Das Alumnitreffen 2017

An der Rheinpromenade gelegen trafen sich Ende November eine große und vorfreudige Gruppe ehemaliger TiL-Stipendiat*innen aus Nah und Fern, um ein lehrreiches, spannendes, und vor allem schönes Wochenende zu verbringen. Mit viel Input seitens der Ehemaligen wurden die beiden Tage gestaltet: während am ersten Morgen noch das persönliche Verhältnis zu TiL im Vordergrund stand, ging es am Abend um den Talent im Land Alumni-Verein und aktuelle vereinsinterne Entwicklungen sowie um Neuigkeiten aus der Quelle Nummer Eins für TiLer – dem TiL-Büro. Auch der zweite Morgen brachte ein paar Auffrischungen aus dem Netzwerk rund um TiL: die Berichte aus den Regionalgruppen stellten vor, wie die nahe beieinander lebenden Stipendiat*innen und Alumni zusammenfanden.

Das Oberthema des Wochenendes, „Die Kunst zu…“ wurde in den TED-Talks am Samstag Nachmittag ausgearbeitet. Das Thema wurde ausgewählt, da bei Kunst zwar als erstes sicherlich Gemälde, Skulpturen oder Installationen in den Sinn kommen, und doch auch viel Alltäglicheres als Kunst verstanden werden kann: Die Kunst zu meditieren, die Kunst der Wissenschaft, die Kunst in der Mode… Die verschiedenen Künste der TiL-Familie wurden in den TED-Talks erkundet.

Der letzte Abend war traditionsgemäß geprägt von hitzigen Diskussionen rund um die Fragen des Großen Preises, der dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum feierte. Von Sport über Kultur bis hin zu Geschichte waren fünf Kategorien abgedeckt und die plötzlich überraschend wetteifrigen Ehemaligen waren nicht nur mit Fragen über das vielleicht am unangenehmsten stinkende Essen der Welt konfrontiert, sondern auch über Fjodor Dostojewski, Coca-Cola und Dirk Nowitzki.

Talent kennt keine Herkunft

53 neue Stipendiaten sind seit dem 1. September Teil der TiL-Familie und werden auf ihren Bildungswegen umfassend unterstützt. Am 15. November wurden sie von Kultusministerin Susanne Eisenmann sowie den Geschäftsführern der beiden Stiftungen, Christoph Dahl und Uta-Micaela Dürig, feierlich im Haus der Wirtschaft Stuttgart in das Programm „Talent im Land“ aufgenommen. „Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und der aktiven Teilhabe an unserer Gesellschaft. Deshalb unterstützt ‚Talent im Land‘ begabte junge Menschen, die sich trotz mancher Hindernisse nicht unterkriegen lassen und ihren Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife fest im Blick haben“, betont Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Für die 34 Mädchen und 19 Jungen, die aus insgesamt 276 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt wurden, öffnen sich als TiL-Stipendiaten ganz neue Perspektiven. Neben einer monatlichen Unterstützung von in der Regel 150 Euro erhalten sie Zugang zu einem umfangreichen Seminar- und Bildungsprogramm, lernen bei der Sommerakademie berufliche Vorbilder kennen und können sich innerhalb eines Netzwerks aus rund 650 „Talent im Land“-Alumni Ratschläge für Schule und Berufsplanung einholen.

Der neue Zuwachs stammt aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Kulturkreisen. Während 24 Stipendiaten in Deutschland geboren sind, zählen zu den Herkunftsländern der anderen Jugendlichen beispielsweise Pakistan, Afghanistan, die Türkei, Bulgarien, Kolumbien und China. Die größte Gruppe stammt ursprünglich aus Syrien: Zwölf Jugendliche sind dort geboren. „Vielfalt ist ein wichtiger Bestandteil des Programms. Unabhängig von Herkunft und sozialem Status setzen wir uns mit TiL für faire Bildungschancen ein. Jedes Jahr aufs Neue machen die persönlichen Erfolgsgeschichten deutlich, wie das Programm den Lebensweg junger Menschen positiv beeinflussen kann“, erklärt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben in ihren jungen Jahren bereits soziales oder politisches Engagement gezeigt oder Auszeichnungen für schulische oder sportliche Leistungen erhalten. Sie sind vielseitig interessiert und haben oftmals bereits klare berufliche Ziele vor Augen. „Mit ‚Talent im Land‘ setzen wir uns dafür ein, dass das Engagement und die Motivation junger Menschen nicht von äußeren Umständen ausgebremst werden. Junge Talente dürfen nicht darunter leiden, wenn zuhause keiner bei schulischen Fragen helfen kann oder das Geld nicht ausreicht, beispielsweise für die technische Ausstattung eigener Experimente“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. In diesem Jahr stehen besonders technische und naturwissenschaftliche Studienfächer, wie Mathematik, Ingenieurwesen oder Medizin hoch im Kurs. Aber auch Herausforderungen, wie die Teilnahme an der Tour de France oder die Mithilfe beim Wiederaufbau Syriens zählen zu den ehrgeizigen Plänen der jungen Menschen. „Ich möchte die Welt mit meinem Beruf konstruktiv verbessern“, bringt es eine Stipendiatin auf den Punkt.

