist sehr schön zu sehen, dass es auch für Kinder aus sehr schwierigen Verhältnissen eine Chance gibt und das, obwohl die finanziellen Mittel der Organisation sehr gering sind.“

Nach dem Aufenthalt auf Sri Lanka ging es weiter nach Indien, für Leon ein sehr aufregendes Land, das sich unerwartet stark von Sri Lanka unterschied. Die Reise begann er in Südindien, doch auch die Region um Delhi erkundete er: „Dabei lernte ich viel über die indische Geschichte und Kultur und die Diversität Indiens. Ich glaube, es gibt kaum ein Land, das in sich so unterschiedlich sein könnte.“ Ein paar Wochen arbeitete er als Freiwilliger in Kalkutta bei den Missionarinnen der Nächstenliebe, der Organisation, wo Mutter Teresa wirkte: „Die Arbeit mit behinderten Kindern am Morgen und der Dienst mit älteren Menschen, die auf dem Sterbeweg sind und niemanden haben, berührte mich sehr stark.“ Eine schöne, aber auch zehrende Arbeit – die Schere zwischen Arm und Reich ist in Indien noch immer immens: „Es ist kaum vorstellbar wie prekär die Lebensumstände dieser Menschen sind. Ich bin bloß glücklich, dass ich diesen Menschen etwas helfen konnte.“
Nach zwei Monaten in Indien kehrte Leon für eine Woche zum traditionellen Neujahrsfest am 14. April nach Sri Lanka zurück: „Für mich war das ganz besonders, weil ich das noch so live vor Ort gesehen hatte. Die Zeremonien und die Begrüßung des neuen Jahres durch die Menschen waren sehr farbenfroh und unvergesslich.“

Seine letzten beiden Wochen der Reise verbrachte Leon in Thailand, wo er ein Trainingscamp für Muay Thai Boxen besuchte, dem Volkssport des Landes. Bereits in Kalkutta hatte er seinen Sport, das Enshin Karate, trainieren können und nun wollte Leon gerne weitere Kampfkunsterfahrungen sammeln. Die letzten Tage verbrachte Leon gemeinsam mit einem Freund in Bangkok, wo er viel über die Geschichte des Landes lernte und erlebte, wie dort Moderne und Vergangenheit nebeneinander existieren. Die Reisen bereiteten Leon auf das Kommende gut vor, denn „ich denke, Reisen bildet. Man kann weit über seinen Tellerrand hinausschauen. Ich vermute, dass ich in dieser Zeit menschlicher geworden bin.“

Diese Erfahrung nutzt Leon seit dem Wintersemester 2014/15 erfolgreich auch im Studium, ihn hat es zurück nach Freiburg zu den Rechtswissenschaftlern verschlagen. Momentan schreibt er bereits seine Examensstudienarbeit über die „Rule of Law“, eine stressige Zeit, die sich aber sicherlich für ihn lohnt, denn die Note zählt in sein Staatsexamen. Anschließend wird Leon sich erneut mit einem Aufenthalt im Ausland belohnen, dieses Mal als Erasmus-Student in Aberdeen. Ein Jahr wird Leon dort die britische Studienwelt und die schottische Lebensweise kennenlernen. Besonders am Herzen liegt Leon momentan auch seine Arbeit in der Refugee Law Clinic, einem studentisch geführten Verein, der geflüchteten Menschen Unterstützung in rechtlichen Fragen anbietet. Auch weitere TiLer konnte er bereits von der Arbeit des Vereins überzeugen.

Wir wünschen Leon viel Erfolg bei seinem Studium, der ehrenamtlichen Tätigkeit und natürlich im Abenteuer Erasmus und bedanken uns für die andauernde Nähe zu TiL!