Chancen – neun Essays von Stipendiaten

Stipendiaten des Programms Talent im Land wurden zu Essayisten.

Dreimal trafen sich neun Autoren, um ihre Gedanken unter dem Überthema „Chance“ in Texte zu gießen: Zunächst noch unter Leitung des Schriftstellers José F. A. Oliver im April und Mai 2013. Anderthalb Jahre ruhten die Rohfassungen sodann, bis durch starke Initiative von Katja Gök das letzte Treffen im Oktober 2014 organisiert wurde. Autonom geworden – gemäß dem Essaymotto „Nieder mit den Vorbildern“ von Katja Gök – redigierte der Autorenverbund seine Texte selber. Entstanden sind letztlich neun Essays, die jetzt in Buchform veröffentlicht werden konnten.

Ihre Vielfalt zeigt einmal mehr, was der Begriff „Essay“ umfasst. Entgegen Lehrmeinungen an Schulen zeichnet sich die freieste aller Textformen einzig durch zwei Merkmale aus: Den Subjektivismus des Verfassers und eine Zielführung des Inhaltes – und sei es die Zielführung, nicht zielführend zu sein! Legitim folglich Alexander Gorbachevs Verneinung des Essays im Essay. Auch Valeria Rybins Fantasy-Essay, in dem der Leser versinkt, ist ganz und gar nicht ohne Zweck.

Zur Verteidigung von Makeln in den Texten: Wer eine fehlerfreie Gesellschaft abverlangt, begeht einen schwerwiegenden Denkfehler, so Irina Drewezki. Ebenso Maria Ruhl, die einen Paradigmenwechsel zur Nicht-Perfektion buchstäblich anstrebt.

Zwei Besonderheiten vereinen die Autoren: Zum einen sind sie erstaunlich jung! Ihr Alter lag zu Schreibbeginn zwischen fünfzehn und neunzehn Jahren. Ismail Özergen war fünfzehn, als er
den Hauptteil seines Essays über die EU verfasste. Mit siebzehn gab er diesem einen Rahmen. Die Veränderung dazwischen ist merklich. An der Nahtstelle zum Erwachsenenalter fragt man
sich zudem „Wer bin ich?“ wie Chiara A. Thomas, oder, wie Betül Kaya: „Wo bin ich zu Hause?“

Zum anderen schreiben die Autoren allesamt nicht in ihrer Muttersprache. Sie jonglieren und argumentieren nämlich mit der Sprache des Landes, in dem sie leben. Dass deutsches Packeis bezüglich Integration noch lange nicht gebrochen ist, legt Kameliya Georgieva dar. Doch Sprache kann eine Axt sein!

Der Essayband “Chancen” als pdf

 

SOS! – Studien-Orientierungs-Seminar 2015

Je näher der Schulabschluss rückt, desto wichtiger wird die Frage, was auf die Schule folgen soll. Persönliche Interessen und Lebensziele, aber auch der Wunsch, mit dem erfolgreich absolvierten Studium den Lebensunterhalt finanzieren zu können, beschäftigen Schülerinnen und Schüler – und längst erschöpfen sich die Auswahlmöglichkeiten nicht mehr in der Frage „Ausbildung oder Studium?“.

Um die Stipendiatinnen und Stipendiaten bei der Entscheidung zu unterstützen und um die zahlreichen Möglichkeiten aufzuzeigen, die Abitur und Studium eröffnen, fand vom 6.-8. Februar 2015 ein Seminar zur Studienorientierung in Rottweil statt.

Gemeinsam mit drei Trainerinnen und Trainern vom Studienkompass aus Berlin erarbeiteten die Stipendiatinnen und Stipendiaten u.a. eine Lebenslinie, diskutierten die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besprachen Berufsaussichten und die dazu passenden Studiengänge. Kooperationsspiele und Coaching halfen ihnen, aus Vorstellungen und Wünschen konkrete Strategien für die Studienwahl zu entwickeln.