Seit 2003 gibt es „Talent im Land“, durch das bereits mehr als 700 begabte Schülerinnen und Schüler gefördert wurden. Neben Talent müssen die Schüler Ausdauer, Zielstrebigkeit und soziales Engagement mitbringen. Bewerben können sich Jugendliche, die mindestens die siebte Klasse besuchen und die Schule mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife beenden möchten. Die nächste Bewerbungsrunde startet im Februar 2018. Das Gesamtbudget für „Talent im Land“ beträgt pro Kalenderjahr rund 900.000 Euro.

Vier der neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten stellen wir hier vor:

Maria

Bereits vor ihrer Aufnahme als TiL-Stipendiatin war Maria ein kleiner Star: die 15-jährige Schülerin der Hebelschule Schliengen ist begeisterte Modedesignerin. Sogar schon aus dem Hause Dior gab es via Instagram Lob für Marias Rekreation eines Dior-Kleides. Das Besondere: Maria produzierte zunächst ausschließlich Fashion auf Mikroebene – für Barbies! Auf Facebook haben sie und ihre Kreationen eine treue Fangemeinde (mit etwa 40 000 Likes!) und in Marias Heimat Kolumbien ist ihr Label ‚Mariaang‘ eine eingetragene Marke, die inzwischen auch dazu genutzt wird, um Mode im ‚großen‘ Stil zu kreieren und sich ehrenamtlich zu engagieren.
Der Beginn ihrer modischen Reise war eine Nähmaschine, die Maria geschenkt bekam, als sie 2014 mit ihrer Mutter nach Deutschland kam und sich zu Beginn noch vor allem auf Englisch unterhalten musste, da sie kein Deutsch sprach. Was sie zuvor nur auf Papier kreiert hatte, konnte sie jetzt praktisch umsetzen, und der Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten ließ mehr Raum für das das Schneidern.
Maria konzentriert sich momentan auf ihre Schullaufbahn, um ihre Modeambitionen mit einem sehr guten Abitur an einer Hochschule in Deutschland fortzusetzen zu können. In ihrer Freizeit findet sie Ausgleich im Sport und beim Singen im Chor. Wir freuen uns, Maria auf ihrem spannenden Weg zu begleiten!


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Wiedersehen macht Freu(n)de: Das zweite Stipendiatentreffen des Jahrgangs 2016

Das zweite und bereits letzte Stipendiatentreffen stand für den TiL-Jahrgang 2016 Ende Oktober im Bernhäuser Forst in Filderstadt an – ein Grund für milde Empörung bei manchen, hatte man sich doch nur zweimal als Jahrgang getroffen und sich dabei so liebgewonnen. Doch beim dichten Programm an diesem Wochenende blieb kaum Zeit für solche schmerzlichen Gedanken! Unter dem Motto „Eine Meinung haben – und dazu stehen“ lernten die Stipendiat*innen mal spielerisch, mal intensiv alles Mögliche über rhetorische Grundregeln und das Redenhalten. Mit dabei wie auch in den vergangenen Jahren: Ingo Straten, der ehemalige Leiter der Sommerakademie, und ein Team von drei weiteren Rhetoriktrainerinnen.

Bereichert wurde das Programm zudem durch einen Vortrag von Thomas Di Paolo, der die Zuhörer*innen in die Bildsprache des Grafikdesigns einführte. Der Höhepunkt des Seminars war wie auch schon in den vergangenen Jahren die Große TiL-Debatte, die am Sonntagvormittag stattfand und die Stipendiat*innen bis zum Mittagessen und somit bis kurz vor der Abfahrt in Anspruch nahm.

Natürlich blieb auch Zeit für das ersehnte Wiedersehen: an den Abenden hatten die TiLer Zeit, die tolle Sporthalle des Bernhäuser Forsts zu nutzen oder einfach gemeinsam beisammen zu sein. Von diesen Stunden konnten die Teilnehmer*innen gar nicht genug bekommen.

. . . Tuba Aini?

Tuba Aini aus dem TiL-Jahrgang 2010 beendete 2013 erfolgreich das Abitur und begann im Anschluss direkt mit ihrem Studium der Zahnmedizin an der Goethe Universität Frankfurt (Main). Mittlerweile studiert sie im siebten Semester: „Endlich! Das bedeutet nämlich für mich: Adieu „Phantompuppen“ und Plastikzähne und hallo erster Patient. In diesem Semester werde ich alles, was ich zuvor an Theorie gelernt und an den „Phantomköpfen“ geübt habe, an Patienten durchführen.“

Für Tuba und ihre Kommiliton*innen bedeutet dies nach der Terminvereinbarung strikte Partnerarbeit in der Behandlung: da die Studierenden noch keine Vorerfahrung mit echten Patient*innen haben, beschränkt sich die Arbeit einerseits auf die sogenannte konservierende Zahnheilkunde: „Das heißt bohren, Karies entfernen, Zahn füllen, Wurzelkanalbehandlungen, professionelle Zahnreinigungen und so weiter“, sagt Tuba. Andererseits ist es entscheidend, dass der behandelnde Partner nach jedem Schritt, der erfolgreich ausgeführt wurde, den entsprechenden verantwortlichen beaufsichtigenden Zahnarzt holt, der alles absegnet. Ebenso muss Tuba natürlich selbst auch für ihre Studienpartnerin die Assistenz „spielen“.

Bis zur Behandlung an Patienten war es für Tuba ein weiter Weg: in den ersten drei Semestern belegte sie noch zusammen mit den Humanmedizinern Kurse in Anatomie, Chemie, Physik, Biochemie und Physiologie. Zusammen mit den vierten und fünften Semestern war dies der vorklinische Abschnitt des Studiums. Das letzte Jahr der Vorklinik wird dann aber bereits in der Zahnklinik absolviert, und die Vorbereitung auf das Physikum, also das erste Staatsexamen, laufen sowohl theoretisch als auch praktisch auf Hochtouren. Seit dem Frühjahr 2017, dem sechsten Semester, ist Tuba im klinischen Studienabschnitt und wurde auf die bevorstehende Behandlung an den Patient*innen vorbereitet. Bereits zu dem Zeitpunkt dürfen die ‚Zahnis‘ auch Patient*innen röntgen (Tuba: „Was die Humanmediziner nicht dürfen!“). Tuba findet „erstaunlich, wie viel man innerhalb eines Jahres in der Zahnklinik lernt und dann direkt auf die Patienten losgelassen wird“. Die Patient*innen in der Zahnklinik wissen, dass die behandelnden Studierenden sich noch in der Ausbildung befinden, „dennoch sehen sie jeden, der weiß gekleidet ist  – also uns Studierende auch -, als ‚Götter in Weiß‘ und vertrauen uns. Man trägt also große Verantwortung als Behandlerin!“

Ihren Studienalltag empfindet Tuba als recht schulähnlich, der Stundenplan sei stets prall gefüllt und mit Anwesenheitspflicht und den festen Unterrichtszeiten gibt es nicht so viele Freiheiten, wie man denken könnte. Doch: „Das Gute ist, dass man jede Menge praktisch arbeitet, sodass die Zeit relativ zügig vergeht.“

Bis zur „fertigen“ Zahnärztin liegt für Tuba dennoch noch ein Stück Weg vor ihr: „Das Studium geht insgesamt elf Semester plus zwei weitere Jahre Assistenzzeit. Das Studium ist kein Zuckerschlecken, aber es macht wirklich Spaß! Ich kann mir anschließend dann gut vorstellen, in die Oralchirurgie zu gehen, aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit.“ Wir wünschen ihr weiterhin viel Freude und Erfolg auf dem Weg zur Zahnärztin!

 

Erstes Stipendiatentreffen des Jahrgangs 2017

Der TiL-Jahrgang 2017 ist ein ganz besonderer: drei Stipendiat*innen mehr konnten dieses Jahr mit aufgenommen werden und werden nun bis zum Abitur oder einem gleichwertigen Schulabschluss gefördert. Vom 15. – 17. September 2017 lernten die Neulinge sich gegenseitig und das TiL-Büro zum ersten Mal richtig kennen. Wie in den Vorjahren stand das Seminar in der Evangelischen Akademie Bad Boll unter dem Motto „Chancen bilden – auf dem Weg zu neuen Herausforderungen“.

Im Seminar lernen die Stipendiat*innen das Programm, die Gruppe, und sich selbst etwas besser kennen. Nach einem vielfältigen Kennenlernen am Freitag wurden die Schüler*innen am Samstag in wechselnde Gruppen eingeteilt. Während zwei Gruppen sich ihrer eigenen Fähigkeiten, Stärken & Zielen bewusst werden sollten, aber auch erfuhren, wie die anderen Stipendiat*innen sich mit den Herausforderungen des Alltags und der Schule auseinandersetzen, halfen Vertrauens- und Kooperationsübungen zwei weiteren Gruppen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Anschließend wurden die Gruppen getauscht. Bei der Talentshow am Samstagabend schließlich durfte jede*r Einzelne in offener Atmosphäre ihr oder sein persönliches Talent den anderen präsentieren. Und die Bühne wurde eifrig genutzt: Von Zaubertricks (oder was es doch Magie?) über Gesangseinlagen bis hin zu Artistik mit „Pois“ gab es einiges zu sehen und hören!

In einer Talkrunde mit drei ehemaligen Stipendiat*innen am Sonntag berichteten diese über ihre Erfahrungen aus dem Stipendium. Ebenfalls vorgestellt wurden den Stipendiat*innen ihre Regionalgruppen, in denen regelmäßig Aktivitäten in der näheren Region unternommen werden. Auch die Eltern bzw. Begleitpersonen und deren Fragen an das Programm kamen nicht zu kurz: im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen wurde eine Inforunde zu den Bestandteilen des Stipendiums angeboten.

Das Stipendiatentreffen war eine rundum schöne und intensive Veranstaltung, deren reibungsloser Ablauf nur noch durch ein fast unglaubliches Wiedersehen übertroffen wurde: Bereits beim Auswahltag im Juli trafen sich zwei Bewerber*innen nach langer Ungewissheit wieder – und nun waren sie gemeinsam in Bad Boll, um ihr Stipendium anzutreten: Zwei unserer neuen Stipendiat*innen kannten sich bereits von ihrer gemeinsamen Zeit in der syrischen Schwimm-Jugend-Nationalmannschaft. Durch die Flucht hatten sie sich aus den Augen verloren – jetzt sind sie beide im selben TiL-Jahrgang. Was für ein berührender Zufall. 🙂

Laborpraktikum am Heidelberger Life Science Lab 2017

Ein Schmankerl der besonderen Art gab es auch dieses Jahr in der letzten Woche der Sommerferien für eine kleine, illustre Truppe von Stipendiat*innen: das Laborpraktikum am Heidelberger Life Science Lab des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Über eine ganze Woche – vom 4. bis 9. September – konnten die acht TiLer alles Mögliche über Durchflusszytometrie, Restriktionsanalyse, kompetente Bakterien und Apoptoseinduktion lernen und jetzt vielleicht auch erklären, was das bedeuten soll. An den freien Abenden in Heidelberg wurden die zukünftigen Laborant*innen außerdem von TiL-Alumna Kameliya Georgieva begleitet, die Ansprechpartnerin, Programmgestalterin und Expertin in einem sein konnte – Kameliya hatte vor ihrem Abitur selbst am Praktikum teilgenommen und studiert inzwischen Medizin an der Universität Ulm.

Stipendiatin Anna Kling war eine der Teilnehmer*innen am DKFZ-Laborpraktikum und nahm sich im Anschluss die Zeit, einen Bericht für das Büro zu verfassen, den wir natürlich nicht vorenthalten wollen.

Das perfekte Gemisch

Was werde ich nur nach dem Abitur machen? Diese Frage beantworten zu können, gestaltet sich als eine der schwierigsten Herausforderung in der Kursstufe.

Das Laborpraktikum am DKFZ gab uns die Chance, genau diese Frage mit Sicherheit beantworten zu können. Eine Woche lang arbeiteten wir acht TiLer im Labor des Life-Science-Lab in Heidelberg. Dort bekamen wir einen Einblick in die Arbeit eines Naturwissenschaftlers. Das genaue Pipettieren und das hochkonzentrierte Arbeiten stellte uns vor eine neue Herausforderung. Im Labor stand uns jedoch Anja vom Heidelberger Science Lab zu Seite, die uns mit ihrer langjährigen Erfahrung als Laborassistentin tatkräftig unterstützte. Sie zeigte uns die Grundlagen der Laborarbeit und gab uns einen Einblick in das Leben im Labor. Wir stellten nicht nur unser eigenes Agarosegel her und sequenzierten Proteine, sondern untersuchten sogar das proapoptotische Verhalten an lebendigen Zellen. Fernab von allen praktischen Aspekten wurden wir auch mit den theoretischen Aspekten konfrontiert, die ein wissenschaftliches Studium mit sich bringt. Unsere zahlreichen Besuche in den verschiedenen Fachbereichen am DFKZ führte uns die Vielfältigkeit eines naturwissenschaftlichen Berufes vor. So wurde uns Tilern bewusst, dass selbst nach unserem Studium uns immer noch alle Türen offenstehen. Durch das Studium lerne man sich in unterschiedliche Fachbereiche einarbeiten zu können, das sei das Entscheidende, so Herr Dr. Warnken, der uns eindrucksvoll seinen Fachbereich der Proteomik vorstellte. Seine Begeisterung für diesen Fachbereich führte uns vor Augen, welche Möglichkeiten eine naturwissenschaftliche Anstellung birgt. Nach unseren anstrengenden, aber unheimlich interessanten Stunden im Labor hatte die Alumna Kameliya ein abwechslungsreiches Abend-Programm für uns vorbereitet. Wir besuchten das Heidelberger Schloss, trafen uns mit der Heidelberger Regionalgruppe und bummelten in der Stadt. Kameliya studiert seit 2016 Medizin und konnte uns daher zahlreiche Informationen zu ihrem Studium geben und für ihr Fach begeistern.

Das Laborpraktikum in Heidelberg hat uns Mut gemacht unseren Interessen zu folgen und Dinge einfach mal auszuprobieren. Vor allem unsere Betreuer Anja vom Science Lab und Kameliya haben uns gezeigt, dass wir keine Angst haben müssen, wichtige Zukunftsentscheidung zu treffen. Wie auch im Labor, entsteht erst durch die unterschiedlichen Stoffe das gewünschte Gemisch. So geht für einige die Suche nach den Zutaten noch weiter und andere können nun anfangen ihr „Gemisch“ herzustellen.

. . . Denis Vuckovac?

Denis gehört zu einem der ersten „Talent im Land“ Jahrgänge, er wurde 2004 in die Förderung aufgenommen und hat 2007 sein Abitur gemacht. Direkt nach seinem Abitur war er 2007 für fünf Wochen mit Fulbright in Kalifornien, wo er einige seiner engsten Freunde kennen gelernt hat – und über dessen Alumniverein er acht Jahre später seine Freundin kennen lernen sollte. Direkt im Anschluss an „die unglaubliche Zeit in den USA“ begann er dann sein Studium am Karlsruhe Institut für Technologie, damals allerdings noch Universität Karlsruhe (TH). (Für Denis ein deutliches Anzeichen, alt geworden zu sein.) Da er sowohl technisch als auch wirtschaftlich interessiert war, entschloss er sich dafür, Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Gut gefallen haben ihm dabei Unterschiedlichkeit und Abwechslungsreichtum der verschiedenen Lehrveranstaltungen: von Werkstoffkunde über Programmieren bis hin zu Finanzwirtschaft und Konjunkturtheorie. Vielfältig war auch die Wahl seiner Auslandsaufenthalte: Denis war jeweils für ein Semester in Singapur und Kalifornien. Speziell ersteres hat ihm sehr gut gefallen! Er sagt: „Singapur selbst ist ein unglaublich vielfältiges und dynamisches Land, was so wahrscheinlich einmalig auf der Welt ist.“ Und auch hier hat Denis wieder einige Freunde, diesmal aus der ganzen Welt, fürs Leben getroffen: „Und erstaunlicherweise hält der Kontakt!“ Schon seit 2010 schafft er es, sich regelmäßig mit diesem Freundeskreis zu treffen, allerdings inzwischen etwas seltener als noch zu Studienzeiten.

Vielfältig waren auch Denis beruflichen Tätigkeiten. So absolvierte er Praktika in der Automobilwirtschaft („Jeder im Ländle sollte das mal gemacht haben, oder?“) und Energiewirtschaft. Speziell letztere Tätigkeit im Rheinland hat ihm sehr gut gefallen. Dabei hat er Methoden aus der Finanzwirtschaft genutzt, um den Wert von ganzen Kraftwerken auf Basis unterschiedlicher Szenarien bis zum Jahre 2020 („was inzwischen gar nicht mehr so weit weg scheint … Denis = alt“) zu bewerten. Denis hatte das „Glück“ in dieser Branche zu arbeiten, während es in Japan zum Reaktorunglück in Fukushima kam, was in Deutschland zum Atomausstieg und der Energiewende führte (findet Denis gut), allerdings monatelange Arbeit umsonst machte (fand Denis nicht so gut). So merkte er zu diesem Zeitpunkt zum allerersten Mal die Tücken globaler Energiemärkte kennen, die beeinflusst werden von praktisch allen geopolitischen, meteorologischen sowie ökonomischen Geschehnissen weltweit. Nach dem Studienabschluss entschloss er sich dann jedoch Erfahrungen in der Unternehmensberatung zu sammeln. Hierbei wurde er in wenigen Monaten auf Projekte bei den unterschiedlichsten Unternehmen „verkauft“, lernte viel, arbeitete aber vor allem auch sehr viel. Weil Denis der Meinung war, das wäre zu viel Arbeit gewesen, entschloss er sich im Anschluss sein Glück wo anders zu suchen – auch wenn er, wie er schreibt, am liebsten „direkt in Rente“ gegangen wäre, aber so alt ist er nun wirklich nicht… 🙂

Denis arbeitet heute in der Schweiz an der ETH Zürich als Doktorand und forscht zu den Themen „Internet of Things“, also grob dem Verschmelzen der digitalen mit der physischen Welt. Das Doktorat ist anders als häufig sehr praxisnah und weniger theoretisch ausgelegt (sofern das denn möglich ist). Das sonst übliche Problem, im „Elfenbeinturm“ zu sitzen hat Denis daher weniger – was für ihn eine wichtige Grundvoraussetzung war, als er sich zu diesem Schritt entschieden hat. Konkret hat Denis in den letzten Jahren zusammen mit zwei Masterstudenten eine mobile Self-Checkout App entwickelt, die es Nutzern erlaubt Produkte in einem Kiosk nur über das Smartphone zu bezahlen und so die Schlange an der Kasse zu überspringen. Die App wurde an mehreren „Convenience Stores“ am Hauptbahnhof Zürich getestet und erfreut sich bei Nutzern großer Beliebtheit, was man an der hohen Zahl wiederkehrender Nutzer sowie an der Regelmäßigkeit ihrer Einkäufe gut erkennen konnte. Eine Zunahme an Warenschwund haben sie außerdem erfreulicherweise während der Pilotphase nicht feststellen können. Die Arbeit an der Uni ist von sehr viel Freiheit geprägt, „was Fluch und Segen zugleich ist“, da man sich häufig verloren vorkommt. Denis ist aber inzwischen im letzten Jahr seiner Promotion angekommen und sollte, wenn alles nach Plan verläuft, im Mai 2018 fertig sein – die Ziellinie ist also bereits in Sicht.

Noch dazu befasst sich Denis sowohl privat als auch beruflich nun schon seit fast zwei Jahren immer mehr mit der Blockchain, also der Sicherheit durch kryptografische Verkettung, und glaubt fest daran, dass Projekte wie beispielsweise Ethereum ein Riesenpotential haben, das Internet der Zukunft sowie unser Wirtschaften grundlegend zu verändern. Falls andere Stipendiaten oder Alumni in dem Themenbereich interessiert sind, würde sich Denis freuen, wenn sie sich bei ihm melden, um Meinungen und Ansichten auszutauschen.

An Zürich und die Schweiz hat er sich inzwischen gewöhnen können, es ist allerdings auch nicht das erste Mal, dass sich Denis in einem neuen Land integrieren musste. 🙂  Allerdings hatte er das beim ersten Mal etwas leichter in Erinnerung: „Ist wohl auch so etwas, was mit dem Alter nicht leichter wird.“ Seit Denis’ Freundin aus Berlin zu ihm nach Zürich gezogen ist und beide auch deutlich häufiger ihre Wochenenden damit verbringen, die Schweizer Berge und Seen zu erkunden, fühlt es sich aber schon deutlich mehr nach „Zuhause“ an.

Wir sind uns sicher, dass das noch mehr wird, und wünschen Denis für seinen weiteren Weg viel Erfolg, weiterhin viele TiL-Begegnungen und auch Gelassenheit in Bezug aufs Älterwerden. 🙂

Besuch in der Stuttgarter Oper

Kurz vor den Sommerferien hatten 23 aktuelle und ehemalige TiL-Stipendiat*innen noch die Gelegenheit, eine bislang unbekannte Seite der Stuttgarter Oper kennenzulernen: nicht nur eine Aufführung von Puccinis ‚Tosca‘ sollten sie an dem Abend mitbekommen, sondern auch ein umfangreiches Programm im Vorfeld.

Zur Einstimmung erhielt die bunt gemischte Gruppe eine Führung durch das Stuttgarter Opernhaus, bei der die Teilnehmenden Einblicke in spannende Bereiche wie die Requisitenlager, die Schneiderein und auch die Kulissenwerkstatt erhielten. Insbesondere die Malerwerkstatt hat es unseren Schüler*innen dabei angetan. Darauf folgte ein inhaltlicher Workshop zu ‚Tosca‘, bei dem mithilfe einer Musiktheaterpädagogin die Handlung und die Motive der Protagonisten spielerisch erarbeitet wurden. Der Workshop führte zu so manchen Aha-Erlebnissen in der tatsächlichen Opernvorführung, mit der wir den Tag ausklingen ließen.

Eine Besonderheit war zudem die Nachbereitung des Workshops: Da es nicht möglich war alle Teilnehmenden für eine weitere Sitzung nach Stuttgart zu holen, fand die Nachbesprechung via Facebook-Gruppe statt. Eine weitere tolle Idee der „Jungen Oper“, die das Programm für TiL geplant und arrangiert hatte. Wir bedanken uns herzlich!

. . . Robert Weis-Banaszczyk?

Robert bei einer seiner vielfältigen Dirigententätigkeiten.

Robert aus dem Jahrgang 2005 machte 2010 sein Abitur und wusste bereits, dass er direkt danach ein Musikstudium angehen wollte, denn auch in der Schule hatte er bereits Dirigierunterricht erhalten. Um sich auf die Aufnahmeprüfung für das Studium vorbereiten zu können, genehmigte sich Robert zunächst ein „Sabbatjahr“, bei dem er durch ein FSJ Kultur tiefe Einblicke in eine Musikschule im hessischen Bad Nauheim bekam. Zusätzlich gab Robert Nachhilfe, um auch erste pädagogische Erfahrungen für sein zukünftiges Lehramtsstudium zu sammeln.

Im Juni und Juli 2011 wurde es dann ernst: die Aufnahmeprüfungen in Stuttgart und Würzburg standen an. Nachdem ihm beide Musikhochschulen Studienplätze anboten, entschied Robert sich für Stuttgart und begann sein Schulmusik-Studium mit Kontrabass im Hauptfach. Seit 2015 setzt er dieses Studium an der Musikhochschule Mannheim mit dem Schwerpunkt Musikpädagogik und dem Leistungsfach Dirigieren fort. Neben der Hochschule ist Robert in verschiedenen musikalischen Bereichen aktiv, als Kontrabassist beispielsweise als festes Mitglied beim Heilbronner Sinfonieorchester und als Aushilfsspieler in Orchestern in Baden-Baden, Mannheim, Tübingen und am Bodensee. Zudem ist Robert seit Anfang des Jahres als Dirigent des Collegium Musicum Ludwigshafen tätig und er kooperiert regelmäßig mit dem Sinfonischen Orchester Klangattacke in Heilbronn. Letztes Jahr wurde ihm außerdem eine besondere Ehre zuteil: bei der Landesgartenschau in Öhringen sollte ein Komponist sein eigenes Konzert dirigieren, fiel jedoch kurzfristig aus – und Robert sprang ein. 🙂 Auch bei Benefizveranstaltungen ist Robert immer gern dabei, er engagiert sich im Jugendbereich und unterrichtet an der Musikschule Unterer Neckar Kontrabass und im Bereich der Ensemblearbeit.

Robert mit dem Sinfonischen Orchester ‚Klangattacke‘.

Doch damit nicht genug – ein eigenes Projekt stand bereits früh im Studium an: „Der nächste Schritt war mein Vorhaben, ein eigenes studentisches Kammerorchester aufzubauen. Das ist aus meiner Sicht ein sehr schwieriges Unterfangen, da man zwar kurzfristig immer ein paar seiner Studienfreunde für ein einzelnes Projekt zusammentrommeln kann. Aber ein Orchester längerfristig am Leben zu erhalten braucht sehr viel Vorbereitung, eine Leitidee, die langfristig motivieren kann, und vor allem viel Unterstützung von außerhalb.“ Die TiL-Verbindung kam Robert hierbei zugute: aus einem Auftritt bei der TiL-Festveranstaltung des Jahrgangs 2012 gründete sich das aus baden-württembergischen Musikstudierenden bestehende EGO Kammerorchester. Robert ist in der Organisation und Leitung tätig und kann eine professionelle CD-Aufnahme, diverse Förderungen und regelmäßige Auftritte vorweisen.

Robert sieht TiL als einen der ermöglichenden Faktoren für seine musikalische Karriere: „da sonst für mich der Instrumentalunterricht (Kontrabass, Klavier, Kurse für Dirigieren und Kontrabass) nicht in diesem Umfang möglich gewesen wäre, ich viele Reisen – wie erst kürzlich nach China mit der Bläserphilharmonie Baden-Württemberg – die mich bis heute prägen, nicht hätte machen können und viele tolle Bekanntschaften, die ich bis heute pflege, nicht gemacht hätte.“

 

Sommerakademie 2017 in Überlingen

Verantwortung. Was die Welt zusammenhält

Anfang August fand im Salem International College in Überlingen die 12. Sommerakademie statt für 86 Stipendiatinnen und Stipendiaten von Talent im Land Baden-Württemberg und Bayern.

Unter dem Oberthema „Verantwortung. Was die Welt zusammenhält“ konnten die Stipendiat*innen einen Kurs wählen aus den Fachbereichen Journalismus, Biomedizin, Politik, Informatik, Wirtschaft und Jura. Die sechs Kurse wurden von Dozenten aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Praxis unterrichtet. Abgerundet wurde die Besetzung durch ein achtköpfiges Orga-Team und durch Akademieleiterin Erika Magyarosi.

Neben den Kursen und den kursübergreifenden sportlichen und informativen Angeboten, meist betreut durch die Stipendiat*innen selbst, waren vor allem die Abende mit abwechslungsreichen Veranstaltungen gefüllt. Ein absolutes Highlight war auch dieses Jahr wieder der Abend der Talente, bei dem sich die Teilnehmer*innen in unterschiedlichster Weise präsentierten. Unter anderem bei der Campusolympiade hatten die Teilnehmer*innen der Akademie Gelegenheit, neue Freundschaften zu schließen und alte zu vertiefen. Beim Abend mit Gästen diskutierten der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte Dr. Steffen Brink mit dem Journalisten Ingo Dachwitz von netzpolitik.org und Philipp Tiedt vom BigData-Unternehmen VICO Research & Consulting über das Thema Datenschutz im Netz. Orientierung auf dem Weg in ein Studium bot der Studieninfonachmittag. Nach Workshops zur richtigen Studienfachwahl, zur Studienfinanzierung, zu Mnemotechniken und zu den Studienorientierungstests berieten Kursleiter und Orga-Team zu diversen Studienfächern. Am Abschlussabend präsentierten die einzelnen Kurse mit szenischen Vorstellungen die Inhalte und Quintessenzen der vergangenen Woche.